Sonntag, 4. September 2016

Abschiednehmen



Adiós Nicaragua!

 




Das ist also mein letzter Post. Lissi und ich hätten beide nicht erwartet, dass es uns so schwer fallen würde zu gehen. Natürlich wurde uns von anderen Freiwilligen gesagt, dass man, wenn man eine gewisse Zeit in Nicaragua verbracht hat, das Land und die Menschen lieben lernt. Und ja – sie hatten recht. Und wenn wir uns am Anfang nicht sicher waren, ob wir diese Erfahrung nochmal machen würden, oder wiederkommen, oder verlängern, zu diesem Zeitpunkt wollen wir beide bleiben.

Außerdem möchte ich noch einige Dinge klarstellen: Die Vorurteile über Nicaragua sind: Heiß, Drogen, Schmutzig, unfreundliche Menschen, … was auch immer. Und natürlich ist es das, was einem als erstes auffällt, und am meisten stört, wenn man dann wirklich an diesen Ort reist. Ich habe diese Erfahrung jetzt gemacht, und ich bitte jeden: seid offen! Nur weil eine Kultur anders ist als unsere, nur weil sie vielleicht keine iPhones haben, das Toilettenpapier in die Mülltonne werfen müssen oder jeden Abend als Familie auf dem Gehsteig vor ihrem Haus sitzen und plaudern, sind wir nicht besser als sie. Es steht uns nicht zu, diese Kultur zu kritisieren (ich weiß, ich habe es selbst getan, und im Nachhinein weiß ich, dass das einfach der Kulturschock war, und ich meine, es hat in mein verdammtes Zimmer geregnet! Auf mein Bett!). Am Anfang war es uns extrem unangenehm, dass uns Männer auf der Straße anglotzten, ansprachen oder nachpfiffen. Mittlerweile habe ich mich gewöhnt (und ehrlich, es freut doch auch das Ego). Auch die Gehsteige sind extrem mühsam: Entweder sitzen Leute darauf, man muss Stufen hinaufsteigen oder es ist nicht einmal einer Vorhanden. Aber als wir gestern durch die Straßen spaziert sind, habe ich gemerkt, wie sehr ich es lieben gelernt habe. Außerdem entdeckt man auf den Straßen immer etwas Neues! Gestern lagen zum Beispiel ein Taschenrechner und Rucksack auf der Straße. Natürlich kann ich hier nicht predigen, denn jeder muss die Erfahrung selbst machen. Ich dachte mir nur, als ich den Blog begann, ich will meine Gedanken wirklich so niederschreiben, wie sie sind. Es bringt nichts, zu heucheln, dass alles super ist, wenn ich mich jede Sekunde nach Hause wünsche. Und ja, meine Gedanken jetzt gerade sind, dass Nicaragua ein wunderschönes Land ist, mit extrem freundlichen Menschen, einer interessanten Kultur, in dem man viel erleben kann! Und, dass ich nicht gehen will...


mit unserer Ayudante Jessi

Also ja, ich war eine typische weiße Touristin, die sich über alles aufgeregt hat, als wir ankamen, aber man gewöhnt sich daran. Und es ist spannend, interessant und schön sich auf eine neue Kultur einzulassen und zu lernen, was ihr wichtig ist.


Den Punkt der „Raubüberfälle“ will ich auch noch ansprechen, weil es ja auch zu den allgemeinen Vorurteilen zählt und uns auch von allen gesagt wurde: Nehmt nie viel Bargeld mit, packt eure Handys immer weg und habt keine großen Kameras offensichtlich bei euch. Außerdem sagte Neles Gastfamilie, dass die Gegend, in der unser Volunteer-Housing war, sehr gefährlich ist. In den ersten zwei Wochen hörten wir nicht viel, aber dann lernten wir eine Gruppe Amerikaner und andere Menschen aus der ganzen Welt kennenlernen und plötzlich hörten wir jeden Tag von jemandem, der ausgeraubt wurde. (Es ist echt lustig, weil man in so einem exotischem Land die coolsten Personen trifft, mit tollen Geschichten und Erfahrungen - Backpacker aus jedem Land der Erde zum Beispiel.) Aber alle diese Geschichten von Raubüberfällen hatten eines gemeinsam: Sehr spät in der Nacht, um drei herum, allein, Männer, meistens betrunken, die in gefährlichen Gegenden spazierten und ihr ganzes Bargeld dabeihatten. Einzig unsere amerikanische Freunden Margaret wurde ihre Bauchtasche gestohlen, die sie wirklich eng am Körper trug, und ihr einfach durchgeschnitten wurde. Lissi und ich gingen meistens, nachdem wir in einer Bar oder einem Club waren zu zweit nach Hause, und die Häuser sind schon gruselig, aber es war nie jemand auf der Straße. Wir glauben, dass es damit zusammenhängt, dass kein Mann dabei war (kein Mann = kein Geld?). Unsere Straße war immer hell erleuchtet und keine Menschenseele dort. Also, solange man immer ein Taxi nimmt und so wenig Geld wie möglich bei sich hat, ist die Wahrscheinlichkeit kleiner, ausgeraubt zu werden, und wenn, verliert man nicht alles. Aber das kann jedem überall passieren. Also solange man nicht wirklich dumm ist, und um 3 in Nacht alleine am Strand wandert, sollte alles gut gehen.

Das wars eigentlich auch schon wieder! Ich glaube, ich habe meine Message rübergebracht. :) Wenn also jemand Lust hat, irgendwann nach Nicaragua zu reisen, ich bin dabei!
Bussi, Verena
Wie Reilly's so schön sagt:









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