Estonian Fun Fact #4:In 1937, Estonia deployed a submarine named Lembit, which is today one of the few surviving pre-war manufactured submarines. It is located in the charming Seaplane Harbour hangar in Tallinn, which now operates as the Maritime Museum.
Tere!
Der Titel des Blog Posts ist mehr Motivation als Wahrheit. Ich bin eigentlich direkt von einem Semester ins nächste gerutscht (sehr schlecht geplant Verena). Also während alle meine hart arbeitenden Freunde zuhause mittlerweile schon Ferien haben (genießt sie!) und Schifahren oder nach Südafrika fliegen können (have fun Sophie, ich lebe durch dich), bin ich seit dieser Woche wieder im Uni leben gefangen. An sich ist das gar nicht so schlimm, weil die Semester hier zweigeteilt sind. Ich habe manche Kurse das ganze Semester, manche nur Februar bis März und andere von April bis Mai. Juni ist Prüfungszeit. An der Uni Wien gibt es dieses System nicht, denn da ziehen sich alle Lehrveranstaltungen über die gesamten 4 Monate des Semesters. Ich glaube, ich verstehe jetzt das System an der WU besser. Hier gibts auch Summer und Winter Schools, also ist es gar nicht so unterschiedlich!
Gute Neuigkeiten zwischendurch: Ich kenne mich jetzt sogar schon besser in der Uni aus! Ich hatte in der letzten Woche drei Uni Kurse und bin einfach den angeschriebenen Gebäudenamen gefolgt und bin innerhalb von ein paar Minuten vor meinem Raum gestanden. Außerdem kann ich jetzt schon ganze drei Cafés in den Unigebäuden lokalisieren. Hurray!
Am Dienstag um 10:15 hatte ich meinen ersten Uni Kurs: International Humanitarian Law. Oder, wie der Dozent gleich bemerkte: The Law of War. Ich muss sagen, ich war ziemlich eingeschüchtert von unserem Dozenten. Rhetorisch sehr geschult donnerte er in perfektem Englisch seine ersten Sätze durch den Raum. Während der nächsten drei Stunden fand ich jedoch heraus, dass er gar nicht so angsteinflößend war und auch ein paar sarkastische Bemerkungen in seine Erzählungen einfließen ließ. Dadurch, dass ich bei diesen Kommentaren schmunzelte (sie waren wirklich lustig!), merkte er anscheinend, dass ich aufpasste und ihm folgen konnte (Applaus for me). Er sagte von Anfang an, dass er nicht politisch korrekt sein wird, und das auch nicht vorhat, weil politische Korrektheit seiner Meinung nach auch nur eine Art des Lügens ist. Er erzählte, dass bewiesen wurde, dass jede/r 6. Este/Estin während aller Besetzungen Estlands (ob durch die Sowjetunion oder Deutschland) als Spitzel für den Feind gearbeitet hat. Damit war fast jede Familie betroffen. Nachdem unser Dozent die harten Fakten über sein Heimatland offenbart hatte, meinte er, könne er diese auch über andere Länder loswerden. Nicht viel Gutes hatte er über Russland zu sagen, was wirklich interessant ist, da Estland nach dem 2. Weltkrieg noch bis 1990 durch die Sowjetunion besetzt war und bis heute noch viele Russen in Estland wohnen.
Kurzer Exkurs:
Uns wurde letzte Woche ein sehr interessanter Film zur estnischen Geschichte gezeigt: "The Singing Revolution". Hier wurde allgemein Estlands Weg vom 2. Weltkrieg, der Besetzung durch die Sowjetunion bis zu erneuten Ausrufung der Republik in 1990 erzählt. Die Dokumentation war wirklich spannend und sehr empfehlenswert. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe bis jetzt noch nichts über die (Kriegs-)Geschichte der baltischen Länder gewusst, und fand es sehr erschreckend, wie wenig ich über Länder wusste, die sogar auch in Europa liegen. Da macht sich wieder bemerkbar, dass jedes Land seine Geschichte und sein Wissen doch sehr subjektiv vermittelt, ob absichtlich oder unabsichtlich. Als ich danach zu meiner Tutorin sagte, dass ich den Film wahnsinnig interessant fand und nicht nachvollziehen kann, wieso wir nichts über die Geschichte der nordischen Staaten in der Schule lernen, antwortete sie darauf, dass sie nicht versteht, wieso alle immer nur über Hitler berichten und niemand über Stalin spricht. Sie meinte, dass Stalin noch mehr Tode zu verantworten hätte als Hitler, und dass endlich mal darüber gesprochen werden sollte.
In dem Sinne finde ich es wahnsinnig interessant zu erfahren, wie der estnische Blickwinkel auf das heutige Russland bzw. die derzeitige Entwicklungen ist. Unser Dozent gab uns auch etwas Unterricht in Kriegsführung, indem er uns fragte, ob es effektiver wäre 100.000 Soldaten zu verwunden oder zu töten, um eine gegnerische Armee zu schwächen. FYI: Die Antwort ist verwunden, da die Überlebenden so noch ernährt, gepflegt und untergebracht werden müssen.
Bis nächste Woche müssen wir die Geneva Conventions I und II von 1949 lesen.
Bis nächste Woche müssen wir die Geneva Conventions I und II von 1949 lesen.
Mein 2. Uni Kurs in "History of the 20th century" fand am Donnerstag statt. Die Atmosphäre im Kurs war ein bisschen komisch, obwohl ich nicht genau sagen kann wieso. Wir machten ein Kahoot-Quiz um unser Wissen über das 20. Jahrhundert zu testen. Ergebnis: Ich habe anscheinend kein Wissen über das 20. Jahrhundert. Nada. Aber da der Kurs vom Fach Geschichte angeboten wird, ist es auch kaum verwunderlich. Die Dozenten merkten noch an, dass sich alle, die während des Quiz' bemerkten, dass sie nicht ganz so sattelfest in der Zeit sind, doch bitte in einem etwa 1000 Seiten Wälzer einlesen sollen. Ich glaube nicht, dass ich so viel Zeit haben werde, aber schauen wir mal. Danach schauten wir einen russischen Film, der anscheinend technisch sehr fortschrittlich für seine Zeit war. Alle wussten sehr viel bemerkenswertes an dem Film anzumerken, ich war eher etwas unterfordert. Außerdem kommt im Mai eine Gastdozentin von der Universität Wien und wird mit uns zum Thema "Gender relations and society" diskutieren. Allgemein interessiert mich der Kurs sehr, und auch wenn ich offensichtlich viel zu wenig Hintergrundwissen besitze, kann ich ja nur profitieren. Also werde ich das auf jeden Fall durchziehen!
Mein dritter Kurs war am Freitag in "Anthropology of Experience". Erstmal hatte ich einen halben Herzinfarkt, weil der Dozent plötzlich meinte, das sei der Kurs in "History of Anthropological Cinema", woraufhin ich panisch den Raum und die Zeit kontrollierte. Ich saß aber im richtigen Kurs, und der Name im Vorlesungsverzeichnis ist anscheinend nur ein Überbegriff (danke dafür). Der Kurs Inhalt ist aber so auch interessant, und sogar relevant für Soziologie und Kultur- und Sozialanthropologie. Das ist wahrscheinlich einer der beiden Kurse, in denen ich mich fachlich auch zuhause fühle.
Nächste Woche habe ich derweil noch dieselben Kurse, und übernächste Woche kommen dann noch ein paar mehr Kurse hinzu.
Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!
Liebe Grüße,
eure Verena 👋
Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015

