Mittwoch, 7. September 2016

Starfotografin (oder so) 🇳🇮

Hallihallo!

Ich habe insgesamt 21 Polaroids in dem Monat in Nicaragua gemacht, es sind aber irgendwie nur Landschaftsfotos geworden ... Keine Sorge, ich habe nicht als Einsiedler gelebt, die Menschen standen schon um mich herum, nur nicht direkt im Bild. :) Und ich finde, sie lassen sich sogar wirklich sehen, deswegen würde ich mich freuen, wenn ihr euch kurz Zeit nehmt und sie euch ansieht (und ja ihr habt mich durchschaut, natürlich will ich unterschwellig vermitteln, wie wunderschön Nicaragua ist!).
(Die Helligkeit auf eurem Computer/Handy aufzudrehen, hilft die Farben besser zu sehen! :))
(Das eine Foto mit dem Finger ist von Lissi, und tut mir leid, dass die Beschriftung manchmal ein bisschen ... verkehrt sind.)





















Sonntag, 4. September 2016

Abschiednehmen



Adiós Nicaragua!

 




Das ist also mein letzter Post. Lissi und ich hätten beide nicht erwartet, dass es uns so schwer fallen würde zu gehen. Natürlich wurde uns von anderen Freiwilligen gesagt, dass man, wenn man eine gewisse Zeit in Nicaragua verbracht hat, das Land und die Menschen lieben lernt. Und ja – sie hatten recht. Und wenn wir uns am Anfang nicht sicher waren, ob wir diese Erfahrung nochmal machen würden, oder wiederkommen, oder verlängern, zu diesem Zeitpunkt wollen wir beide bleiben.

Außerdem möchte ich noch einige Dinge klarstellen: Die Vorurteile über Nicaragua sind: Heiß, Drogen, Schmutzig, unfreundliche Menschen, … was auch immer. Und natürlich ist es das, was einem als erstes auffällt, und am meisten stört, wenn man dann wirklich an diesen Ort reist. Ich habe diese Erfahrung jetzt gemacht, und ich bitte jeden: seid offen! Nur weil eine Kultur anders ist als unsere, nur weil sie vielleicht keine iPhones haben, das Toilettenpapier in die Mülltonne werfen müssen oder jeden Abend als Familie auf dem Gehsteig vor ihrem Haus sitzen und plaudern, sind wir nicht besser als sie. Es steht uns nicht zu, diese Kultur zu kritisieren (ich weiß, ich habe es selbst getan, und im Nachhinein weiß ich, dass das einfach der Kulturschock war, und ich meine, es hat in mein verdammtes Zimmer geregnet! Auf mein Bett!). Am Anfang war es uns extrem unangenehm, dass uns Männer auf der Straße anglotzten, ansprachen oder nachpfiffen. Mittlerweile habe ich mich gewöhnt (und ehrlich, es freut doch auch das Ego). Auch die Gehsteige sind extrem mühsam: Entweder sitzen Leute darauf, man muss Stufen hinaufsteigen oder es ist nicht einmal einer Vorhanden. Aber als wir gestern durch die Straßen spaziert sind, habe ich gemerkt, wie sehr ich es lieben gelernt habe. Außerdem entdeckt man auf den Straßen immer etwas Neues! Gestern lagen zum Beispiel ein Taschenrechner und Rucksack auf der Straße. Natürlich kann ich hier nicht predigen, denn jeder muss die Erfahrung selbst machen. Ich dachte mir nur, als ich den Blog begann, ich will meine Gedanken wirklich so niederschreiben, wie sie sind. Es bringt nichts, zu heucheln, dass alles super ist, wenn ich mich jede Sekunde nach Hause wünsche. Und ja, meine Gedanken jetzt gerade sind, dass Nicaragua ein wunderschönes Land ist, mit extrem freundlichen Menschen, einer interessanten Kultur, in dem man viel erleben kann! Und, dass ich nicht gehen will...


mit unserer Ayudante Jessi

Also ja, ich war eine typische weiße Touristin, die sich über alles aufgeregt hat, als wir ankamen, aber man gewöhnt sich daran. Und es ist spannend, interessant und schön sich auf eine neue Kultur einzulassen und zu lernen, was ihr wichtig ist.


Den Punkt der „Raubüberfälle“ will ich auch noch ansprechen, weil es ja auch zu den allgemeinen Vorurteilen zählt und uns auch von allen gesagt wurde: Nehmt nie viel Bargeld mit, packt eure Handys immer weg und habt keine großen Kameras offensichtlich bei euch. Außerdem sagte Neles Gastfamilie, dass die Gegend, in der unser Volunteer-Housing war, sehr gefährlich ist. In den ersten zwei Wochen hörten wir nicht viel, aber dann lernten wir eine Gruppe Amerikaner und andere Menschen aus der ganzen Welt kennenlernen und plötzlich hörten wir jeden Tag von jemandem, der ausgeraubt wurde. (Es ist echt lustig, weil man in so einem exotischem Land die coolsten Personen trifft, mit tollen Geschichten und Erfahrungen - Backpacker aus jedem Land der Erde zum Beispiel.) Aber alle diese Geschichten von Raubüberfällen hatten eines gemeinsam: Sehr spät in der Nacht, um drei herum, allein, Männer, meistens betrunken, die in gefährlichen Gegenden spazierten und ihr ganzes Bargeld dabeihatten. Einzig unsere amerikanische Freunden Margaret wurde ihre Bauchtasche gestohlen, die sie wirklich eng am Körper trug, und ihr einfach durchgeschnitten wurde. Lissi und ich gingen meistens, nachdem wir in einer Bar oder einem Club waren zu zweit nach Hause, und die Häuser sind schon gruselig, aber es war nie jemand auf der Straße. Wir glauben, dass es damit zusammenhängt, dass kein Mann dabei war (kein Mann = kein Geld?). Unsere Straße war immer hell erleuchtet und keine Menschenseele dort. Also, solange man immer ein Taxi nimmt und so wenig Geld wie möglich bei sich hat, ist die Wahrscheinlichkeit kleiner, ausgeraubt zu werden, und wenn, verliert man nicht alles. Aber das kann jedem überall passieren. Also solange man nicht wirklich dumm ist, und um 3 in Nacht alleine am Strand wandert, sollte alles gut gehen.

Das wars eigentlich auch schon wieder! Ich glaube, ich habe meine Message rübergebracht. :) Wenn also jemand Lust hat, irgendwann nach Nicaragua zu reisen, ich bin dabei!
Bussi, Verena
Wie Reilly's so schön sagt:









Samstag, 3. September 2016

Nicaragua hinter den Kulissen 🇳🇮

 

#1

Nicas sind einfach unpünktlich. Wir unterscheiden mittlerweile, wenn ein Termin wirklich wichtig ist, zwischen Nica-Time und Nicht-Nica-Time. Es ist aber auch nicht zu schlimm zu spät zu kommen, weil hier jeder daran gewöhnt ist. Interessant wird es erst, wenn wir zurück nach Europa kommen (oder bei Flug) ...



#2

Wirklich unfair ist, dass Nicaragüense nicht schwitzen! Lissi und ich zerfließen förmlich in den Klassen, wenn wir von unserem halben Stunden Weg ankommen, und man sieht einfach keinen Tropfen auf ihren Gesichtern. Sie sitzen in langen Hosen und T-Shirts unter ihren Schulhemden (!) in der Klasse und sehen aus, als hätte es keine gefühlte 50° (okay ich übertreibe, es sind wahrscheinlich 33°, aber ohne Wind).

#3

Auf Fahrrädern wird alles transportiert - von Lebensmitteln und Alltagsdingen über Erwachsene und Kinder zu Erwachsenen UND Kindern. Ein Mann hatte einmal ein Kind vor sich sitzen und ein zweites vor dem Lenker, zu ihm schauend. Wie er irgendwie lenken und das Gleichgewicht halten konnte, ist mir schleierhaft. Die andere Möglichkeit zum Transport sind einfach Pferdekutschen, was in meinem Kopf die Frage aufbrachte: Können Pferdewägen geblitzt werden? Es kommt doch sicher vor, dass sie das Geschwindigkeitslimit überschreiten. (Nicht, dass es in einer Stadt, wo es eine Ampel gibt, ein Radar gäbe, aber theoretisch!).

#4

Alle Menschen sind superlieb und hilfsbereit (solange man sich in ihrer Sprache verständigen kann). Nur die wenigsten sprechen Englisch, aber sie schätzen es, wenn man versucht, sich mit Wortfetzen, Händen und Füßen verständlich zu machen. Egal ob man übers Wetter, Gott und die Welt philosophieren will, nach dem nächsten Hostel, Restaurant oder Alkoholladen fragt, sie helfen gerne, und bleiben sogar länger, denn wie gesagt Nicaragüense haben Zeit. Etwa jeder hat mir gegenüber erwähnt, dass Nicaragua so tranquilo ist. Ja, mittlerweile hab ich es gecheckt!

#5

Tiere sind überall. Egal wo man hinsieht: Pferde, Katzen, Hunde, Enten, Hühner, Leguane, verschiedene Arten von Vögeln, Salamander, ... Aber leider auch Spinnen, Kakerlaken und Ratten. Es gab keinen Tag, an dem kein Salamander erschrocken durch die Küche gehuscht ist, oder ein Hund uns durch die Straßen Granadas gejagt hat. Anekdote: Einmal stand ein Pferd plötzlich am Schulhof und fraß Grasbüschel, die aus dem Asphalt wuchsen. Da wurde uns wieder bewusst, dass wir in Nicaragua sind.

Mittwoch, 31. August 2016

Ometeeeepe 🇳🇮

Hallihallo!
Zuerst einmal Sorry, dass eine ganze Woche lang kein Post kam, aber ich hatte eigentlich vor, ein Video mit Lissi zu posten, wo wir ein bisschen über allgemeine Themen hier quatschen. Aber sie wie es leider immer ist, hat das Schneiden ziemlich lang gedauert, dann hat das Speichern nicht funktioniert und als es endlich fertig war, hatte es zuviele MB für einen Blogpost. (Natürlich, weil nichts bei Blogger je funktioniert :|) Also das Video wird noch kommen, keine Sorge, aber ich muss es jetzt erst noch kürzen und alles! Und dafür habe ich leider gerade nicht so viel Zeit ...
Niiichtsdestotrotz haben wir ein extrem cooles Wochenende auf der Insel Ometepe im Lago de Nicaragua verbracht! (Die Insel ist nicht wirklich groß, aber es gibt zwei Vulkane.)
Das Hinkommen war sogar ziemlich einfach: Wir nahmen aus Granada einen Chicken Bus (alte Schulbusse), der seeehr voll war und ich bin keine Person die Platzangst hat, aber irgendwann ist zuviel einfach zuviel. Vor allem wurde Moritz einfach sein Backpack aus der Hand gerissen und nach oben aufs Dach geworfen. Und ich bezweifle, dass es da eine ausreichende Sicherung gab. Irgendwann wurden wir rausgeschmissen und warteten auf einen zweiten Bus, der nicht so voll war, und wo ein nettes altes Ehepaar uns ihre Sitzplätze überließen, als sie ausstiegen. Sie zeigten zuerst auf mich, dann auf Nele und dann auf ihre Plätze, sodass jeder im Gang stehenden Person klar war, dass wir uns da hinsetzen sollten. An dieser Stelle noch ein riesiges Gracias! Und dann nahmen wir eine Ferry nach Ometepe - insgesamt kostete der Spaß 125 Cordoba, also 4,46$ für 100 km. Von der Fähre wurden wir abgeholt und zu unserem Hostel gebracht (Casa Mauro) und es war das beste Hostel, in dem ich je gewohnt habe! Wir konnten unendlich viel Wasser kaufen, auf Schaukelstühlen schaukeln, unsere Wünsche fürs Frühstück abgeben (wir bekamen frische Früchte, Toast, Spiegeleier und Pancakes), durften am Abend die Musikanlage benutzen, direkt Horseback Riding buchen und ein Shuttle mieten, dass uns am nächsten Tag von einer Sehenswürdigkeit zur anderen fuhr. Luxus pur für Nica-Verhältnisse. Und die Hostelbesitzer waren extrem lieb, und da es nur 4 Zimmer gab, waren wir mit unserer Gruppe die einzigen. Also wenn ihr je nach Ometepe reisen wollt: steigt im Casa Mauro ab! Kann man ganz einfach über Booking.com buchen! :) (neinnein, gar keine Werbung!)
In besagtem Shuttle fuhren wir zum Punta Jesus Maria, wo wir einen wunderschönen Sonnenuntergang sahen! Und ziemlich beeindruckende Bilder vom Vulkan machten. Die besten Fotos folgen (ich konnte mich nicht entscheiden, deswegen nahm ich kurzerhand alle). :)




Am nächsten Tag wanderten wir 4 Stunden, einenhalb Stunden rauf und eine Stunde wieder runter. Der Höhepunkt war ein Wasserfall. Ich schweige jetzt über meine Verfassung, als wir endlich wieder sicher im Auto saßen, ich sage nur: Ich war beim Wasserfall und wieder unten ohne mir etwas zu brechen oder sonst einem größeren Schaden. Dass ich zwischendurch die Natur, das Leben, das Wandern, das Sich-Fortbewegen im Allgemeinen verfluchte, lasse ich hier außen vor ... Aber das liegt nur an meiner absoluten Abneigung gegen Wandern seit ich geboren wurde. Meine Eltern waren am Verzweifeln mit mir als Kind, und ich wanderte einmal eine Wallfahrt von Wien nach Mariazell. Ich bin damals alles gegangen und war echt stolz auf mich. Einen Award oder Hollywoodstern bekam ich nicht, deswegen ließ ich es danach wieder bleiben.
Nach dem Wandern fuhren wir zu Ojo de Agua, was ein superschöner Teich in der Natur ist, nur dass es ziemlich überfüllt war, an Touristen und Einheimischen. Wir tranken aus einer Kokosnuss Kokosmilch - Fotos folgen, sobald ich sie von den anderen bekomme! Normalerweise sind ja an jedem touristischen Ort viele Menschen, nur sind wir das durch die Ruhe dieses Landes nicht mehr so gewöhnt.
Und wie schon erwähnt, gingen wir am nächsten Tag Horseback Riding. Und ich habe normalerweise keine Angst beim Reiten, vor allem da ich seit 10 Jahren reite, aber unser Guide erklärte uns gleich am Anfang, dass diese Pferde auf keine Beinarbeit hören und es nur mit der Stimme funktioniert. Gut, nur machte er die ganze Zeit komische Zwitschergeräusche, die sowohl mir nach 5 Minuten auf die Nerven gingen, okay, eher auf meinen Nerven rumtrampelten, sondern auch die Pferde nervös machte. Mir wurde ein Ast mit Blättern in die Hand gedrückt (als Gertenersatz) und der Guide drückte die Spitze seines Schuhs gegen die Flanke meines Pferdes. Nach der ersten halben Stunde merkte ich, dass ich mich einfach vorne halten musste, um dem zu entgehen und ab dann genoss ich es! Anfangs waren die Wege leider sehr zugemüllt, aber als wir tiefer in den Wald ritten (und auch mehr Lianen ausweichen mussten ... ja, meine Schulter rammte einen Baum und alle dachten, es war mein Kopf, aber vor lauter Lachen konnte ich ihnen nicht mitteilen, dass es mir gut ging - aja und wir galoppierten, also versuchten sie sich im vollen Galopp zu vergewissern, dass mein Kopf eh noch dran war) war die Umgebung ruhig und schön.
Wir kamen irgendwann zu einem Plateau und konnten den Strand und den Vulkan sehen. Hier habe ich leider auch keine Fotos, aber ich hoffe, dass ich bald welche hochladen kann! Wie alle Nicas redete der Guide viel über das Land und seine Schönheit, und er hörte gar nicht mehr auf. (Etwa jeder zweiter Nica erklärt dir, wie tranquilo Nicaragua nicht ist.) Beim Nachhausereiten galoppierten wir auf offener Straße dahin. Teilweise jagten uns Hunde und Yvonne hatte mehr Angst vor ihnen als die Pferde. Irgendwann begann ich die Menschen zu grüßen, eine alte Dame hier, einen Jungen dort, Frau und Kind an der Ecke, ... Und alle waren zuerst verwundert Weiße auf Pferden entlang galoppieren zu sehen, und dann schockiert auch noch gegrüßt zu werden, aber nach der ersten Schrecksekunde riefen uns alle ¡Holaaa, que tál! oder ¡Buenas días, qué bonita! hinterher. Wenn man erst einmal beginnt mit den Menschen zu reden, sind alle wahnsinnig lieb, freundlich und hilfsbereit!
Wir verabschiedeten uns schweren Herzens von unseren Hostelbesitzern und ich bin sicher, wenn ich nach Nicaragua zurückkomme, werde ich sie in Ometepe besuchen!




Freitag, 19. August 2016

Die zweite Woche 🇳🇮

unser neuer Mitbewohner
¡Hola chicos!

Zu unserer zweiten Woche gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Wir starteten erst am Dienstag in eine neue Schulwoche mit dem Thema: Body parts and clothes. Der Dienstag war für uns ziemlich anstrengend, da in jeder Klasse ungefähr drei Kinder die Vokabeln willig von der Tafel abschreiben wollten (wir zeichneten einen Menschen und schrieben die Wörter mit Pfeilen dazu). Ich habe keine Ahnung, ob das bei Kindern allgemein so ist, aber sowohl Jungs als auch Mädchen war es extrem wichtig, dass ihr Mensch schön aussah und gut proportioniert war. Ich meine, unser Mäxchen da an der Tafel hatte einen Kartoffelkopf, einen riesigen Torso, Spaghetti Arme, spitze Finger, und Kleinkindbeine mit Avocados anstatt von Füßen. Vom Gesichtsausdruck rede ich jetzt nicht (es war diese Art von Blick, die einen in den eher unangenehmen Träumen verfolgt, zum Beispiel mit einer Axt in der Hand ... in der Nacht ... durch einen Wald ...). Und trotzdem wollten die Kinder selbst den Menschen perfekt zeichnen. Manche haben allein für den Kopf 10 Minuten gebraucht, da sie sich auch mit Freunden beraten mussten. Irgendwann knickten wir ein und gaben den Bitten mancher Kinder nach, die Figuren für sie zu zeichnen. Ich bin gespannt, wieviel sie mitgenommen haben...

Am Abend wurde uns gesagt, gäbe es ein Musikfestival, und wir wären die Judges. Lissi und ich waren nicht wirklich begeistert und hatten überhaupt keine Lust um 4 nochmal in die Schule zu latschen. Wie sich herausstellte, ging aber in der Minute, in der wir losgehen wollten, ein extremes Gewitter los, sodass wir sofort in ein Taxi sprangen - was keine gute Idee war. Schlimmste. Taxifahrt. Meines. Lebens. Ungelogen. Der Typ wusste nicht wo wir hinwollten, sammelte an der nächsten Ecke noch eine Frau ein, mit der er sich dann beriet, bis sie irgendwann uns fragte, wo genau die Schule denn lag. Währenddessen fuhr er in die komplett falsche Richtung. Wir in unserem perfekten, fließenden Spanisch konnten nicht antworten und waren leider keine große Hilfe. Irgendwann stieg noch eine weitere Frau ein, die sich an mich quetschte, weil diese Rückbank für maximal 2 Menschen geschaffen war. Mittlerweile regnete es so stark, dass die Scheibenwischer nicht mehr funktionierten (die auch nur noch an den letzten Angeln hingen), und der Fahrer wischte mit einem Tuch - während des Fahrens - die Beschichtung auf der Innenseite der Scheibe weg. Die Fenster vorne waren unten, aber es gab keinen Hebel zum Raufkurbeln, deswegen blieben wir auf der Straße stehen und unser Fahrer zog mit beiden Händen die nasse Scheibe aus dem Rahmen. Die Frau selbst hatte Mühe, die Scheibe rauszuziehen, deswegen musste er sich zu ihr lehnen, um ihr zu helfen. Lissis Fenster war zwar geschlossen, trotzdem regnete es auf sie drauf. Stellt euch also eine leicht aggressive Verena vor, die eingequetscht (aja, Gurt gab es auch keinen) in der Mitte auf einer Rückbank saß, während wir schon zu spät waren, und der Taxifahrer zuerst unsere beiden Mitfahrerinnen nach Hause brachte, mit einer Hand die Scheibe wischend, mit der anderen lenkend. Ich weiß bis heute nicht, wie er geschalten hat. Ich glaube ich will es auch nicht wissen. Lissi fand es lustig... Lange Geschichte kurz: Wir kamen schließlich zu spät an, aber nach nicaraguanischem Zeitplan, waren wir pünktlich, vor allem, da durch den Regen die Eröffnung verschoben wurde. Wir warteten bis der Regen vorbei war und es begann!
(In Nicaragua kommt man aus Prinzip nicht pünktlich!)

Das Musikfestival hat wirklich Spaß gemacht! Es hat so ausgesehen, als ob wirklich die ganze Schule zum Zuschauen da war. Die Beiträge waren süß! Nachwuchstalente sind sie keine, aber was solls? Es war extrem mutig sich vor die Schule und 3 voluntarios zu stellen und zu singen. Und guten Musikgeschmack haben sie! Wir hörten Lieder wie: Hey Mama, DJ got us fallin' in love, Stitches, Roar, Never Say Never, Love me like you do und noch andere! Manche arbeiteten sogar eine Choreographie aus, und die waren wirklich gut! Gleichzeitigkeit ist etwas anderes, Genauigkeit auch, aber der Wille zählt in dem Fall. :) Im Nachhinein haben wir uns aber beide geärgert, der letzten so viele Punkte gegeben zu haben, weil es eine Gruppe Burschen viel mehr verdient hätte zu gewinnen! Wir mussten Punkte verteilen für die Bereiche: Intro, Tonhöhe, Aussprache, Rhythmus und Choreographie. Die fünf Burschen wackelten leider nur von einem Fuß auf den anderen, was ihnen in diesem Bereich zu wenige Punkte einbrachte ... :(

Heute spielten wir in der Schule ein paar Spiele, um die Vokabeln noch einmal zu wiederholen. Und es war bis jetzt der lustigste Tag, weil wir Voluntarios uns auch gegenseitig auf den Arm nahmen. Ich suchte zum Beispiel den schwarzen Whiteboardmarker und fragte Alex:" Where is the black one?" Er fing an zu lachen und kriegte sich gar nicht mehr ein, und ich blickte gar nicht durch, bis er herausstieß: "Well, that's racist. They are all brown." Ich habe sogar das Gefühl, dass die Kinder heute viel mitnahmen, weil wir Spiele spielten und selbst Spaß daran hatten. Als wir Bingo spielten, schrieben wir die deutschen Begriffe hin, und Vincent die Französischen. Es entstand ein Mischmasch aus 3-4 Sprachen und wir lachten teilweise so viel, dass wir eine Pause brauchten. Als wir "Head, shoulders, knees and toes" sangen, musste ich irgendwann aussetzen, weil Vincent "Ellenbogen, Kopf, Rücken" im gleichen Rhythmus sang. Einen Franzosen deutsche Wörter aussprechen zu hören ist einfach das Beste. Wir lagen beide fast am Boden vor Lachen und die Kinder vor uns gleich mit. Im Endeffekt waren Lissi und Alex die letzten, die noch sangen, da der ganze Klassenraum lachte. Alles in allem, ein sehr erfolgreicher Tag!

Neuigkeit: Ich bin jetzt offiziell ein Bewohner Nicaraguas: Ich habe Wasser aus diesen Plastikbeuteln getrunken. Wenn ihr nichts mehr von mir hört, bin ich an den Bakterien verreckt!

¡Adiós!