Sonntag, 27. Januar 2019

Mein erster Tag in Tallinn 🇪🇪


Hello everybody!

Ich melde mich nach einer etwas längeren Auszeit zurück! Für die genauen Gründe, wieso ich während meines Aufenthaltes in Vancouver nichts gepostet habe, schaut bitte auf der About Me Seite vorbei. ☺️

Ich bin gestern, am 26. Jänner 2019 um 13:20 in einem AirBaltic Flieger nach Tallinn, Estland gesessen. Ehrlicherweise bin ich mit sehr gemischten Gefühlen angekommen, da meine besten Freunde es mir über die letzten Tage sehr, sehr, sehr schwer gemacht haben, zu fahren (danke dafür). Aber da mir alle meine Freunde mit einem konstanten "Es wird so toll werden, du wirst so tolle Leute kennenlernen, du wirst so viel Spaß haben - aber nicht zu toll, und nicht zu tolle Leute, und nicht zu viel Spaß" in den Ohren lagen, habe ich mich doch auch gefreut. Ich konnte mir sogar gar nicht so viele Gedanken machen, da ich bis zum Tag vor meinem Abflug noch eine Prüfung hatte, und ich erst danach vollkommen auf mein Auslandssemester eingestellt sein konnte (ja, ich habe auch danach erst gepackt). Es ist wirklich tricky ein Auslandssemester in den nördlichen Staaten zu machen, weil hier die Semester schon ziemlich früh anfangen. In Estland fängt das Sommersemester Anfang Februar an, und alle Erasmus Studenten müssen verpflichtend am 28.1. angereist sein, um an einer Orientation-Week teilzunehmen. Deswegen kann ich jetzt viele meiner Vorlesungsprüfungen nicht schreiben, was mich für das nächste Semester in Wien leider auch etwas zurückwirft. Glücklicherweise habe ich meinen Dozenten in den Pflichtveranstaltungen Bescheid gesagt, und alle haben eingewilligt, mich die Prüfungen eine Woche früher ablegen zu lassen. Also falls sich jemand in derselben Position findet - nachfragen kostet nichts!

Meine Gründe, wieso ich Estland als meinen Erasmus Zielort gewählt habe, sind eigentlich ziemlich simpel. Ich habe mich sehr spontan dazu entschieden, mich im Rahmen meines Soziologie Studiums an der Universität Wien für die Restplätze anzumelden. Hier waren noch viele Plätze frei, unter anderem in den Niederlanden, in Lappland, in Polen, Deutschland, der Schweiz, auf Malta, in Ungarn, der Slowakei etc. und in Estland. Ich habe daraufhin Tallinn gegoogelt, da es mich sofort angesprochen hat. Die Fotos auf Google haben mich nur bestärkt und mir war sofort klar, dass ich Tallinn als meine erste Wahl nehmen wollte. Meine zweite Wahl war Nijmegen in den Niederlanden und danach Lappland (obwohl ich im Nachhinein froh bin, dass es nicht Lappland geworden ist, weil schon die Kälte in Estland ... schwer auszuhalten ist). Ich war vorher noch nie im Baltikum und ich habe mich wahnsinnig auf die Kultur, die Bauten und alles weitere gefreut. Allein, weil ich noch fast nichts über Tallinn wusste (außer, dass es die Hauptstadt von Estland ist - Vilnius und Riga gehören zu den anderen 2 Staaten da oben - oder?), habe ich mich gefreut. Ich wollte einmal in meinem Leben an einen Ort kommen, von dem ich noch so gut wie nichts wusste, über den ich noch wenig gehört habe, damit ich ohne Vorannahmen ankommen und alles auf mich einwirken lassen konnte. Ähnlich wie in Nicaragua hat mich alles hier überrascht und beeindruckt. Ich weiß nicht, ob ihr es kennt, aber in dem Moment, wo man Bilder von etwas sieht, formen sich schon mehr Hintergrundannahmen im eigenen Kopf, ob man es will oder nicht. Sieht man dann die Realität, wird man entweder enttäuscht oder beeindruckt. Ich wollte diesmal einem Ausgang vorbeugen, da man ohne Vorannahmen nur beeindruckt werden kann. Und es ist gelungen.

Tallinn ist Wien eine Stunde voraus, also flog ich um 13:20 los und kam um 17:15 Ortszeit an. Ich flog zum ersten Mal mit einem etwas kleineren Flugzeug und ich muss sagen, anfangs war ich doch echt skeptisch. Vielleicht war es nur Einbildung, aber ich hatte das Gefühl, dass es allgemein innen lauter war. Nichtsdestotrotz bin ich heil in Tallinn angekommen. Es gab einen kurzen Moment, an dem ich etwas überfordert war, weil alle um mich herum Estnisch gesprochen haben und ich kein. Wort. Verstanden. Habe. Es ist nichtmal möglich sich etwas zusammenzureimen. Ich habe mich sofort als Nicht-Estin geoutet, als ich den Typen, der auf meinem Platz saß, auf Englisch darauf aufmerksam machen musste, dass er sich bitte auf seinen Platz auf der anderen Seite des Ganges setzen soll. Thank you very much.

Dieses Schild hängt in unserem Klo - sehr accurate, wenn ihr mich fragt
Am Flughafen wurde ich von einer anderen Tutorin abgeholt, da meine Tutorin selbst erst aus einem Urlaub in Italien kam und ihr Flieger erst nach meinem landete. Ich wurde von drei estnischen Mädels begrüßt, die alle ca. in meinem Alter und super lieb waren. Zwei davon waren sehr gesprächig und eine etwas zurückhaltender. Ich muss sagen der erste Moment war etwas awkward, aber nach 3-4 Sätzen lief das Gespräch super. Es stellte sich heraus, dass sie noch auf 6 andere ankommende Erasmus StudentInnen warteten und ich war die Erste. Als alle ankamen, kauften die meisten sich ein Ticket für die Straßenbahn (ich wollte nicht direkt an meinem ersten Tag illegale Tätigkeiten betreiben) und hievten unsere Koffer in das öffentliche Verkehrsmittel. Hier rollten die Koffer einige Male durch die Gegend - zur Verärgerung der Esten. Da meine WG direkt neben der Uni ist (dazu gehe ich später gerne näher ein), konnte ich mit den anderen mitfahren, da sie zu ihrem Studentenwohnheim gebracht wurden. Ich verabschiedete mich von den anderen vor der Uni und zog meine Koffer mit erheblichen Schwierigkeiten vor der University of Tallinn durch den Schnee bis zu meiner Wohnung. Dort angekommen musste ich meiner Kontaktperson gar keine SMS schicken, da mich ein Mädchen plötzlich auf Deutsch ansprach. Es stellte sich heraus, dass sie meine Mitbewohnerin und aus Deutschland ist. Sie nahm mich gleich mit hinauf (und probierte dabei bei jeder Tür alle 4 Schlüssel durch). Mir wurde die Wohnung und mein Zimmer gezeigt und ich kann euch gleich sagen: Wahnsinn! Ich habe mich sofort wohl gefühlt und ich habe mir nochmal selbst gedankt, nicht in einem Studentenwohnheim abgestiegen zu sein, sondern mich für ein eigenes Zimmer entschieden zu haben. Mein Zimmer ist wirklich warm und modern eingerichtet (der Schreibtisch ist sehr artsy) und die dazugestellte Bettwäsche komplett neu und kuschlig. Auch das Bad ist sauber und geräumig, und es gibt 2 (!) Klos. Das einzige was fehlt, ist eine Kaffeemaschine, aber die schaffe ich mir in den nächsten Tagen noch an (ohne Kaffeemaschine geht gar-Verena nichts). Wir wohnen insgesamt zu viert in der Wohnung. Neben Sarina, meiner Mitbewohnerin, und mir wohnen noch eine Griechin und ein Inder hier. Beide habe ich schon kennengelernt und sich wahnsinnig nett. Der Inder bleibt leider nur noch 3 Wochen, aber er hat die letzten 3 Jahre schon hier gewohnt. Die Griechin verlässt uns im April.

Fun Fact: Ich habe so viele Namen gehört, dass ich zwar noch nachfrage, wie Personen heißen, bzw. mich vorstelle, aber mein Gehirn anscheinend aus Selbstschutz abschaltet, sobald die andere Person beginnt zu antworten. Ich habe in den nächsten Tagen viele Namen zu erfragen.

Meinen ersten Einkaufstrip machte ich kurz darauf - ich kaufte die Verena-Essentials: Milch, Reis, Ketchup und Tee. Wie sich leider am nächsten Tag herausstellen sollte, habe ich Butter-Milch gekauft. Was soll ich sagen, es ist wirklich schwer, vor einem Regal zu stehen und sich wie beim Lotto eine Milch mit einer ansprechenden Verpackung auszusuchen, wo das Einzige, was ich verstehe, die Zahlen sind. (Sarina brachte mir am nächsten Tag Reismilch mit, ihr braucht euch keine Sorgen machen und mir Milch nachschicken - obwohl ich aus Spargründen natürlich nicht nein sage!).

Das wars auch schon wieder von meinem ersten Tag! Ich habe leider nicht viele Fotos gemacht, da es in Tallinn schon dunkel war, als ich ankam. Die tollen Fotos kommen erst im nächsten Post, aber hier ist eins von dem angsteinflößendem Propeller:

Gute Nacht und Bis Bald! 👋

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