Samstag, 9. Februar 2019

New Semester, New Me

Estonian Fun Fact #4:
In 1937, Estonia deployed a submarine named Lembit, which is today one of the few surviving pre-war manufactured submarines. It is located in the charming Seaplane Harbour hangar in Tallinn, which now operates as the Maritime Museum.

Tere!

Der Titel des Blog Posts ist mehr Motivation als Wahrheit. Ich bin eigentlich direkt von einem Semester ins nächste gerutscht (sehr schlecht geplant Verena). Also während alle meine hart arbeitenden Freunde zuhause mittlerweile schon Ferien haben (genießt sie!) und Schifahren oder nach Südafrika fliegen können (have fun Sophie, ich lebe durch dich), bin ich seit dieser Woche wieder im Uni leben gefangen. An sich ist das gar nicht so schlimm, weil die Semester hier zweigeteilt sind. Ich habe manche Kurse das ganze Semester, manche nur Februar bis März und andere von April bis Mai. Juni ist Prüfungszeit. An der Uni Wien gibt es dieses System nicht, denn da ziehen sich alle Lehrveranstaltungen über die gesamten 4 Monate des Semesters. Ich glaube, ich verstehe jetzt das System an der WU besser. Hier gibts auch Summer und Winter Schools, also ist es gar nicht so unterschiedlich!

Gute Neuigkeiten zwischendurch: Ich kenne mich jetzt sogar schon besser in der Uni aus! Ich hatte in der letzten Woche drei Uni Kurse und bin einfach den angeschriebenen Gebäudenamen gefolgt und bin innerhalb von ein paar Minuten vor meinem Raum gestanden. Außerdem kann ich jetzt schon ganze drei Cafés in den Unigebäuden lokalisieren. Hurray!

Am Dienstag um 10:15 hatte ich meinen ersten Uni Kurs: International Humanitarian Law. Oder, wie der Dozent gleich bemerkte: The Law of War. Ich muss sagen, ich war ziemlich eingeschüchtert von unserem Dozenten. Rhetorisch sehr geschult donnerte er in perfektem Englisch seine ersten Sätze durch den Raum. Während der nächsten drei Stunden fand ich jedoch heraus, dass er gar nicht so angsteinflößend war und auch ein paar sarkastische Bemerkungen in seine Erzählungen einfließen ließ. Dadurch, dass ich bei diesen Kommentaren schmunzelte (sie waren wirklich lustig!), merkte er anscheinend, dass ich aufpasste  und ihm folgen konnte (Applaus for me). Er sagte von Anfang an, dass er nicht politisch korrekt sein wird, und das auch nicht vorhat, weil politische Korrektheit seiner Meinung nach auch nur eine Art des Lügens ist. Er erzählte, dass bewiesen wurde, dass jede/r 6. Este/Estin während aller Besetzungen Estlands (ob durch die Sowjetunion oder Deutschland) als Spitzel für den Feind gearbeitet hat. Damit war fast jede Familie betroffen. Nachdem unser Dozent die harten Fakten über sein Heimatland offenbart hatte, meinte er, könne er diese auch über andere Länder loswerden. Nicht viel Gutes hatte er über Russland zu sagen, was wirklich interessant ist, da Estland nach dem 2. Weltkrieg noch bis 1990 durch die Sowjetunion besetzt war und bis heute noch viele Russen in Estland wohnen.

Kurzer Exkurs:
Uns wurde letzte Woche ein sehr interessanter Film zur estnischen Geschichte gezeigt: "The Singing Revolution". Hier wurde allgemein Estlands Weg vom 2. Weltkrieg, der Besetzung durch die Sowjetunion bis zu erneuten Ausrufung der Republik in 1990 erzählt. Die Dokumentation war wirklich spannend und sehr empfehlenswert. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe bis jetzt noch nichts über die (Kriegs-)Geschichte der baltischen Länder gewusst, und fand es sehr erschreckend, wie wenig ich über Länder wusste, die sogar auch in Europa liegen. Da macht sich wieder bemerkbar, dass jedes Land seine Geschichte und sein Wissen doch sehr subjektiv vermittelt, ob absichtlich oder unabsichtlich. Als ich danach zu meiner Tutorin sagte, dass ich den Film wahnsinnig interessant fand und nicht nachvollziehen kann, wieso wir nichts über die Geschichte der nordischen Staaten in der Schule lernen, antwortete sie darauf, dass sie nicht versteht, wieso alle immer nur über Hitler berichten und niemand über Stalin spricht. Sie meinte, dass Stalin noch mehr Tode zu verantworten hätte als Hitler, und dass endlich mal darüber gesprochen werden sollte.

In dem Sinne finde ich es wahnsinnig interessant zu erfahren, wie der estnische Blickwinkel auf das heutige Russland bzw. die derzeitige Entwicklungen ist. Unser Dozent gab uns auch etwas Unterricht in Kriegsführung, indem er uns fragte, ob es effektiver wäre 100.000 Soldaten zu verwunden oder zu töten, um eine gegnerische Armee zu schwächen. FYI: Die Antwort ist verwunden, da die Überlebenden so noch ernährt, gepflegt und untergebracht werden müssen.
Bis nächste Woche müssen wir die Geneva Conventions I und II von 1949 lesen.

Mein 2. Uni Kurs in "History of the 20th century" fand am Donnerstag statt. Die Atmosphäre im Kurs war ein bisschen komisch, obwohl ich nicht genau sagen kann wieso. Wir machten ein Kahoot-Quiz um unser Wissen über das 20. Jahrhundert zu testen. Ergebnis: Ich habe anscheinend kein Wissen über das 20. Jahrhundert. Nada. Aber da der Kurs vom Fach Geschichte angeboten wird, ist es auch kaum verwunderlich. Die Dozenten merkten noch an, dass sich alle, die während des Quiz' bemerkten, dass sie nicht ganz so sattelfest in der Zeit sind, doch bitte in einem etwa 1000 Seiten Wälzer einlesen sollen. Ich glaube nicht, dass ich so viel Zeit haben werde, aber schauen wir mal. Danach schauten wir einen russischen Film, der anscheinend technisch sehr fortschrittlich für seine Zeit war. Alle wussten sehr viel bemerkenswertes an dem Film anzumerken, ich war eher etwas unterfordert. Außerdem kommt im Mai eine Gastdozentin von der Universität Wien und wird mit uns zum Thema "Gender relations and society" diskutieren. Allgemein interessiert mich der Kurs sehr, und auch wenn ich offensichtlich viel zu wenig Hintergrundwissen besitze, kann ich ja nur profitieren. Also werde ich das auf jeden Fall durchziehen!

Mein dritter Kurs war am Freitag in "Anthropology of Experience". Erstmal hatte ich einen halben Herzinfarkt, weil der Dozent plötzlich meinte, das sei der Kurs in "History of Anthropological Cinema", woraufhin ich panisch den Raum und die Zeit kontrollierte. Ich saß aber im richtigen Kurs, und der Name im Vorlesungsverzeichnis ist anscheinend nur ein Überbegriff (danke dafür). Der Kurs Inhalt ist aber so auch interessant, und sogar relevant für Soziologie und Kultur- und Sozialanthropologie. Das ist wahrscheinlich einer der beiden Kurse, in denen ich mich fachlich auch zuhause fühle.

Nächste Woche habe ich derweil noch dieselben Kurse, und übernächste Woche kommen dann noch ein paar mehr Kurse hinzu.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,
eure Verena 👋


Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015

Mittwoch, 6. Februar 2019

Tallinn - Weekend 2 🇪🇪

Estonian Fun Fact #3:
Tallinn is one of the few cities in the world where the medieval city wall has largely remained. Out of the original four-kilometre-long wall and its 46 towers, two kilometers and 26 towers still remain.

Tere!

Seit meinem letzten Post ist wieder viel passiert.

Erstens muss gleich erwähnt werden, dass ich seit Freitag stolze Besitzerin einer myFitness-Clubkarte bin. Es ist dann doch eine etwas andere Erfahrung ein Zirkeltraining durchzustehen, wenn man in einer fremden Sprache angebrüllt wird. Motivierend? Jein. Angsteinflößend? Oh ja. Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr ich meine Muskeln in den nächsten Tagen gespürt habe. Dafür weiß ich jetzt, wie man auf Estnisch drei, zwei, eins sagt: kolm, kaks, üks. Hört sich lustig an, ist es aber nicht.

Danach habe ich mir einen Kundenaccount in einem Buchgeschäft zugelegt, und feststellen müssen, dass die estnische Tastatur einige Unterschiede zur deutschsprachigen Tastatur aufweist. Ich wollte frisch und fröhlich meinen Namen und meine E-Mail Adresse eingeben, weil es schwer war, diese zu kommunizieren, musste aber nach den ersten Buchstaben feststellen, dass fast alles woanders ist. Das führte zu einigen awkwarden Sekunden, bis ich das "@" endlich fand. Es ist irgendwo bei den Zahlen oben. Fragt mich nicht wieso. Der Angestellt schloss mit der Aussage: "You can use that account the next time, if the employee manages to spell your name correctly." How reassuring, thank you very much.

Am Freitag gab es eine Old Town Tour, an der viel zu viele Menschen teilnahmen, was dazu führte, dass die Hälfte der Leute nichts verstand. Ich war eine der Betroffenen. Brav hinterhertrottend bin ich zwar drei Stunden bei Wind, Wetter und Schneefall durch die Altstadt Tallinns gelatscht, viele historische Fakten habe ich jedoch nicht mitbekommen, außer dass etwas, wovon ich dachte, dass es ein erhängter Weihnachtsmann ist, eigentlich ein Pfeffersack sein sollte. Hat sich also doch etwas gebracht.  Fotos konnte ich leider auch nicht viele machen, weil es erstens dunkel war, zweitens geschneit hat und einem drittens die Finger nach 5 Sekunden an der frischen Luft einfroren. Nichtsdestotrotz hier zwei Fotos. (Ich habe gerne einen Finger geopfert.)
















Nach der Old Town Tour hatten wir die gute Idee etwas essen zu gehen, aber die schlechte Idee, in ein estnisches Restaurant einzukehren, das direkt am Rathausplatz liegt (im Nachhinein hätten wir daran schon erkennen sollen, dass das weeeit außerhalb unserer Preisklasse liegt). Well, wir haben das nicht bemerkt und uns wurde ein 20% Discount versprochen. Gut, fünf Minuten später saßen wir alle glücklich um einen altertümlich mittelalterlichen Tisch und fühlten uns wie bei König Artus. Als wir schließlich die Karte aufschlugen, wurde uns allen etwas unwohl. Bier 6€, Kaffee 6€, Schnitzel 16€, Kakao 8€ etc. Wir schluckten alle gewaltig, starrten paralysiert auf die Karte und hofften allesamt darauf, dass irgendjemand endlich aussprach, was wir uns alle dachten: Raus hier! Nach weiteren fünf klammen Minuten, standen wir schließlich aufgewärmt auf und marschierten in unser unauffällig großen Gruppe von 12 Personen am Personal vorbei. Der Anwerber fragte noch, was den los sei, wir bekämen doch 20% Discount. Darauf antwortete ein Freund: "We would need 50% discount to afford this." Wo er recht hat, hat er recht.

Es war leider nicht ganz konsequentenlos, dass ich bei der Old Town nichts mitbekommen habe. Am nächsten Tag fanden nämlich die City Games statt. Hier wurde mit 12 Teams eine groß angelegte Schnitzeljagd durch die gesamte Stadt veranstaltet. Wir mussten insgesamt 6 Stationen abklappern, dort eine Aufgabe erfüllen und Fragen für Bonuspunkte beantworten. Am Ende gab es Tee für alle bei der Siegerehrung. Ratet wer gewonnen hat? Wir!!! Obwohl ich ehrlicherweise glaube, dass wir deswegen gewonnen haben, weil es dem gesamten Team ziemlich egal war, ob wir gewinnen. Wir haben erstmal eine Stunde gebraucht, um die ersten beiden Stationen zu finden. Ich war leider keine große Hilfe, da ich, wie schon erwähnt, eher mäßig viel von der Tour am vorigen Tag mitnahm. Danach war uns allen so kalt, und wir waren alle so genervt von den Aufgaben, dass wir das Ganze so schnell wie möglich hinter uns haben wollten. Und siehe da - wir gewannen Kinogutscheine für uns alle und einen 15€ Gutschein für Drinks.

Am Sonntag gingen wir ins Kumu-Museum, eines der vielen Museen hier. Wir sahen einerseits die permanente Ausstellung, eine Ausstellung zur russischen Propaganda zu Zeit der Besetzung Estlands und andere moderne (und sehr verstörende) Ausstellungen. Interessant ist, dass die meisten Maler deutsche Namen haben, da zu der Zeit, als die Bilder entstanden, Estland anscheinend zum damaligen Deutschland gehörte. Die Einheimischen waren jedoch Arbeiter, wohingegen sich die Besetzer mit Malen ihre freie Zeit vertreiben konnten. (Falls ich irgendwelche Fakten verdreht habe, macht mich bitte darauf aufmerksam!)

Außerdem kann ich euch ganz stolz berichten, dass ich eine neue kulinarische Entdeckung gemacht habe! Ich habe nämlich Uncle Ben's süß-saure Sauce gefunden. Die erste Packung habe ich vor 4 Tagen gekauft, gestern musste Nachschub her. Ihr könnt euch vorstellen, wie abwechslungsreich ich die letzten Tage gegessen habe. Die genau Beschreibung der Sauce kann ich euch leider nicht sagen, da es auf Estnisch und Russisch draufsteht. Aber die Bilder und der Inhalt haben schmackhaft ausgesehen! 

Liebe Grüße,
eure Verena 👋

To-Do:

  • Pfanne kaufen
  • Estonian ID-Card bei der Polizei machen lassen
  • Learning Agreement an die Uni Wien schicken
  • 1st und 2nd Geneva convention von 1949 lesen
Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015