Mittwoch, 19. Juni 2019

Aegna, Haapsalu und Viljandi 🇪🇪

Estonian Fun Fact #8

When the wooden platform of Haapsalu Railway Station was completed in 1907, it was the longest covered platform in northern Europe. Although the 216-metre platform was constructed to match the length of the Russian imperial train, Russian Tsars never made it to Haapsalu after the completion of the railway station building. Even the railway no longer exists, though the Estonian railway museum operates now in the station.
Tere!

Ich bin das letzte Wochenende noch ein letztes Mal quer durch Estland gereist, um die mir verbleibende Zeit noch gut auszunutzen. Viel Spaß!

Aegna

Aegna ist eine Insel, die per Fähre etwa eine Stunde vor Tallinn liegt. Rebecca, Marta und ich haben uns am Freitag aufgemacht, um um 10 die Fähre zu erwischen. Rebecca und ich sind zuerst am falschen Hafen gestanden, und wurden darauf aufmerksam gemacht, dass unser Schiff hinter der riesigen - mittlerweile stillgelegten und verfallenen - Sowjetischen Sporthalle Linnahall abfährt. Leider wird genau jetzt bei Linnahall ein neuer Film von Christopher Nolan mit dem Namen "Tenet" gedreht, sodass das gesamte Gelände umzäunt war. Kurzerhand gingen wir auf der äußeren Seite der Absperrung entlang, um hinter Linnahall zu gelangen, aber wir wurden von der Security Aufsicht (die auch nur Studenten waren) zurückgepfiffen. Wir klärten sie auf, dass wir nicht das Filmset stürmen wollten, sondern nur zur Fähre (dabei zeigten wir auf das kleine Schild mit nem Pfeil) wollten. Sie ließen uns durch und wir bestiegen einen etwas klapprigen Kahn. Es ist schon sehr interessant, wie die Fähre in Estland noch so heruntergekommen wirken kann, Hauptsache man kann Tickets online buchen und an Board mit der Bankomatkarte bezahlen!
wir hatten gute Sicht!


In den 4enhalb Stunden, die wir auf der Insel hatten, schafften wir einen kompletten Rundgang und klapperten alle "Kontrollpunkte" (auf estnisch heißt es auch Kontrollpunkt, wie wir erfuhren) ab. Aegna ist eine wirklich spannende Insel - weit abgelegen von allem touristischen. Hier gibt es ganz nach estischer Sitte ein paar Sommerhäuser, die jeweils außer Sichtweise der anderen und so weit wie möglich entfernt liegen. Marta hat in ihrer Schulzeit hier mal eine Woche in einem Sommercamp verbracht. Außerdem war die Insel zur Kriegszeit und zur Zeit der Besetzung durch die Sowjet Union ein Grenzgebiet, weswegen noch immer viele Bunker, sowjetische Gebäude und andere nicht unerklärbare Konstruktionen zu finden sind. Außerdem hat die Insel gefühlt 5 verschiedene Flora, Fauna und Waldarten! Man taucht in einen Waldweg ein, wird von Gelsen bis zur nächsten Lichtung gejagt, dort hat man eine 50-50 Chance entweder ein verfallenes oder ein renoviertes Ferienhaus zu sehen, dann taucht man in das nächste Waldstück samt Gelsen ein, welches aber plötzlich ganz andere Farben und Baumarten hat. Man braucht 40 Minuten von der einen Seite der Insel auf die andere, und dafür hat sie eine relativ große Artenvielfalt.

Marta vor fraglichen Militärgegenständen
auch sehr gut in Schuss
einladendes Sommerhaus
der Feuerlöscher funktioniert sicher auch noch
auch sehr einladend!
das war früher mal ein Opferstein


Wir sind gleich am Anfang ziemlich vom Weg abgekommen (war eh klar), und konnten/mussten uns einen Weg am Strand suchen. Das war einerseits sehr angenehm, weil wir alleine waren, wir das rauschen des Meeres genießen konnten und ein Strandfeeling hatten, andererseits eher unangenehm weil wir uns durch dicke Schichten mehr oder weniger getrocknetem Seetang wühlen und den Gestank ertragen mussten. Dafür haben wir interessante Entdeckungen am Strand gemacht!







Außerdem kann man auf der Insel alte, vorzeitliche Steinkonstruktionen finden. Eine Konstruktion wirkt auch wirklich so, als wär sie in der Vorzeit entstanden - das Peace Zeichen und das Yin-Yang Zeichen eher nicht.

Sonst ist es noch erwähnenswert, dass wir 2 Rehe gesehen haben! Das erste habe ich verpasst, dafür hatte ich einen langen Stare-Contest mit einem Reh als ich am Weg aufs Klo war - aka mir ein gut deckendes Gebüsch gesucht habe. Da ich aber mein Handy nicht auf diese Suche mitgenommen habe, kann ich euch leider kein Foto bereitstellen ... Außerdem sind wir in einen sehr gruseligen Bunker reingegangen. Ich muss sagen, ich habe mich sehr angeschissen (ist ja keine Schande das zuzugeben oder? Bunker, vor allem sowjetische machen mir einfach Gänsehaut), aber Rebecca ist vorgegangen und hat den Weg geleuchtet - dann Marta und dann ich. Fun Fact: Ich habe nicht aufgepasst, dass die Tür hinter uns offen bleibt (es gab keine Tür) - aber anscheinend sind die Leute in den Horrorfilmen doch nicht so dumm, wie es von außen immer scheint.


Was ich noch sehr interessant gefunden habe ist, dass die Sowjets anscheinend einen Großteil der Insel gerodet haben. Mir ist bei einem Waldstück aufgefallen, dass die Bäume in perfekten Reihen stehen, was optisch natürlich sehr schön war, aber dann doch nicht meiner Vorstellung eines Waldes entsprochen hat. Marta hat uns erklärt, dass nach Estlands Unabhängigkeit diese Bäume neu gepflanzt wurden.

Haapsalu

Haapsalu ist eine Stadt von der ich schon sehr viel gehört habe. Rebecca war vor ca. 2 Monaten mit ihrer Schwester dort und seitdem liebt sie diese Stadt. Ich wurde durch sie schon derart konditioniert, dass ich nur bei der Erwähnung des Namens Haapsalu auch begonnen habe zu Seufzen und glücklich war. Das ist echt nicht normal!
Dementsprechend habe ich natürlich Großes erwartet. Ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht, aber auch nicht positiv überrascht. Die Stadt ist nett. Aber für mich persönlich eben nur das: nett. Hier ist die Illustratorin von Astrid Lindgren Ilon Wikland großgeworden (die bei der Besetzung Estlands mit dem letzten Flüchtlingsboot nach Stockholm geflohen ist), und viele ihrer Zeichnung - vor allem die Illustration von "Wir Kinder aus Bullerbü" sind geprägt durch die kleinen Holzhäuser. Rebecca hat mir nachher erklärt, dass das Buch sie sehr an ihre Kindheit erinnert hat, und sie deswegen Haapsalu auch so toll fand. Ich hingegen habe das Buch einmal gelesen. Die Häuser waren natürlich sehr süß, aber so beeindruckt wie Rebecca hat es mich nicht.

Haapsalu ist eine Kurstadt (wenn das so heißt), wo eine Art Schlammbad entwickelt wurde. Sogar die russischen Zaren sind nach Haapsalu gereist, um sich hier mit Dreck einreiben zu lassen. Dementsprechend ist die Atmosphäre sehr angenehm und ruhig. Die Promenade ist auch sehr schön und es hat etwas beruhigendes auf und ab zu schlendern.
Innen in Ilon's Museum
Ilons Wunderland
Tschaikowsky Bank
eine kleine Stick-Breaker-Figure



Viljandi


Last, but not least - am Sonntag haben Rebecca, Dora und ich uns nach Viljandi aufgemacht. Diese Stadt liegt 2,5 Stunden von Tallinn entfernt, aber wie vielleicht schon erwähnt ist in Estland alles sehr schnell, sehr gut mit dem Bus zu erreichen. Das Erste was uns aufgefallen ist, sind die riesigen Erdbeeren, die einfach in der Stadt herumliegen. Das kommt von einem berühmten Maler, der das Bild die "Strawberry Eaters" hier in Viljandi gemalt hat.
schaut zwar auf den ersten Blick
schimmlig aus, ist aber aus
Mosaiksteinen
die Lage Viljandi in Estland!

Viljandi hat mir sehr gut gefallen, muss ich sagen (sogar besser als Haapsalu, aber das darf Rebecca nicht wissen!). Die Altstadt ist noch gut erhalten bzw. renoviert worden, und die Atmosphäre ist angenehm und einladend. Wir sind ein bisschen herumgeschlendert und haben uns dann zur Klosterruine aufgemacht. Es stehen nur mehr ein paar Mauern der ursprünglichen Festung, und natürlich der Burggraben. Im Rest des innersten Innenhofs wurde gerade ein Fest veranstaltet. Rebecca hat bei einer Frau nachgefragt, was gerade veranstaltet wird, aber die Frau konnte nur  gebrochenes Englisch, also ist Dora auf Russisch eingesprungen. So hat es bis jetzt immer funktioniert - sollten alle Stricke der Kommunikation reißen, sprechen die Esten mit Dora auf Russisch. Wir erfuhren also, dass Pensionisten gerade verschiedene Lieder und Tänze für andere Pensionisten vorführten. Wir setzten uns während eines Chors dazu, und glücklicherweise war direkt danach eine traditionelle Tanzgruppe an der Reihe! Das war wirklich sehr interessant!
der Wasserturm und das Wahrzeichen Viljandis
hier sieht man den See bei Viljandi und einen Rest der Mauer
so hat die Festung ursprünglich ausgeschaut!



Am Weg zu unserem Mittagessen wurden wir auf offener Straße von einem Typen angesprochen, der im Eingang zu einem Kebab Laden stand, ob wir gratis Eis verkosten wollen. Rebecca und ich sagten sofort ja, und Dora murmelte mir nur ins Ohr: "That's the start of a horror movie". Aber wir wurden in ein Restaurant gebeten und uns wurde ein großer Becher mit Wassermelonen Eis in die Hand gedrückt. Es stellte sich heraus, dass ein junges Paar (sie sahen aus, als wären sie in meinem Alter) nächste Woche das Kebab Restaurant eröffnen und jetzt ein paar Leute ihr Eis verkosten lassen. Wir wurden also nach unsere Meinung gefragt, gaben sie ab und durften wieder unserer Wege gehen. Das Eis war gut - auf eine Frozen Yoghurt Art und Weise. In falscher Reihenfolge aßen wir danach erst Mittag - in einem Restaurant namens Green House, das Rebecca von ihrer estnischen Freundin empfohlen wurde und ich kann es nur weiterempfehlen. Danach schlenderten wir zum Strand, Viljandi liegt an einem See, und genossen unsere letzte Stunde.

Ich habe mich echt nicht gefühlt, als wäre ich in Estland - oder ich bin einfach noch an die winterlichen Standards gewohnt. Die Leute waren offensichtlich freundlich und glücklich, also anscheinend hängt die Stimmung echt auch mit dem Wetter zusammen. Und Esten müssen das gute Wetter leider wirklich ausnützen.


Ich werde mich jetzt länger nicht melden, weil Rebecca und ich auf einer Rundreise durch Riga, Vilnius, Kaunas, Warschau und Danzig sind!

Nägemist,
Eure Verena 👋

Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015