Montag, 1. Juli 2019

Riga 🇱🇻

Fun Fact Lettland #1
Latvia has one of the world's oldest flags. Latvia's current flag design has been in use since 1280. Only Denmark's has been around longer.
-> And it very much resembles the Austrian Flag (🇱🇻 and 🇦🇹). Bei einer Welcome Party in Tallinn wurden uns unsere Flaggen auf die Wangen gemalt. Ich hatte eine sehr interessante Diskussion mit einem Letten, weil wir beide felsenfest der Meinung waren, dass der jeweils andere die eigene Flagge hatte!
Fun Fact Lettland #2

The Latvians invented Jeans. The tailor Jacob W. Davis was born Jākobs Jufess in Riga and emigrated to the US as a young man in 1854. In 1870, he was asked by a customer to make a strong pair of trousers for her woodcutter husband – his creation would become the template for modern denim jeans, and two years later, with help from Levi Strauss, he patented the product.
Fun Fact Lettland #3

With over 800 Art Nouveau buildings, Riga has one of the world’s greatest galleries of this joyful style. Alberta iela is a street almost entirely created by Art Nouveau genius Mikhail Eisenstein, and his son film director Sergei Eisenstein was one of the founders of modern cinema.

Day 1 - Riga

Sveicināti!


Rebecca und ich haben uns am 28. Juni um 6:30 auf unsere Baltische Staaten + Polen Reise aufgemacht. Ich werde hier noch nicht die Städte nennen, in die wir reisen werden, damit es für den einen oder anderen noch eine Überraschung bleibt - ich weiß, ich habe vielen erzählt, wo wir hinfahren. Das hätte ich im Nachhinein vielleicht nicht machen sollen.

Ganz nebenbei, Rebecca und ich haben ein Reiseunternehmen mit Namen "Kollars & Rieß Reisen" gestartet - sozusagen eine "KUR". (Wir haben uns darauf geeinigt, dass Kollars zuerst genannt wird, weil K vor R im Alphabet kommt, also bitte nicht denken, dass ich mir nicht der sozialen Regeln bewusst bin, sich selbst immer als letztes zu nennen!)

Wir standen also beide um 4:30 auf, um unseren Bus nach Riga zu erwischen. Rebecca reist mit ihrem gesamten Tallinn-Leben und hatte deswegen einn großen Koffer, eine Reisetasche und ihren großen Rucksack dabei. Ich hatte einen kleinen Handgepäckskoffer und war noch nie so froh, so wenig Gepäck zu haben. Rebecca fliegt am Ende nämlich direkt nach Memmingen zu sich nach Hause, weil sie einen billigen Flug gefunden hat, und ich fliege nochmal nach Tallinn, um mich nochmal gebührend zu verabschieden!

Wir fuhren mit Ecolines 4 Stunden nach Riga - das hat übrigens nur 5€ gekostet, weil wir ein Angebot erwischt haben! Und Ecolines hat auch Bildschirme auf den Rückenlehnen. Leider konnten wir diese nicht nutzen, weil wir beide die Stunden noch zum Schlafen nutzten.

In Riga angekommen, war unser erster Eindruck ein eher mäßig schöner Busbahnhof neben 4 riesigen Bunkern. Wir wurden regelrecht aus dem Bus geworfen, und machten uns nach Google Maps zu unserem Hostel auf. Wir schliefen hier 2 Nächte im "TreeHouse Hostel", das direkt - und ich meine hier direkt - in der Altstadt liegt. Man braucht laut Google Maps 10 Minuten zu Fuß vom Busbahnhof zum Hostel, wir haben glaub ich länger gebraucht, aber ich denke bei mehr als 40 kg im Gepäck ist das schon nachvollziehbar. Anfangs haben wir das Hostel nicht gefunden, deswegen musste Rebecca mit allen Koffern auf einem belebten Platz stehen bleiben, währen dich mich fröhlich aufmachte und den Block umrundete - und das Hostel nicht fand. Es stellte sich heraus, dass wir zwischen 2 Restaurants hindurchmussten. Das Hostel an sich war wirklich schön und sauber. Die Mitarbeiter waren sehr freundlch und auch die anderen Bewohner waren sehr lieb. Wir hatten Glück und haben einen extra Raum in einem Zimmer gekommen, weswegen wir auch etwas abgeschottet waren.

Wir ließen unser Gepäck fallen und deckten uns auf dem Weg zur Altenative Free Walking Tour noch mit Karten und Prospekten im Touristen Informations Center ein. Die Alternative Walking Tour unterschied sich von der Free Walking Tour in der Hinsicht, dass ein "local" Guide die Besucher in eher allltägliche Orte Rigas raus aus der Altstadt führt und dort mehr über das tägliche Leben der Letten und deren Bräuche und Ansichten erzählt. Unser Guide hieß Liga, hat creative writing studiert und schreibt gerade an Gedichten und fiktionalen Texten. (Alle, die mich gut kennen wissen, dass ich Feuer und Flamme war!) Hier sind die wichtigsten Facts von der Free Walking Tour zusammengefasst:
  • Die 4 Bunker neben dem Busbahnhof waren früher Zeppelin-Hangars, die von den Deutschen im 1. Weltkrieg aufgestellt wurden. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie renoviert und mittlerweile gibt es in ihnen einen der größten Märkte Europas. Der übrigens bis 5 in der Früh offen hat!
  • Letten geben sehr viel auf lokale Produkte. Und man darf auf keinen Fall beginnen zu feilschen. Da wurde anscheinend schon der eine oder andere Tourist schreiend von Dannen gejagt.
  • Ein ziemlich markantes Gebäude in Riga schaut aus wie ein Sowjetischer Abklatsch vom Empire State Building. Und es ist genau das. Anscheinend kamen Stalin Gerüchte und Bilder vom Empire State Building zu Ohren, woraufhin er der Meinung war, dass die Sowjet Union sowas auch brauchte. Also ließ er auch ein Gebäude bauen. Eine sehr unauffällige Nachahmung von einem Land, dass alles darauf gab, sich vom Westen abzuheben ...
  • Genau wie die Esten geben Letten viel auf körperliche Distanz, deswegen kann man in Lettland auch viele einzeln stehende Häuser finden, die weit vom nächsten Haus entfernt stehen.
  • Anscheinend fahren Letten sehr wild.
  • Riga hatte 10 Jahre lang einen korrupten Bürgermeister, dessen engste Mitarbeiter Freunde oder Familie waren. Letten scherzen oft über den schlechten Zustand der Straßen und sagen, die Löcher sind die Schwarzen Löcher des Bürgermeisters. Es wird zwar viel Geld "verwendet", um die Straßen zu verbessern, aber im Endeffekt passiert nichts.
  • Als Lettland 2013 den Euro bekam, gab es eine Finanzkrise, von der sich viele nich nicht erholt haben (vor allem direkt nach der Krise 2008). Viele Appartments und Häuser stehen leer, jedoch ist die Miete zu hoch für die meisten Letten. Das Mindestgehalt pro Monat liegt etwas über 450€. Eine einfache, billige Miete fängt bei 400€ an. Ohne Strom und Heizkosten. Deswegen arbeiten viele Letten in 2 Jobs. Die Pensionen sind anscheinend so niedrig (ähnlich wie in Estland), dass viele Arbetnehmer noch bis 5 Jahre arbeiten, obwohl sie eigentlich schon in Pension hätten gehen können. Andere gehen für die letzten 5-6 Arbetsjahre nach Estland, um dort zu arbeiten und dann nach der Pension nach Lettland zurückzukommen.
  • Unser Guide erwähnte auch, dass die Esten anfangs in der gleichen Situation waren wie Lettland nach 1991 und der gewonnen Unabhängigkeit, jedoch hat sich Estland schnell in die kapitalistische Welt hinaufgeschwungen durch Skype und IT-Firmen die investieren. 
  • Ähnlich wie in Estland eben noch viele Russen in Lettland, die nicht integriert wurden und sich am Rande der Gesellschaft zurechtfinden müssen. Im Parlament gewinnt deswegen immer die Partei, die die russischen Interessen fördert, weil es nur 2 Parteien gibt, die die russische Bevölkerung vertritt. Im Gegensatz dazu gibt es 16 Parteien, die die Interessen der lettischen Bevölkerung vertreten.
der lettische Zentralmarkt
das Empire State Building

Und unser Reiseführer (der übrigens sonst alles andere als gut ist), informierte uns noch, dass Riga früher die größte baltische Stadt war. Zur Zeit der Schwedischen Besetzung war Riga sogar noch größer als Stockholm.

Danach machten wir uns auf zur Freieheitssäule, und jenseits der Altstadt. Dort fanden wir eine eine sehr goldene orthodoxe Kirche und später das Radisson Blu Hotel, das uns von Dora empfohlen wurde. Hier gibt es eine Rooftop Bar, wo man mit guter Aussicht einen Kaffee trinken kann. Allein als wir die Lobby betraten, war uns der Preisunterschied dieser Art Unterkuft und unseres Hostels bewusst. Oben im Café aßen sehr viele Business Männer und wohl gekleidete Personen. Rebecca und ich stellten uns bei der Empfangsdame dumm, in der Annahme, dass sie uns einfach wegschicken würde, aber sie ließ uns sogar für ein schnelles Foto rein, weil gerade ein Tisch frei wurde. Ich machte in Lichtgeschwindigkeit ein paar Fotos und wir huschten wieder ins Erdgeschoss.

dieses Bild fängt den Flair in Riga perfekt ein
lettische Nationaloper
lettische Freiheitsstatue

orthodoxe Kirche

Art Nouveaux





















Danach schlugen wir uns ein bisschen durch weniger touristische Straßen, fanden eine Kirche und striffen durch den Art-Nouveaux Bezirk, der von Jugendstilbauten umgeben ist. Wir waren gebührend beeindruckend und ich fand mich unversehens an der Österreichischen Botschaft wieder. Ich habe mich lange nicht mehr so nahe am österreichischen Boden befunden! Fast wie Zuhause!
Irgendwann währenddessen begann es oag zu regnen, weswegen wir uns in einem Hauseingang unterstellten, und von den aus- und eingehenden Anwohnern von komisch bis böse beäugt wurden. Wir bewunderten noch ein paar weitere Jugendstil bauten und kauften dann bei unserem Convenience-Store - dem altbekanntem Rimi - für unser Abendessen ein. Rebecca war begeistert, dass sie ihre Rimi Karte nochmal zum Einsatz bringen konnte! Wir kochten uns ein gutes Abendessen aus Nudeln, Tomaten, Mozzarella und Jungzwiebeln und gingen motiviert und glücklich schlafen.

Day 2 - Riga

Wir schliefen aus und entschieden uns nicht dazu, zur Old Town Free Walking Tour zu gehen. Teilweise weil wir noch Glauben in meinen Reiseführer hatten und andererseits weil wir die Stadt.in unserem eigenen Tempo erkunden wollten. An dieser Stelle muss ich gleich erwähnen, dass ich Riga sehr beeindruckend und schön finde! Ich habe mich dort auch sofort wohlgefühlt. Und was ich von Rebecca mitbekommen habe, findet sie das gleiche. Hier wäre es sicher auch nicht so schlecht zu leben - falls jemand noch eine Destination für Erasmus sucht!

Wir gingen also Kreuz und Quer durch die Altstadt, und fanden eine Veranstaltung, die am Domplatz abgehalten wurde. Auch in Lettland wird die Mittsommernacht gebührend mit Bräuchen gefeiert. Es gab einen kleinen Markt auf dem Essen, Schmuck, Lederkreationen und andere lettischen, traditionellen Stücke angeboten wurden. Daneben stand eine Bühne auf der anfangs noch ein paar Mädels sangen, danach tanzten junge bis alte Tanzgruppen, die mit einem großen gemeinsamen Tanz aller Altersgruppen schlossen. Wir sahen auch das etwas enttäuschende Riga Schluss, das öfters in der Geschichte abgebrannt bzw. vom Erdboden gefegt, aber hartnäckig wieder aufgebaut wurde. Die drei Brüder (das Äquivalent zu Tallinns Drei Schwestern) waren mehr als enttäuschend. Sie schauen auf Fotos und Postkarten um einges besser, wenn auch sehr bearbeitet aus.

der Rigaer Dom
das Mittsommerfest



meine 2. Lieblingskirche auf unserer Reise

der etwas unbeeindruckende Palast Rigas
das Katzenhaus haben wir auch gefunden

die 3 Brüder waren unbeeindruckend, und auf
Postkasten sehr bearbeitet


















Im Reiseführer wurde uns das Museum der Lettischen Volksfront vorgeschlagen, das gratis war. Hier kann man Artifakte aus dem lettischen Freiheitskampf und mehr über die sowjetischen Vergangenheit Lettlands lesen. Die Lettische Volksfront war unter anderem auch der Initiator der Baltischen Kette von 1989 (zum 50. Jahrestag des Molotov-Ribbentrop Paktes von 1939 - für alle, die in Geschichte nicht so sattelfest sind - dieses Dokument ist sehr wichtig, denn hier einigten sich Stalin und Hitler über die Aufteilung der Territorien im Osten zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjet Union). 1989 bildeten Estland, Lettland und Litauen also eine menschliche Kette, die über 675,5 Kilometer lang war, und die beim Toompea Schloss in Tallinn startete und in Litauen vor der Kathedrale in Vilnius endete. Im Museum kann man selbst die Hände von echten (ungesund wirkenden) schwarz-weißen, flachen Menschen halten und Teil der baltischen Kette werden. Genau das haben Rebecca und ich gemacht! Oh, und wir haben eine interessante Aufstellung einer Lenin Statue gefunden:

Wir spazierten über eine Brücke auf die anderen Uferseite der Düna (lett. Daugava) und genossen dort um Schatten unser mitgebrachtes Mittagessen. Es war wirklich, wirklich heiß, weil die Sonne nur so runterbrannte. Und ich kann mit Stolz sagen, dass ich keinen Sonnenbrand bekommen habe!!!

Danach holten wir uns einen Visitors-Pass für die Lettische Nationalbibliothek und verbrachten die nächsten Stunden zwischen historischen Fundstücken. Wir fanden ein Buch, das zur Zeit Livonias von Katholiken angefertigt wurde und ale Bilder von Städten in Livonia und Estland zeigt. Wir staunten mehr über schwarz-weiß Gemälde von Tallinn, Tartu, Haapsalu, Narva, Viljandi und Kurressaare als über das Rigaer Schloss. Außerdem hatten die Städte damals noch andere - aber ähnliche - Namen. Tallinn war Reval, Haapsalu Hapsal und Tartu Derpt. Außerdem verbrachten wir einige Zeit schmökernd in Ausgaben der Baltischen Illustrierten aus den Jahren 1918 und 1919. Hier gab es Front-Neuigkeitskarten, Bilder aus schönen estnischen Städten und durch britische Soldaten "geschändete" Heereslager der deutschen Soldaten. Außerdem haben wir das Kursbuch der Rigaer Universität für das 1918/1919 gefunden, in dem die Stundentafeln der einzelnen Studiengänge und die jeweiligen Kurse samt Dozenten aufgeschlüsselt waren - und das auf Deutsch!
Tallinn mit Altstadt und dem Pirita Kloster,
welches damals schon ausgebrannt war
Narva
Viljandi, mit der damals schon zerstörten Burg
wir haben die Baltische Illustrierte gelesen,
auf der Titelseite sind die Viru Gates zu sehen









Wie ihr euch denken könnt, haben wir einige Zeit gebraucht, um uns von diesen Fundstücken loszureißen! Wir spazierten noch ein bisschen am Flussufer entlang und produzierten unter anderem dieses gelungene Bild:



Danach zeigte ich Rebecca Hesburger, damit sie dieses FastFood Restaurant auch noch von ihrer Liste abhaken konnte! Fun Fact: Wir hatten hier schon das Gefühl, viele Kirchen angeschaut zu haben (merkt euch das!). Wir genossen am Abend noch unseren echen Riga Balzam, der uns von unserem Guide als dem lettischen nationalem Alkohol empfohlen wurde und dazu einen Lebkuchen in der Form Lettlands. Leider war diese nicht mehr ganz so vorhanden, da der Lebkuchen ein paar Stunden in meinem Rucksack verbracht, während wir noch quer durch die Stadt marschierten. Ja, er ist nicht so heil wieder im Hostel abgekommen. Gut war er trotzdem.


Alles in allem kann ich Riga nur jedem als Ziel weiterempfehlen, und es zahlt sich wirklich aus hier hinzufahren. Ich muss aber dazusagen, dass uns die 1enhalb Tage für die wichtigsten touristischen Attraktionen gereicht haben und wir wahrscheinlich etwas ratlos gewesen wären, was wir am späten 3. Tag noch hätten machen sollen!

Es freut mich, dass ihr bis hier durchgehalten habt!

Tschau,
eure Verena

Fun Fact Quellen:
https://www.telegraph.co.uk/travel/destinations/europe/latvia/amazing-facts-about-latvia/
https://www.latvia.travel/en/article/interesting-facts-about-latvia

Mittwoch, 19. Juni 2019

Aegna, Haapsalu und Viljandi 🇪🇪

Estonian Fun Fact #8

When the wooden platform of Haapsalu Railway Station was completed in 1907, it was the longest covered platform in northern Europe. Although the 216-metre platform was constructed to match the length of the Russian imperial train, Russian Tsars never made it to Haapsalu after the completion of the railway station building. Even the railway no longer exists, though the Estonian railway museum operates now in the station.
Tere!

Ich bin das letzte Wochenende noch ein letztes Mal quer durch Estland gereist, um die mir verbleibende Zeit noch gut auszunutzen. Viel Spaß!

Aegna

Aegna ist eine Insel, die per Fähre etwa eine Stunde vor Tallinn liegt. Rebecca, Marta und ich haben uns am Freitag aufgemacht, um um 10 die Fähre zu erwischen. Rebecca und ich sind zuerst am falschen Hafen gestanden, und wurden darauf aufmerksam gemacht, dass unser Schiff hinter der riesigen - mittlerweile stillgelegten und verfallenen - Sowjetischen Sporthalle Linnahall abfährt. Leider wird genau jetzt bei Linnahall ein neuer Film von Christopher Nolan mit dem Namen "Tenet" gedreht, sodass das gesamte Gelände umzäunt war. Kurzerhand gingen wir auf der äußeren Seite der Absperrung entlang, um hinter Linnahall zu gelangen, aber wir wurden von der Security Aufsicht (die auch nur Studenten waren) zurückgepfiffen. Wir klärten sie auf, dass wir nicht das Filmset stürmen wollten, sondern nur zur Fähre (dabei zeigten wir auf das kleine Schild mit nem Pfeil) wollten. Sie ließen uns durch und wir bestiegen einen etwas klapprigen Kahn. Es ist schon sehr interessant, wie die Fähre in Estland noch so heruntergekommen wirken kann, Hauptsache man kann Tickets online buchen und an Board mit der Bankomatkarte bezahlen!
wir hatten gute Sicht!


In den 4enhalb Stunden, die wir auf der Insel hatten, schafften wir einen kompletten Rundgang und klapperten alle "Kontrollpunkte" (auf estnisch heißt es auch Kontrollpunkt, wie wir erfuhren) ab. Aegna ist eine wirklich spannende Insel - weit abgelegen von allem touristischen. Hier gibt es ganz nach estischer Sitte ein paar Sommerhäuser, die jeweils außer Sichtweise der anderen und so weit wie möglich entfernt liegen. Marta hat in ihrer Schulzeit hier mal eine Woche in einem Sommercamp verbracht. Außerdem war die Insel zur Kriegszeit und zur Zeit der Besetzung durch die Sowjet Union ein Grenzgebiet, weswegen noch immer viele Bunker, sowjetische Gebäude und andere nicht unerklärbare Konstruktionen zu finden sind. Außerdem hat die Insel gefühlt 5 verschiedene Flora, Fauna und Waldarten! Man taucht in einen Waldweg ein, wird von Gelsen bis zur nächsten Lichtung gejagt, dort hat man eine 50-50 Chance entweder ein verfallenes oder ein renoviertes Ferienhaus zu sehen, dann taucht man in das nächste Waldstück samt Gelsen ein, welches aber plötzlich ganz andere Farben und Baumarten hat. Man braucht 40 Minuten von der einen Seite der Insel auf die andere, und dafür hat sie eine relativ große Artenvielfalt.

Marta vor fraglichen Militärgegenständen
auch sehr gut in Schuss
einladendes Sommerhaus
der Feuerlöscher funktioniert sicher auch noch
auch sehr einladend!
das war früher mal ein Opferstein


Wir sind gleich am Anfang ziemlich vom Weg abgekommen (war eh klar), und konnten/mussten uns einen Weg am Strand suchen. Das war einerseits sehr angenehm, weil wir alleine waren, wir das rauschen des Meeres genießen konnten und ein Strandfeeling hatten, andererseits eher unangenehm weil wir uns durch dicke Schichten mehr oder weniger getrocknetem Seetang wühlen und den Gestank ertragen mussten. Dafür haben wir interessante Entdeckungen am Strand gemacht!







Außerdem kann man auf der Insel alte, vorzeitliche Steinkonstruktionen finden. Eine Konstruktion wirkt auch wirklich so, als wär sie in der Vorzeit entstanden - das Peace Zeichen und das Yin-Yang Zeichen eher nicht.

Sonst ist es noch erwähnenswert, dass wir 2 Rehe gesehen haben! Das erste habe ich verpasst, dafür hatte ich einen langen Stare-Contest mit einem Reh als ich am Weg aufs Klo war - aka mir ein gut deckendes Gebüsch gesucht habe. Da ich aber mein Handy nicht auf diese Suche mitgenommen habe, kann ich euch leider kein Foto bereitstellen ... Außerdem sind wir in einen sehr gruseligen Bunker reingegangen. Ich muss sagen, ich habe mich sehr angeschissen (ist ja keine Schande das zuzugeben oder? Bunker, vor allem sowjetische machen mir einfach Gänsehaut), aber Rebecca ist vorgegangen und hat den Weg geleuchtet - dann Marta und dann ich. Fun Fact: Ich habe nicht aufgepasst, dass die Tür hinter uns offen bleibt (es gab keine Tür) - aber anscheinend sind die Leute in den Horrorfilmen doch nicht so dumm, wie es von außen immer scheint.


Was ich noch sehr interessant gefunden habe ist, dass die Sowjets anscheinend einen Großteil der Insel gerodet haben. Mir ist bei einem Waldstück aufgefallen, dass die Bäume in perfekten Reihen stehen, was optisch natürlich sehr schön war, aber dann doch nicht meiner Vorstellung eines Waldes entsprochen hat. Marta hat uns erklärt, dass nach Estlands Unabhängigkeit diese Bäume neu gepflanzt wurden.

Haapsalu

Haapsalu ist eine Stadt von der ich schon sehr viel gehört habe. Rebecca war vor ca. 2 Monaten mit ihrer Schwester dort und seitdem liebt sie diese Stadt. Ich wurde durch sie schon derart konditioniert, dass ich nur bei der Erwähnung des Namens Haapsalu auch begonnen habe zu Seufzen und glücklich war. Das ist echt nicht normal!
Dementsprechend habe ich natürlich Großes erwartet. Ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht, aber auch nicht positiv überrascht. Die Stadt ist nett. Aber für mich persönlich eben nur das: nett. Hier ist die Illustratorin von Astrid Lindgren Ilon Wikland großgeworden (die bei der Besetzung Estlands mit dem letzten Flüchtlingsboot nach Stockholm geflohen ist), und viele ihrer Zeichnung - vor allem die Illustration von "Wir Kinder aus Bullerbü" sind geprägt durch die kleinen Holzhäuser. Rebecca hat mir nachher erklärt, dass das Buch sie sehr an ihre Kindheit erinnert hat, und sie deswegen Haapsalu auch so toll fand. Ich hingegen habe das Buch einmal gelesen. Die Häuser waren natürlich sehr süß, aber so beeindruckt wie Rebecca hat es mich nicht.

Haapsalu ist eine Kurstadt (wenn das so heißt), wo eine Art Schlammbad entwickelt wurde. Sogar die russischen Zaren sind nach Haapsalu gereist, um sich hier mit Dreck einreiben zu lassen. Dementsprechend ist die Atmosphäre sehr angenehm und ruhig. Die Promenade ist auch sehr schön und es hat etwas beruhigendes auf und ab zu schlendern.
Innen in Ilon's Museum
Ilons Wunderland
Tschaikowsky Bank
eine kleine Stick-Breaker-Figure



Viljandi


Last, but not least - am Sonntag haben Rebecca, Dora und ich uns nach Viljandi aufgemacht. Diese Stadt liegt 2,5 Stunden von Tallinn entfernt, aber wie vielleicht schon erwähnt ist in Estland alles sehr schnell, sehr gut mit dem Bus zu erreichen. Das Erste was uns aufgefallen ist, sind die riesigen Erdbeeren, die einfach in der Stadt herumliegen. Das kommt von einem berühmten Maler, der das Bild die "Strawberry Eaters" hier in Viljandi gemalt hat.
schaut zwar auf den ersten Blick
schimmlig aus, ist aber aus
Mosaiksteinen
die Lage Viljandi in Estland!

Viljandi hat mir sehr gut gefallen, muss ich sagen (sogar besser als Haapsalu, aber das darf Rebecca nicht wissen!). Die Altstadt ist noch gut erhalten bzw. renoviert worden, und die Atmosphäre ist angenehm und einladend. Wir sind ein bisschen herumgeschlendert und haben uns dann zur Klosterruine aufgemacht. Es stehen nur mehr ein paar Mauern der ursprünglichen Festung, und natürlich der Burggraben. Im Rest des innersten Innenhofs wurde gerade ein Fest veranstaltet. Rebecca hat bei einer Frau nachgefragt, was gerade veranstaltet wird, aber die Frau konnte nur  gebrochenes Englisch, also ist Dora auf Russisch eingesprungen. So hat es bis jetzt immer funktioniert - sollten alle Stricke der Kommunikation reißen, sprechen die Esten mit Dora auf Russisch. Wir erfuhren also, dass Pensionisten gerade verschiedene Lieder und Tänze für andere Pensionisten vorführten. Wir setzten uns während eines Chors dazu, und glücklicherweise war direkt danach eine traditionelle Tanzgruppe an der Reihe! Das war wirklich sehr interessant!
der Wasserturm und das Wahrzeichen Viljandis
hier sieht man den See bei Viljandi und einen Rest der Mauer
so hat die Festung ursprünglich ausgeschaut!



Am Weg zu unserem Mittagessen wurden wir auf offener Straße von einem Typen angesprochen, der im Eingang zu einem Kebab Laden stand, ob wir gratis Eis verkosten wollen. Rebecca und ich sagten sofort ja, und Dora murmelte mir nur ins Ohr: "That's the start of a horror movie". Aber wir wurden in ein Restaurant gebeten und uns wurde ein großer Becher mit Wassermelonen Eis in die Hand gedrückt. Es stellte sich heraus, dass ein junges Paar (sie sahen aus, als wären sie in meinem Alter) nächste Woche das Kebab Restaurant eröffnen und jetzt ein paar Leute ihr Eis verkosten lassen. Wir wurden also nach unsere Meinung gefragt, gaben sie ab und durften wieder unserer Wege gehen. Das Eis war gut - auf eine Frozen Yoghurt Art und Weise. In falscher Reihenfolge aßen wir danach erst Mittag - in einem Restaurant namens Green House, das Rebecca von ihrer estnischen Freundin empfohlen wurde und ich kann es nur weiterempfehlen. Danach schlenderten wir zum Strand, Viljandi liegt an einem See, und genossen unsere letzte Stunde.

Ich habe mich echt nicht gefühlt, als wäre ich in Estland - oder ich bin einfach noch an die winterlichen Standards gewohnt. Die Leute waren offensichtlich freundlich und glücklich, also anscheinend hängt die Stimmung echt auch mit dem Wetter zusammen. Und Esten müssen das gute Wetter leider wirklich ausnützen.


Ich werde mich jetzt länger nicht melden, weil Rebecca und ich auf einer Rundreise durch Riga, Vilnius, Kaunas, Warschau und Danzig sind!

Nägemist,
Eure Verena 👋

Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015