Mittwoch, 6. Februar 2019

Tallinn - Weekend 2 🇪🇪

Estonian Fun Fact #3:
Tallinn is one of the few cities in the world where the medieval city wall has largely remained. Out of the original four-kilometre-long wall and its 46 towers, two kilometers and 26 towers still remain.

Tere!

Seit meinem letzten Post ist wieder viel passiert.

Erstens muss gleich erwähnt werden, dass ich seit Freitag stolze Besitzerin einer myFitness-Clubkarte bin. Es ist dann doch eine etwas andere Erfahrung ein Zirkeltraining durchzustehen, wenn man in einer fremden Sprache angebrüllt wird. Motivierend? Jein. Angsteinflößend? Oh ja. Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr ich meine Muskeln in den nächsten Tagen gespürt habe. Dafür weiß ich jetzt, wie man auf Estnisch drei, zwei, eins sagt: kolm, kaks, üks. Hört sich lustig an, ist es aber nicht.

Danach habe ich mir einen Kundenaccount in einem Buchgeschäft zugelegt, und feststellen müssen, dass die estnische Tastatur einige Unterschiede zur deutschsprachigen Tastatur aufweist. Ich wollte frisch und fröhlich meinen Namen und meine E-Mail Adresse eingeben, weil es schwer war, diese zu kommunizieren, musste aber nach den ersten Buchstaben feststellen, dass fast alles woanders ist. Das führte zu einigen awkwarden Sekunden, bis ich das "@" endlich fand. Es ist irgendwo bei den Zahlen oben. Fragt mich nicht wieso. Der Angestellt schloss mit der Aussage: "You can use that account the next time, if the employee manages to spell your name correctly." How reassuring, thank you very much.

Am Freitag gab es eine Old Town Tour, an der viel zu viele Menschen teilnahmen, was dazu führte, dass die Hälfte der Leute nichts verstand. Ich war eine der Betroffenen. Brav hinterhertrottend bin ich zwar drei Stunden bei Wind, Wetter und Schneefall durch die Altstadt Tallinns gelatscht, viele historische Fakten habe ich jedoch nicht mitbekommen, außer dass etwas, wovon ich dachte, dass es ein erhängter Weihnachtsmann ist, eigentlich ein Pfeffersack sein sollte. Hat sich also doch etwas gebracht.  Fotos konnte ich leider auch nicht viele machen, weil es erstens dunkel war, zweitens geschneit hat und einem drittens die Finger nach 5 Sekunden an der frischen Luft einfroren. Nichtsdestotrotz hier zwei Fotos. (Ich habe gerne einen Finger geopfert.)
















Nach der Old Town Tour hatten wir die gute Idee etwas essen zu gehen, aber die schlechte Idee, in ein estnisches Restaurant einzukehren, das direkt am Rathausplatz liegt (im Nachhinein hätten wir daran schon erkennen sollen, dass das weeeit außerhalb unserer Preisklasse liegt). Well, wir haben das nicht bemerkt und uns wurde ein 20% Discount versprochen. Gut, fünf Minuten später saßen wir alle glücklich um einen altertümlich mittelalterlichen Tisch und fühlten uns wie bei König Artus. Als wir schließlich die Karte aufschlugen, wurde uns allen etwas unwohl. Bier 6€, Kaffee 6€, Schnitzel 16€, Kakao 8€ etc. Wir schluckten alle gewaltig, starrten paralysiert auf die Karte und hofften allesamt darauf, dass irgendjemand endlich aussprach, was wir uns alle dachten: Raus hier! Nach weiteren fünf klammen Minuten, standen wir schließlich aufgewärmt auf und marschierten in unser unauffällig großen Gruppe von 12 Personen am Personal vorbei. Der Anwerber fragte noch, was den los sei, wir bekämen doch 20% Discount. Darauf antwortete ein Freund: "We would need 50% discount to afford this." Wo er recht hat, hat er recht.

Es war leider nicht ganz konsequentenlos, dass ich bei der Old Town nichts mitbekommen habe. Am nächsten Tag fanden nämlich die City Games statt. Hier wurde mit 12 Teams eine groß angelegte Schnitzeljagd durch die gesamte Stadt veranstaltet. Wir mussten insgesamt 6 Stationen abklappern, dort eine Aufgabe erfüllen und Fragen für Bonuspunkte beantworten. Am Ende gab es Tee für alle bei der Siegerehrung. Ratet wer gewonnen hat? Wir!!! Obwohl ich ehrlicherweise glaube, dass wir deswegen gewonnen haben, weil es dem gesamten Team ziemlich egal war, ob wir gewinnen. Wir haben erstmal eine Stunde gebraucht, um die ersten beiden Stationen zu finden. Ich war leider keine große Hilfe, da ich, wie schon erwähnt, eher mäßig viel von der Tour am vorigen Tag mitnahm. Danach war uns allen so kalt, und wir waren alle so genervt von den Aufgaben, dass wir das Ganze so schnell wie möglich hinter uns haben wollten. Und siehe da - wir gewannen Kinogutscheine für uns alle und einen 15€ Gutschein für Drinks.

Am Sonntag gingen wir ins Kumu-Museum, eines der vielen Museen hier. Wir sahen einerseits die permanente Ausstellung, eine Ausstellung zur russischen Propaganda zu Zeit der Besetzung Estlands und andere moderne (und sehr verstörende) Ausstellungen. Interessant ist, dass die meisten Maler deutsche Namen haben, da zu der Zeit, als die Bilder entstanden, Estland anscheinend zum damaligen Deutschland gehörte. Die Einheimischen waren jedoch Arbeiter, wohingegen sich die Besetzer mit Malen ihre freie Zeit vertreiben konnten. (Falls ich irgendwelche Fakten verdreht habe, macht mich bitte darauf aufmerksam!)

Außerdem kann ich euch ganz stolz berichten, dass ich eine neue kulinarische Entdeckung gemacht habe! Ich habe nämlich Uncle Ben's süß-saure Sauce gefunden. Die erste Packung habe ich vor 4 Tagen gekauft, gestern musste Nachschub her. Ihr könnt euch vorstellen, wie abwechslungsreich ich die letzten Tage gegessen habe. Die genau Beschreibung der Sauce kann ich euch leider nicht sagen, da es auf Estnisch und Russisch draufsteht. Aber die Bilder und der Inhalt haben schmackhaft ausgesehen! 

Liebe Grüße,
eure Verena 👋

To-Do:

  • Pfanne kaufen
  • Estonian ID-Card bei der Polizei machen lassen
  • Learning Agreement an die Uni Wien schicken
  • 1st und 2nd Geneva convention von 1949 lesen
Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015

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