Estonian Fun Fact #5:
In Soomaa National Park, one can experience the fifth season - the flood season after the end of the winter - when the best way to move around is by boat. One fifth of the entire area of Estonia is a swamp, about half of which is under protection.
Tere!
Kurz vorneweg: Ihr könnt die Bilder anklicken bzw. auswählen, dann sind sie größer und schärfer! :)
Da meine Uni hier nach Halbsemestern aufgeteilt ist, hatten wir die letzte Woche frei. Beziehungsweise alle jene, die Kurse belegt haben, welche geblockt im ersten Halbsemester stattfanden, durften in der "freien" Woche Prüfungen schreiben. Alle anderen hatten nichts zu tun. Für unsere Uni waren das die einzigen Ferien im Semester, da in Estland die Feiertage nicht nach Religionen ausgerichtet sind, gibt es hier fast keine Ferien und Feiertage, und wenn richten sie sich nicht nach kirchlichen Feiern (wir haben zum Beispiel zu Ostern nicht frei).
Da ich nur am Dienstag ein Exam hatte, haben Sarina, Rebecca, Nicolo, Riccardo und ich die Chance genutzt, um uns Estland ein bisschen mehr anzuschauen. Sarina und Nicolo sind beide in Lappland draufgekommen, dass sie, bevor sie nach Estland gekommen sind, etwas über einen Nationalpark gelesen haben, der im Frühling durch die Schneeschmelze überflutet sein soll. Siehe da, ich bekam letzte Woche um 9 in der Früh einen Anruf von Sarina (nein, sie hat mich nicht aufgeweckt - ja, mein Wecker ist 5 Minuten davor losgegangen), ob ich Lust hätte mit ihr und Nicolo nach Pärnu und zu dem Nationalpark zu fahren. Da Rebecca und ich ohnehin geplant hatten uns in der Woche Tartu anzuschauen, konnten wir das gleich verbinden. Einen Tag später waren die ersten Busse und das Hostel gebucht. Mit dem Transfer zum Nationalpark und der Kanu-Tour waren wir noch etwas verwirrt: Das Hostel schickte Sarina eine Telefonnummer (ohne Kommentar), woraufhin Nicolo dort anrief, um beim Hostel alles abzuklären. Die Person hob nicht ab, also schrieben wir ihm eine Nachricht wegen des Hostels. Die Antwort, die zurückkam, war ziemlich perplex: "My Hostel?". Falsche Nummer erwischt. Anscheinend hatten wir Kontakt zu einem von den Typen aufgenommen, die den Transfer vom Hostel zum Nationalpark anbieten. Aber immerhin haben wir schon einen ersten Kontakt aufgebaut. 👍
Am Donnerstag gings dann frisch und fröhlich nach Pärnu, eine Stadt im Süden (die ich beim besten Willen nicht aussprechen kann, ich schaffe Pärnü und Parnu, aber ein Umlaut und ein Vokal geht einfach nicht). Wir kamen voller Freude in Pärnu an, spazierten über einen großen Platz, die Hauptstraße entlang zur Touristeninfo. Die Frau hinterm Schalter war mehr als verwirrt, wieso wir mehr als einen Tag in Pärnu bleiben, aber wir beschwichtigten sie gleich, dass wir morgen eh andere Pläne hatten. So weit so gut. Wir luden unsere Sachen im Hostel ab und verbrachten den Rest des Tages auf Streifzug durch Pärnu. Mein persönliches Highlight war der Strand (Sandstrand) auf dem immer noch Schnee und Eisplatten herumlagen. Auch war das Wasser teilweise noch gefroren. Als wir schon den halben Strand überquert hatten (und ich ein nicht geringes Ausmaß des Strandes in meinen Schuhen hatte) kamen wir an echt coole Schaukeln. Ich habe davor noch nie Schaukeln gesehen, bei denen man steht und sich nach oben nach den Griffen strecken muss. Auf jeden Fall muss man dann abwechselnd hoch und runter springen, um sich selbst und die andere Person in die Luft zu befördern. Ich frage mich immer noch, wie Kinder damit Spaß haben können, weil Rebecca und ich beide unsere Mühe hatten an die Griffe ranzukommen. Es gab auch normale Schaukeln für Einzelpersonen (ich weiß leider echt nicht, wie ich das anders beschreiben soll) und ein Schaukelgerüst ist sowieso schon umgefallen und lag im Sand. So viel zu Beach-Maintenance.
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| Rebecca hat den Schneeberg erklommen |
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| Sarina und Riccardo betreiben Eisblock-Stemmen |





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| Rebecca und ich schaukeln mal anders |


Danach gingen wir einkaufen und Nicolo und Riccardo bekochten uns im Hostel mit Pasta. Ihr müsst wissen, dass beide aus Italien sind und ja ... das sagt einfach schon alles über die Qualität unseres Abendessens aus. Einfach herrlich. Außerdem habe ich jetzt wieder neue Koch-Skills erlernt: Mozzarella schneiden und Rucola waschen. Ich war eine enorme Hilfe in der Küche!
Am Tag danach gings pünktlich um 9 (just kidding, wir waren erst um 9:10 alle im Auto, es waren ja Italiener dabei) zum Soomaa Nationalpark zum Kanu fahren. Wir waren alle ready, haben so viel wasserfestes Essen wie möglich eingepackt - für den Fall der Fälle, dass wir doch mit dem Kanu kentern sollten. Dort angekommen wurden wir in Life Jackets gesteckt, die schon bessere Zeiten gesehen haben und bekamen eine laminierte Karte in die Hand gedrückt, die uns auf unserer self-guided tour helfen sollte. Die Tour bestand aus einem etwa 2 km langem, verschnörkselten Weg, nachdem wir auf einen Fluss fahren sollten, der uns gerade in die andere Richtung katapultieren sollte, wo wir wieder aus dem Fluss aussteigen und uns auf einem 1 km langem, verschnörkselten Weg zurück zur Anlegestelle der Kanus machen sollten. Wichtige Info: die Aussichtsplattform aus Holz ist von jedem Standpunkt in der Tour zu sehen.
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| Die Karte, die uns gegeben wurde |
Wir ihr euch wahrscheinlich schon denken könnt: Wir haben uns verfahren. Wir haben uns sowas von verfahren. Am Anfang ging es noch ruhig dahin (Nicolo und Riccardo - von Rebecca Riccolo getauft - drehten sich anfangs ein paar Mal um sich selbst und fuhren auch am Ende noch ein paar Mal rückwärts) bis wir nach etwa 10 Minuten das erste mal aufliefen. Gut, wir ruderten zurück, suchten uns einen anderen Weg und weiter gings. Dann liefen wir das nächste Mal auf und so weiter und so fort. Das ging leider nur so lange gut, bis unser kompletter Weg ein einziges Auflauf-Risiko war und wir an jeder Stelle um unseren Schwung fürchten mussten. Rebecca kam auf die geniale Idee uns mit Körperschwung weiterzukatapultieren (es war eher ein Zentimeterweises kriechen). Zu dem Zeitpunkt waren wir aber schon weeeiiit aus der Sichtweite des Aussichtsturms, sonst hätte unser Fahrer einen lustigen Anblick gehabt: Ein grünes Kanu mit drei Mädels, die laut "drei, zwei, eins" zählen (vor allem auf Deutsch) und dann ihre Rümpfe nach vorne schleudern. Sarina und mich hat es einmal vor lauter Schwung von unserer Sitzbank geschleudert. Keine Angst, wir sind nicht gekentert. Als wir um 12 das erste Mal auf die Uhr schauten, war mir zumindest schon etwas bang (kurzes durchrechnen im Kopf: wir hatten den Fluss noch immer nicht gefunden, der Weg war sehr mühsam, weiter vorne sah es nicht besser aus, und zurück mussten wir auch noch kommen). Also aßen wir etwas zur Stärkung und Sarina begab sich auf Google Maps. Siehe da, wir befanden uns direkt neben einem "Fluss". Das war eher eine zwei Meter breite Strömung, die aber doch in die richtige Richtung (nämlich zum Anlegepunkt) floss. Außerdem wurden Sarina auch die ursprünglichen Schnörkseln von der Karte angezeigt - die wir weit, weit hinter uns gelassen hatten. Wir sind einfach mehr als doppelt so weit gefahren. Daraufhin schmissen wir uns auf den Fluss und es ging flott (wir nahmen im Vorbeitreiben ein paar Äste mit) wieder zurück. Wir sind jedoch alle der Meinung, dass sich unser Verlorengehen sehr ausgezahlt hat, weil wir so längere Zeit im Kanu verbringen konnten und den coolen, schnellen, kurvigen Part des Flusses auch mitnehmen konnten.
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| Der weiße Kreis markiert die Route, die wir hätten fahren sollen - der blaue Punkt unseren Standort als wir umdrehten |
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| Wir mussten uns festhalten, um auf Riccolo zu warten |
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| Ich hätte zu dem Zeitpunkt den Sonnenbrand schon erahnen können |












Der Weg zurück stellte leider auch noch eine Herausforderung dar. Die einzigen Busse gingen von einer Bushaltestelle 4 km (laut unserem Guide) weit weg um 6 in der Früh und um 15:20 nach Pärnu. Der Guide sagte uns, wir bräuchten für die Strecke von 4 km ca. 1 1/2 Stunden. Wie ihr euch wahrscheinlich schon vorstellen könnt: Es waren keine 4 km und es waren keine einenhalb Stunden. Rebecca und ich betrieben richtiges Speed-Walking (ohne Witz, wir ließen Sarina und Riccolo nach 2 Kurven weit hinter uns) und wir hätten es in etwa zwei Stunden geschafft. Der Bus war aber zu dem Zeitpunkt schon weg. Am Weg hatte ich noch kurz einen Herzinfarkt, als sich hinter den Bäumen was hellbraunes hüpfend bewegte und ich kurz dachte, ich müsste von einem Bären um mein Leben rennen (obwohl man weder bei einem Schwarzbären noch bei einem Braunbären wegrennen soll - ich habe anscheinend den Unterricht aus Kanada in einer Panik Situation nicht wirklich anwenden können). Keine Sorge, nach dem hellbraunen Hüpfen sah ich nichts Weiteres. Nicolo rief unseren Fahrer von der Früh an, der uns daraufhin abholte und wieder am Hostel absetzte. Wir mussten sogar weniger zahlen. Was einerseits richtig nett war, andererseits aber auch irgendwie okay, da er uns falsche Informationen gegeben hatte. Der Weg vom Kanuplatz zur Bushaltestelle waren nämlich eigentlich 8 km. Mein GoogleMaps, das im Hostel wieder durch genügend Internet wieder funktionierte, konnte das bestätigen.
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| Die lang ersehnte Bushaltestelle |
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| endloser Ausblick 2 |
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| endloser Ausblick 1 |
Am Abend (oder eher in der Nacht) gingen wir in die berühmt berüchtigte Pizzeria Steffani, bei der anscheinend im Sommer Schlangen stehen, um reinzukommen. Wir ergatterten einen Platz und genossen eine wohlverdiente Pizza. Riccardo war ein bisschen betroffen, dass auf einer Pizza, die nach Neapel benannt war, Ananas drauf war. (Note to self: Keine Ananas auf Pizzen für Italiener.)
Kurze Notiz am Rande: Ich habe einen Mörder Sonnenbrand als Souvenir vom Kanufahren bekommen. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass mich die Esten anstarrten, als hätten sie noch nie einen Sonnenbrand gesehen. Andererseits haben sie wahrscheinlich einfach noch nie eine Person mit Sonnenbrand Ende März (wo es noch um die 0° hat) gesehen. Congrats to me!
Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Rebecca, die sich den kompletten nächsten Tag mit Tomaten-Mir in Tartu in der Öffentlichkeit herumschlug. Ich war nach einem kurzen Klogang auch sehr geschockt von meinem Gesicht, ich kann es den Esten nicht verdenken. Andererseits wer denkt Ende März bei 2° daran sich mit Sonnencreme einzudecken, wenn er komplett mit Winterjacke und Winterstiefel etc. Kanufahren geht? Ich. Nicht.
Tartu mit Rebecca war großartig! Wir gingen direkt zur Tourist-Info, die uns ein Prospekt mit einer Self-Guided Tour aushändigten. Wir machten uns auf den Weg und - Trommelwirbel - klapperten im Zuge der Tour 28 Denkmäler ab!!!
Denkmäler Count Tartu: 28
Denkmäler Count Overall: 28
Dieser Countdown wird in Riga und Vilnius weitergeführt! Tartu ist echt eine coole Stadt mit sehr viel Geschichte. Sie ist auf jeden Fall mehr Studenten-Stadt als Tallinn. Sarina meinte sogar, dass sie sich jetzt für Tartu entscheiden würde, wenn sie nochmal die Wahl hätte, wo sie ihr Auslandssemester verbringen würde. Vor allem das Hauptgebäude der Universität hat wahnsinnig viel Geschichte: Gebaut von einem Deutschen, Gelehrt zuerst auf Deutsch, später auf Estnisch, eingenommen von den Russen, prompt ein orthodoxer Kirchturm auf das Unidach gebaut (ist jetzt nicht mehr da, wir haben gecheckt), fast abgebrannt, Freiheitskampf der Esten in 1918, Wiedereinnahme durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg, kompletter Anstrich der Fassade in militärgrün, Einname durch die Soviet Union und darauffolgendes Hissen der roten Banner, Zweiter Freiheitskampf der Esten und endlich ihre Unabhängigkeit. Ich hoffe, ich habe alles so gut wie möglich akkurat wiedergeben können!
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| die Statue der Küssenden Studenten in Tartu |
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| das Rathaus in Tartu |
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| die Universität Tartu |
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| das schiefe Haus von Tartu |
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| Rebecca hat eine neue Freundin |
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| Ich hab Rebecca hier abgesetzt und sie nach der Stadttour wieder abgeholt |
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| der ehemalige Dom |





Falls jemand von euch in Tartu sein sollte, kann ich das Café Krempel und den dortigen "Biggest Coffee in Town" sehr empfehlen! Dort buchten wir unseren Bus zurück nach Tallinn für denselben Abend. Es ist wirklich angenehm, wir kurzfristig und billig man in Estland Busse buchen kann! Dann spazierten wir noch an 10 weiteren Denkmälern vorbei, die nicht in der Stadtführung inbegriffen waren und saßen letztendlich ausgelaugt, aber glücklich, im Bus zurück nach Tallinn!
Was habe ich aus diesen 3 Tagen gelernt:
- IMMER Sonnencreme dabeihaben. Auch im Winter.
- Esten wissen nicht was Sonnenbrände sind.
- Italiener mögen keine Ananas auf ihrer Pizza. Böse!
- Es ist möglich 28 Denkmäler an einem Tag zu sehen.
- Strand und Eis und Schnee an einem Ort gibt es.
- Andere Länder haben andere Schaukeln.
Bis bald,
eure Verena 👋
Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015
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