 |
| unser neuer Mitbewohner |

¡Hola chicos!
Zu unserer zweiten Woche gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Wir starteten erst am Dienstag in eine neue Schulwoche mit dem Thema: Body parts and clothes. Der Dienstag war für uns ziemlich anstrengend, da in jeder Klasse ungefähr drei Kinder die Vokabeln willig von der Tafel abschreiben wollten (wir zeichneten einen Menschen und schrieben die Wörter mit Pfeilen dazu). Ich habe keine Ahnung, ob das bei Kindern allgemein so ist, aber sowohl Jungs als auch Mädchen war es extrem wichtig, dass ihr Mensch schön aussah und gut proportioniert war. Ich meine, unser Mäxchen da an der Tafel hatte einen Kartoffelkopf, einen riesigen Torso, Spaghetti Arme, spitze Finger, und Kleinkindbeine mit Avocados anstatt von Füßen. Vom Gesichtsausdruck rede ich jetzt nicht (es war diese Art von Blick, die einen in den eher unangenehmen Träumen verfolgt, zum Beispiel mit einer Axt in der Hand ... in der Nacht ... durch einen Wald ...). Und trotzdem wollten die Kinder selbst den Menschen perfekt zeichnen. Manche haben allein für den Kopf 10 Minuten gebraucht, da sie sich auch mit Freunden beraten mussten. Irgendwann knickten wir ein und gaben den Bitten mancher Kinder nach, die Figuren für sie zu zeichnen. Ich bin gespannt, wieviel sie mitgenommen haben...

Am Abend wurde uns gesagt, gäbe es ein Musikfestival, und wir wären die Judges. Lissi und ich waren nicht wirklich begeistert und hatten überhaupt keine Lust um 4 nochmal in die Schule zu latschen. Wie sich herausstellte, ging aber in der Minute, in der wir losgehen wollten, ein extremes Gewitter los, sodass wir sofort in ein Taxi sprangen - was keine gute Idee war. Schlimmste. Taxifahrt. Meines. Lebens. Ungelogen. Der Typ wusste nicht wo wir hinwollten, sammelte an der nächsten Ecke noch eine Frau ein, mit der er sich dann beriet, bis sie irgendwann uns fragte, wo genau die Schule denn lag. Währenddessen fuhr er in die komplett falsche Richtung. Wir in unserem perfekten, fließenden Spanisch konnten nicht antworten und waren leider keine große Hilfe. Irgendwann stieg noch eine weitere Frau ein, die sich an mich quetschte, weil diese Rückbank für maximal 2 Menschen geschaffen war. Mittlerweile regnete es so stark, dass die Scheibenwischer nicht mehr funktionierten (die auch nur noch an den letzten Angeln hingen), und der Fahrer wischte mit einem Tuch - während des Fahrens - die Beschichtung auf der Innenseite der Scheibe weg. Die Fenster vorne waren unten, aber es gab keinen Hebel zum Raufkurbeln, deswegen blieben wir auf der Straße stehen und unser Fahrer zog mit beiden Händen die nasse Scheibe aus dem Rahmen. Die Frau selbst hatte Mühe, die Scheibe rauszuziehen, deswegen musste er sich zu ihr lehnen, um ihr zu helfen. Lissis Fenster war zwar geschlossen, trotzdem regnete es auf sie drauf. Stellt euch also eine leicht aggressive Verena vor, die eingequetscht (aja, Gurt gab es auch keinen) in der Mitte auf einer Rückbank saß, während wir schon zu spät waren, und der Taxifahrer zuerst unsere beiden Mitfahrerinnen nach Hause brachte, mit einer Hand die Scheibe wischend, mit der anderen lenkend. Ich weiß bis heute nicht, wie er geschalten hat. Ich glaube ich will es auch nicht wissen. Lissi fand es lustig... Lange Geschichte kurz: Wir kamen schließlich zu spät an, aber nach nicaraguanischem Zeitplan, waren wir pünktlich, vor allem, da durch den Regen die Eröffnung verschoben wurde. Wir warteten bis der Regen vorbei war und es begann!
(In Nicaragua kommt man aus Prinzip nicht pünktlich!)

Das Musikfestival hat wirklich Spaß gemacht! Es hat so ausgesehen, als ob wirklich die ganze Schule zum Zuschauen da war. Die Beiträge waren süß! Nachwuchstalente sind sie keine, aber was solls? Es war extrem mutig sich vor die Schule und 3 voluntarios zu stellen und zu singen. Und guten Musikgeschmack haben sie! Wir hörten Lieder wie: Hey Mama, DJ got us fallin' in love, Stitches, Roar, Never Say Never, Love me like you do und noch andere! Manche arbeiteten sogar eine Choreographie aus, und die waren wirklich gut! Gleichzeitigkeit ist etwas anderes, Genauigkeit auch, aber der Wille zählt in dem Fall. :) Im Nachhinein haben wir uns aber beide geärgert, der letzten so viele Punkte gegeben zu haben, weil es eine Gruppe Burschen viel mehr verdient hätte zu gewinnen! Wir mussten Punkte verteilen für die Bereiche: Intro, Tonhöhe, Aussprache, Rhythmus und Choreographie. Die fünf Burschen wackelten leider nur von einem Fuß auf den anderen, was ihnen in diesem Bereich zu wenige Punkte einbrachte ... :(


Heute spielten wir in der Schule ein paar Spiele, um die Vokabeln noch einmal zu wiederholen. Und es war bis jetzt der lustigste Tag, weil wir Voluntarios uns auch gegenseitig auf den Arm nahmen. Ich suchte zum Beispiel den schwarzen Whiteboardmarker und fragte Alex:" Where is the black one?" Er fing an zu lachen und kriegte sich gar nicht mehr ein, und ich blickte gar nicht durch, bis er herausstieß: "Well, that's racist. They are all brown." Ich habe sogar das Gefühl, dass die Kinder heute viel mitnahmen, weil wir Spiele spielten und selbst Spaß daran hatten. Als wir Bingo spielten, schrieben wir die deutschen Begriffe hin, und Vincent die Französischen. Es entstand ein Mischmasch aus 3-4 Sprachen und wir lachten teilweise so viel, dass wir eine Pause brauchten. Als wir "Head, shoulders, knees and toes" sangen, musste ich irgendwann aussetzen, weil Vincent "Ellenbogen, Kopf, Rücken" im gleichen Rhythmus sang. Einen Franzosen deutsche Wörter aussprechen zu hören ist einfach das Beste. Wir lagen beide fast am Boden vor Lachen und die Kinder vor uns gleich mit. Im Endeffekt waren Lissi und Alex die letzten, die noch sangen, da der ganze Klassenraum lachte. Alles in allem, ein sehr erfolgreicher Tag!

Neuigkeit: Ich bin jetzt offiziell ein Bewohner Nicaraguas: Ich habe Wasser aus diesen Plastikbeuteln getrunken. Wenn ihr nichts mehr von mir hört, bin ich an den Bakterien verreckt!
¡Adiós!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen