Samstag, 9. Februar 2019

New Semester, New Me

Estonian Fun Fact #4:
In 1937, Estonia deployed a submarine named Lembit, which is today one of the few surviving pre-war manufactured submarines. It is located in the charming Seaplane Harbour hangar in Tallinn, which now operates as the Maritime Museum.

Tere!

Der Titel des Blog Posts ist mehr Motivation als Wahrheit. Ich bin eigentlich direkt von einem Semester ins nächste gerutscht (sehr schlecht geplant Verena). Also während alle meine hart arbeitenden Freunde zuhause mittlerweile schon Ferien haben (genießt sie!) und Schifahren oder nach Südafrika fliegen können (have fun Sophie, ich lebe durch dich), bin ich seit dieser Woche wieder im Uni leben gefangen. An sich ist das gar nicht so schlimm, weil die Semester hier zweigeteilt sind. Ich habe manche Kurse das ganze Semester, manche nur Februar bis März und andere von April bis Mai. Juni ist Prüfungszeit. An der Uni Wien gibt es dieses System nicht, denn da ziehen sich alle Lehrveranstaltungen über die gesamten 4 Monate des Semesters. Ich glaube, ich verstehe jetzt das System an der WU besser. Hier gibts auch Summer und Winter Schools, also ist es gar nicht so unterschiedlich!

Gute Neuigkeiten zwischendurch: Ich kenne mich jetzt sogar schon besser in der Uni aus! Ich hatte in der letzten Woche drei Uni Kurse und bin einfach den angeschriebenen Gebäudenamen gefolgt und bin innerhalb von ein paar Minuten vor meinem Raum gestanden. Außerdem kann ich jetzt schon ganze drei Cafés in den Unigebäuden lokalisieren. Hurray!

Am Dienstag um 10:15 hatte ich meinen ersten Uni Kurs: International Humanitarian Law. Oder, wie der Dozent gleich bemerkte: The Law of War. Ich muss sagen, ich war ziemlich eingeschüchtert von unserem Dozenten. Rhetorisch sehr geschult donnerte er in perfektem Englisch seine ersten Sätze durch den Raum. Während der nächsten drei Stunden fand ich jedoch heraus, dass er gar nicht so angsteinflößend war und auch ein paar sarkastische Bemerkungen in seine Erzählungen einfließen ließ. Dadurch, dass ich bei diesen Kommentaren schmunzelte (sie waren wirklich lustig!), merkte er anscheinend, dass ich aufpasste  und ihm folgen konnte (Applaus for me). Er sagte von Anfang an, dass er nicht politisch korrekt sein wird, und das auch nicht vorhat, weil politische Korrektheit seiner Meinung nach auch nur eine Art des Lügens ist. Er erzählte, dass bewiesen wurde, dass jede/r 6. Este/Estin während aller Besetzungen Estlands (ob durch die Sowjetunion oder Deutschland) als Spitzel für den Feind gearbeitet hat. Damit war fast jede Familie betroffen. Nachdem unser Dozent die harten Fakten über sein Heimatland offenbart hatte, meinte er, könne er diese auch über andere Länder loswerden. Nicht viel Gutes hatte er über Russland zu sagen, was wirklich interessant ist, da Estland nach dem 2. Weltkrieg noch bis 1990 durch die Sowjetunion besetzt war und bis heute noch viele Russen in Estland wohnen.

Kurzer Exkurs:
Uns wurde letzte Woche ein sehr interessanter Film zur estnischen Geschichte gezeigt: "The Singing Revolution". Hier wurde allgemein Estlands Weg vom 2. Weltkrieg, der Besetzung durch die Sowjetunion bis zu erneuten Ausrufung der Republik in 1990 erzählt. Die Dokumentation war wirklich spannend und sehr empfehlenswert. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe bis jetzt noch nichts über die (Kriegs-)Geschichte der baltischen Länder gewusst, und fand es sehr erschreckend, wie wenig ich über Länder wusste, die sogar auch in Europa liegen. Da macht sich wieder bemerkbar, dass jedes Land seine Geschichte und sein Wissen doch sehr subjektiv vermittelt, ob absichtlich oder unabsichtlich. Als ich danach zu meiner Tutorin sagte, dass ich den Film wahnsinnig interessant fand und nicht nachvollziehen kann, wieso wir nichts über die Geschichte der nordischen Staaten in der Schule lernen, antwortete sie darauf, dass sie nicht versteht, wieso alle immer nur über Hitler berichten und niemand über Stalin spricht. Sie meinte, dass Stalin noch mehr Tode zu verantworten hätte als Hitler, und dass endlich mal darüber gesprochen werden sollte.

In dem Sinne finde ich es wahnsinnig interessant zu erfahren, wie der estnische Blickwinkel auf das heutige Russland bzw. die derzeitige Entwicklungen ist. Unser Dozent gab uns auch etwas Unterricht in Kriegsführung, indem er uns fragte, ob es effektiver wäre 100.000 Soldaten zu verwunden oder zu töten, um eine gegnerische Armee zu schwächen. FYI: Die Antwort ist verwunden, da die Überlebenden so noch ernährt, gepflegt und untergebracht werden müssen.
Bis nächste Woche müssen wir die Geneva Conventions I und II von 1949 lesen.

Mein 2. Uni Kurs in "History of the 20th century" fand am Donnerstag statt. Die Atmosphäre im Kurs war ein bisschen komisch, obwohl ich nicht genau sagen kann wieso. Wir machten ein Kahoot-Quiz um unser Wissen über das 20. Jahrhundert zu testen. Ergebnis: Ich habe anscheinend kein Wissen über das 20. Jahrhundert. Nada. Aber da der Kurs vom Fach Geschichte angeboten wird, ist es auch kaum verwunderlich. Die Dozenten merkten noch an, dass sich alle, die während des Quiz' bemerkten, dass sie nicht ganz so sattelfest in der Zeit sind, doch bitte in einem etwa 1000 Seiten Wälzer einlesen sollen. Ich glaube nicht, dass ich so viel Zeit haben werde, aber schauen wir mal. Danach schauten wir einen russischen Film, der anscheinend technisch sehr fortschrittlich für seine Zeit war. Alle wussten sehr viel bemerkenswertes an dem Film anzumerken, ich war eher etwas unterfordert. Außerdem kommt im Mai eine Gastdozentin von der Universität Wien und wird mit uns zum Thema "Gender relations and society" diskutieren. Allgemein interessiert mich der Kurs sehr, und auch wenn ich offensichtlich viel zu wenig Hintergrundwissen besitze, kann ich ja nur profitieren. Also werde ich das auf jeden Fall durchziehen!

Mein dritter Kurs war am Freitag in "Anthropology of Experience". Erstmal hatte ich einen halben Herzinfarkt, weil der Dozent plötzlich meinte, das sei der Kurs in "History of Anthropological Cinema", woraufhin ich panisch den Raum und die Zeit kontrollierte. Ich saß aber im richtigen Kurs, und der Name im Vorlesungsverzeichnis ist anscheinend nur ein Überbegriff (danke dafür). Der Kurs Inhalt ist aber so auch interessant, und sogar relevant für Soziologie und Kultur- und Sozialanthropologie. Das ist wahrscheinlich einer der beiden Kurse, in denen ich mich fachlich auch zuhause fühle.

Nächste Woche habe ich derweil noch dieselben Kurse, und übernächste Woche kommen dann noch ein paar mehr Kurse hinzu.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,
eure Verena 👋


Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015

Mittwoch, 6. Februar 2019

Tallinn - Weekend 2 🇪🇪

Estonian Fun Fact #3:
Tallinn is one of the few cities in the world where the medieval city wall has largely remained. Out of the original four-kilometre-long wall and its 46 towers, two kilometers and 26 towers still remain.

Tere!

Seit meinem letzten Post ist wieder viel passiert.

Erstens muss gleich erwähnt werden, dass ich seit Freitag stolze Besitzerin einer myFitness-Clubkarte bin. Es ist dann doch eine etwas andere Erfahrung ein Zirkeltraining durchzustehen, wenn man in einer fremden Sprache angebrüllt wird. Motivierend? Jein. Angsteinflößend? Oh ja. Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr ich meine Muskeln in den nächsten Tagen gespürt habe. Dafür weiß ich jetzt, wie man auf Estnisch drei, zwei, eins sagt: kolm, kaks, üks. Hört sich lustig an, ist es aber nicht.

Danach habe ich mir einen Kundenaccount in einem Buchgeschäft zugelegt, und feststellen müssen, dass die estnische Tastatur einige Unterschiede zur deutschsprachigen Tastatur aufweist. Ich wollte frisch und fröhlich meinen Namen und meine E-Mail Adresse eingeben, weil es schwer war, diese zu kommunizieren, musste aber nach den ersten Buchstaben feststellen, dass fast alles woanders ist. Das führte zu einigen awkwarden Sekunden, bis ich das "@" endlich fand. Es ist irgendwo bei den Zahlen oben. Fragt mich nicht wieso. Der Angestellt schloss mit der Aussage: "You can use that account the next time, if the employee manages to spell your name correctly." How reassuring, thank you very much.

Am Freitag gab es eine Old Town Tour, an der viel zu viele Menschen teilnahmen, was dazu führte, dass die Hälfte der Leute nichts verstand. Ich war eine der Betroffenen. Brav hinterhertrottend bin ich zwar drei Stunden bei Wind, Wetter und Schneefall durch die Altstadt Tallinns gelatscht, viele historische Fakten habe ich jedoch nicht mitbekommen, außer dass etwas, wovon ich dachte, dass es ein erhängter Weihnachtsmann ist, eigentlich ein Pfeffersack sein sollte. Hat sich also doch etwas gebracht.  Fotos konnte ich leider auch nicht viele machen, weil es erstens dunkel war, zweitens geschneit hat und einem drittens die Finger nach 5 Sekunden an der frischen Luft einfroren. Nichtsdestotrotz hier zwei Fotos. (Ich habe gerne einen Finger geopfert.)
















Nach der Old Town Tour hatten wir die gute Idee etwas essen zu gehen, aber die schlechte Idee, in ein estnisches Restaurant einzukehren, das direkt am Rathausplatz liegt (im Nachhinein hätten wir daran schon erkennen sollen, dass das weeeit außerhalb unserer Preisklasse liegt). Well, wir haben das nicht bemerkt und uns wurde ein 20% Discount versprochen. Gut, fünf Minuten später saßen wir alle glücklich um einen altertümlich mittelalterlichen Tisch und fühlten uns wie bei König Artus. Als wir schließlich die Karte aufschlugen, wurde uns allen etwas unwohl. Bier 6€, Kaffee 6€, Schnitzel 16€, Kakao 8€ etc. Wir schluckten alle gewaltig, starrten paralysiert auf die Karte und hofften allesamt darauf, dass irgendjemand endlich aussprach, was wir uns alle dachten: Raus hier! Nach weiteren fünf klammen Minuten, standen wir schließlich aufgewärmt auf und marschierten in unser unauffällig großen Gruppe von 12 Personen am Personal vorbei. Der Anwerber fragte noch, was den los sei, wir bekämen doch 20% Discount. Darauf antwortete ein Freund: "We would need 50% discount to afford this." Wo er recht hat, hat er recht.

Es war leider nicht ganz konsequentenlos, dass ich bei der Old Town nichts mitbekommen habe. Am nächsten Tag fanden nämlich die City Games statt. Hier wurde mit 12 Teams eine groß angelegte Schnitzeljagd durch die gesamte Stadt veranstaltet. Wir mussten insgesamt 6 Stationen abklappern, dort eine Aufgabe erfüllen und Fragen für Bonuspunkte beantworten. Am Ende gab es Tee für alle bei der Siegerehrung. Ratet wer gewonnen hat? Wir!!! Obwohl ich ehrlicherweise glaube, dass wir deswegen gewonnen haben, weil es dem gesamten Team ziemlich egal war, ob wir gewinnen. Wir haben erstmal eine Stunde gebraucht, um die ersten beiden Stationen zu finden. Ich war leider keine große Hilfe, da ich, wie schon erwähnt, eher mäßig viel von der Tour am vorigen Tag mitnahm. Danach war uns allen so kalt, und wir waren alle so genervt von den Aufgaben, dass wir das Ganze so schnell wie möglich hinter uns haben wollten. Und siehe da - wir gewannen Kinogutscheine für uns alle und einen 15€ Gutschein für Drinks.

Am Sonntag gingen wir ins Kumu-Museum, eines der vielen Museen hier. Wir sahen einerseits die permanente Ausstellung, eine Ausstellung zur russischen Propaganda zu Zeit der Besetzung Estlands und andere moderne (und sehr verstörende) Ausstellungen. Interessant ist, dass die meisten Maler deutsche Namen haben, da zu der Zeit, als die Bilder entstanden, Estland anscheinend zum damaligen Deutschland gehörte. Die Einheimischen waren jedoch Arbeiter, wohingegen sich die Besetzer mit Malen ihre freie Zeit vertreiben konnten. (Falls ich irgendwelche Fakten verdreht habe, macht mich bitte darauf aufmerksam!)

Außerdem kann ich euch ganz stolz berichten, dass ich eine neue kulinarische Entdeckung gemacht habe! Ich habe nämlich Uncle Ben's süß-saure Sauce gefunden. Die erste Packung habe ich vor 4 Tagen gekauft, gestern musste Nachschub her. Ihr könnt euch vorstellen, wie abwechslungsreich ich die letzten Tage gegessen habe. Die genau Beschreibung der Sauce kann ich euch leider nicht sagen, da es auf Estnisch und Russisch draufsteht. Aber die Bilder und der Inhalt haben schmackhaft ausgesehen! 

Liebe Grüße,
eure Verena 👋

To-Do:

  • Pfanne kaufen
  • Estonian ID-Card bei der Polizei machen lassen
  • Learning Agreement an die Uni Wien schicken
  • 1st und 2nd Geneva convention von 1949 lesen
Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015

Donnerstag, 31. Januar 2019

Mein Reflektor, meine GreenCard und ich 🇪🇪


Estonian Fun Fact #2:
Estonia is an egalitarian country, at least in that 51% of its engineers are women. In the European Union as a whole, women engineers account for an average of only 29%. In the Estonian language, a gender-neutral pronoun is used to denote both a man and a woman.

Tere!

In den letzten Tagen ist wieder einiges passiert! Unter anderem habe ich etwas mehr Estnisch gelernt, habe einen spektakulären Sturz zusammengebracht und eine estnische Behörde besucht. Oh, und aus einem Reagenzglas getrunken!
Außerdem habe ich während der letzten Tage meine Uni Kurse neu zusammengestellt - was ein bisschen ein Chaos war, aber dem werde ich einen eigenen Blog Post widmen.

Ich habe mich die ersten Tage immer gefragt, wieso es eigentlich so schwer ist, in Tallinn zu Fuß zu gehen. Die Antwort ist eigentlich ziemlich offensichtlich: Es schneit die ganze Zeit und es gibt keine Schneeräumung. Wir watscheln permanent auf einem schneebedeckten Gehsteig. Und das macht auf längere Zeit echt keinen Spaß. Gestern haben sie den Gehsteig vor der Uni endlich geräumt, und jetzt traue ich mich fast nicht rauszugehen, falls es wieder zugeschneit ist. Allgemein würde ich auch gern wissen, ob die Gehsteige allgemein so uneben sind, oder ob an manchen Stellen einfach 5 cm Eis liegen und an anderen Stellen eben nicht. Ich nehme an, das Geheimnis wird sich erst in ein paar Monaten lüften (oder wenn der nächste Räumungsdienst kommt). Als wir vorgestern zum Ice Skating gegangen sind, haben Sarina, Rebecca und ich die ersten Schneeräumungsfahrzeuge gesehen. Es waren sogar zwei und sie haben den Platz direkt vor einer Kirche freigemacht. Nicht, dass sie vielleicht Straßen räumen? Auf denen Autos fahren? Die Wegrutschen können? Oder wo Fußgänger gehen? Die Ausrutschen können? Nein? Okay. Anyways, hier ist ein Bild von mir neben einem von den gigantischen Schneehaufen: 

Sehr ihr das, was an meinem rechten Bein hängt und leuchtet? In Tallinn muss nämlich jeder, der nachts unterwegs ist, einen Reflektor an sich tragen. Wir haben zwei bei der Orientation bekommen, aber vielleicht sollten alle, die vorhaben mich besuchen zu kommen, sollte ihnen in der nächsten Zeit ein billiger Reflektor ins Auge springen, einen mitnehmen. Dann müsste ihr euch hier nicht vor einer 40€ Strafe fürchten. 





Wichtig zu erwähnen ist in dem Zusammenhang auch, dass hier eine strikte Nachtruhe einzuhalten ist. Das wurde uns während der Orientation von der Polizei erklärt. Außerdem verkaufen Supermärkte nach 22:00 keinen Alkohol mehr. Und ich muss euch enttäuschen, auch eine Minute später ist nicht mehr erlaubt. Wir sind zwar gestern um Punkt 21:58 schon in der Schlange gestanden, aber die Frau hinter der Theke hat die Produkte der Kunden vor uns dermaßen langsam über den Scanner gezogen, dass die 2 Minuten um waren, bevor wir noch einen Schritt nach vorne gemacht haben. Das Problem ist nämlich, dass das System der Kassa nach 22:00 keinen Alkohol mehr durchlässt. Ab dann kann man nur mehr in Bars, Restaurants, Clubs etc. Alkohol konsumieren. Trinken (von alkoholischen Getränken versteht sich) ist in der Öffentlichkeit ohnehin verboten. Aber was uns gestern dann ziemlich hoffnungslos vorgekommen ist, hat sich im Endeffekt ganz gut getroffen, weil wir eine Bar gefunden haben, die Getränke in Reagenzgläsern anbietet! Sie ist wahnsinnig cool eingerichtet und die Getränke haben alle chemische Namen (Nein, ich habe LSD nicht probiert. Noch nicht.). Und vor Mitternacht sind die Getränke sogar noch relativ günstig. 





















Zum Ice Skating gibts eigentlich nicht wirklich viel zu Erzählen, außer dass ich die erste Runde zitternd und sehr, sehr langsam gedreht habe. Ab der 2. Runde wurde ich sicherer, dass ich dann bei der 50. Runde schon so sicher war, dass es mich auf den Hintern gesetzt hat. Ich glaube im Sturz eingeschlossen waren auch ein spektakulärer Arm-Ruderer und ein verzweifelter Schrei. Dann war es ziemlich kalt. Alle, die wissen, dass ich mir in der 1. Klasse Volksschule meinen linken Arm gebrochen habe, als ich beim Eislaufen mit der Klasse gefallen bin, kann ich beruhigen. Ich habe mir diesmal nur den rechten Arm gebrochen! Spaß, mir gehts super. Mein Hintern war etwas kalt für einige Zeit, aber sonst habe ich Runde 50 - 100 wieder etwas vorsichtiger gedreht.







Gestern waren Sarina, Rebecca und ich auf einer estnischen Behörde und haben uns offiziell als Residenten von Tallinn eintragen lassen. Das hat nämlich den Vorteil, dass man dann die öffentlichen Verkehrsmittel gratis benutzen kann. Oh und man kann sich fürs FitnessCenter anmelden, eine Library Card beantragen usw. Uns wurde der genaue Ablauf leider nicht wirklich erklärt, also standen wir drei matschig, nass und etwas ratlos (aber freundlich lächelnd) in der Behörde und wollten uns eintragen lassen. Zum Glück wussten die Mitarbeiter wo wir hinwollten, und konnten uns zum entsprechenden Schalter leiten. Das Registrieren ging relativ einfach von statten, außer dass wir die Formulare auf Estnisch ausfüllen mussten. 👍 Keine Angst, mein Estnisch ist zwar nicht einkaufsreif, aber es ist definitiv behördenreif!

Ein Update noch zur Namensfront: Ich musste mittlerweile bei so vielen Leuten nochmal nachfragen, wie sie heißen - und es haben auch so viele Leute bei mir nachgefragt -, dass ich dazu übergegangen bin, alle von vornherein nochmal nach ihrem Namen zu fragen, wenn ich sie treffe. Das Problem ist leider, dass ich die meisten Namen nicht aussprechen kann und die ersten 5 Minuten jeder Konversation ohnehin verloren sind, weil ich versuche verschiedenste Konsonanten, Vokale und Laute nachzumachen, die es im Deutschen nicht gibt und auch nie geben wird. Lucky me.

Außerdem möchte ich nochmal erwähnen, dass ich gestern meinen E-Mail Account einrichten musste und mich der gesamte Weg von meiner WG zum Computerraum in der Uni, Einrichten des Accounts und der Weg von der Uni zurück zur WG etwa 12 Minuten gekostet hat. ZWÖLF! Wie werde ich mich je wieder an die 2 Stunden Öffifahrt in Wien gewöhnen können?

Alles Liebe,
eure Verena 👋

Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015

Mittwoch, 30. Januar 2019

1 Kaffeemaschine später 🇪🇪


Estonian Fun Fact #1:
Wired Magazine estimates that Estonia has the largest number of successful start-up companies per capita in the world. For example, Skype, TransferWise, GrabCAD and Fortumo all came from Estonia.

Tere!

Ich melde mich nach aufregenden 2 Tagen zurück! Also wer wissen will, wie die erste Orientation war, wie mein Kaffeemaschinen-Quest verlaufen ist und wieviel ein Taxi hier kostet - bleibt dran!

Sarina und ich haben uns um Punkt 9:11 zur Orientation aufgemacht. Wenn man in Betracht zieht, dass wir gerade zum ersten Mal diese (labyrinth-artige) Uni betreten haben, ist es eine gute Endzeit, dass wir um Punkt 9:15 vor dem Raum der Orientation standen. Näher zur Uni kann man eigentlich gar nicht sein. Während der Orientation wurden wir permanent mit wichtigen und unwichtigen Fakts beworfen, von denen es anfangs schwer zu sagen war, welche jetzt für uns unmittelbar relevant und irrelevant sind. Keine Sorge, Informationen über die Beantragung und Eintragung eines Wohnortes in Tallinn wurden ohnehin am Kürzesten gestreift. Das war definitiv nicht wichtig. In einer kurzen Break wurden wir von Sarinas Tutorin und ihrer Freundin (die mich kurzerhand als ihre neue Schülerin adoptierte) durch die Uni geführt. Wir wuchsen kurzerhand zu einer Gruppe von etwa 15 Personen an, denen das Unigebäude gezeigt wurde. Was habe ich davon mitgenommen? Die Universität ist noch labyrinth-artiger als ich dachte. Den Hörsaal, wo die Orientation stattfand, habe ich immerhin wiedererkannt.

Danach stand eigentlich am Plan, dass wir eine Campus Tour mit unseren Tutoren haben. Falsch gedacht. Wir hatten eine Schnitzeljagd ohne Tutoren, auf der wir die Tutoren suchen mussten. Ansich ist das ja eine sehr gute Idee, aber da ich von Tutor zu Tutor mit jemand Neuem redete und angestrengten Smalltalk betrieb, bekam ich nicht wirklich mit, wo wir herumrannten (außer, dass es rauf, runter, um Ecken und hin und her ging). Die Uni bleibt für mich mal labyrinth-artig. Wir verliefen uns sogar beim 3. Hinweis, sodass uns eine andere Tutorin unseren letzten Hinweis gab und wir nach kürzester Zeit vor der Tür der Koordinatorin standen. Sie hat uns leider wieder weggeschickt.

Nach diesem wahnsinnig interessanten Ende des ersten Tages (aja, es gab Goodies!), kochten Sarina und ich uns unser erstes richtiges Essen hier in Tallinn. Alle, die mich besser kennen, wissen sicher, was wir gekocht haben. 😁

Danach machte ich mich bewaffnet mit Timberlands, einer Jeans, einem T-Shirt, einem Pulli, einer Winterjacke, einer Mütze und zwei Handschuhen auf in die Wildnis des estnischen Wetters. Fazit: Mir war warm. Außerdem kann ich allen Leuten, die je versucht haben eine GreenCard zu bekommen, oder irgendwann mal versuchen werden, eine zu bekommen, sagen, dass man sie in Tallinn wirklich einfach bekommt: Man geht in ein Geschäft, die GreenCards verkaufen (das ist der tricky Part) und kauft eine. Nur 2€! Ist ja fast nicht zu glauben! Und man kann damit nicht nur in den USA wohnen, sondern auch in Tallinn die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen! Wer mir immer noch nicht glaubt, dass ich wirklich eine Green Card habe, hier ein Beweis: 


Und jetzt zu der Stelle, die euch eigentlich am meisten interessiert: Mich hat es auf dem Weg zur Kaffeemaschine fast tödlich hingehaut. Ich gehe ganz friedlich durch diese komischen Drehtüren am Eingang vom Einkaufszentrum und rutsche fast auf dem Schnee der letzten 100 Personen aus. Note to self: Es ist nicht nur draußen rutschig. Aber keine Sorge, ich bin unbeschadet bei der Kaffeemaschine angekommen. Was mir echt leid tut ist, dass alle Esten super lieb auf einen zugehen und enthusiastisch auf einen einreden und ich nur mit einem verlegenen Lächeln und einer englischen Frage antworten kann. Kurz spiegelt sich ein Anzeichen von Verwirrung in ihrem Gesicht (das nach dem Estnischen Redeschwall in mein Gesicht getreten ist), aber dann haben sie sich auf mein sprachliches Unvermögen eingestellt. Eins muss ich sagen, es konnten bis jetzt alle Esten wirklich gutes Englisch und es gab von keiner Seite Kommunikationsprobleme. Ich habe also eine Kaffeemaschine ausgesucht, da findet der Mitarbeiter die Kaffeemaschine nicht. Ich war schon innerlich am Abwägen zwischen der ästhetisch überhaupt nicht akzeptablen 35€ Maschine und der zwar ästhetisch ansprechenderen aber dafür teureren 50€ Maschine, als er endlich das letzte Exemplar unter den Toastern hervorzog. Er wollte mir den Kaffee dann eigentlich dazu schenken, aber nach einem kurzen estnischen Wortwechsel musste ich doch 1,99€ dafür zahlen. Aber das ist okay, für diesen Kaffee hätte ich alles gemacht.

Danach habe ich noch einen kurzen Abstecher in ein Bürogeschäft gemacht, wo ich noch einen Stift kaufen musste, den ich unbedingt gebraucht habe, da ich ja sonst keine Stifte besitze. An der Kassa stand ein etwas jüngeres Mädchen und mein innerliches Sprachgenie war der Meinung, dass es an der Zeit ist, mein neu erlerntes Estnisch zu testen. Dementsprechend enthusiastisch sagte ich "aitäh", als sie mir mein Wechselgeld gab. Und ich kann euch sagen, dass ich noch nie in meinen Leben so ein verständnisloses Gesicht gesehen habe. Verlegen erklärte ich kurz, was ich meinte und verließ dann so schnell als möglich das Disaster. Mein estnisch ist definitiv noch nicht einkaufsreif.

Ein Fun Fact über unsere Lifttüren im Appartement: Sie sind wahnsinnig schnell. Sarina ist lustigerweise immer als Erste eingestiegen, als wir gemeinsam gefahren sind und hat dabei direkt den Knopf fürs Stockwerk gedrückt. Das Problem ist, dass sich die Türen schließen sobald dieser Knopf gedrückt wird. Und sobald bedeutet nicht, die Türen bekommen den elektronischen Impuls sich zu schließen, und langsam bewegen sie sich aufeinander zu, nein, diese Türen sind Tore zur Hölle und zertrümmern alles was ihnen in den Weg kommt. Spaß, ich wurde nur permanent eingezwickt, aber sonst ist nichts passiert. Aber ich glaube, ich bin noch nie so schnell 7 Stöcke rauf und runter gekommen.

Am Abend gingen Sarina, Rebecca und ich zu einem Event von ESN Tallinn (Insert Definition of ESN Tallinn here). Es war so etwas wie ein Meet & Greet für alle Erasmus Studenten, die gerade in Tallinn sind. Man bekam eine Frage in die Hand gedrückt und musste sie Leuten stellen. Sobald die Fragen beantwortet waren, konnte man tauschen. Ich hatte Fragen wie: "What three items would you bring to a desert island?", "What would you cook for your friends?", "What is your phobia?", "What personality trait do people compliment the most about you?" usw. Es gab einfach zu beantwortende Fragen und sehr, sehr schwer zu beantwortende. Vor allem die letzte ist irgendwie nicht zu beantworten, ohne sich selbst komisch darzustellen. Außerdem konnte man sich selbst zeichnen und musste dann ziehen und sich auf die Suche nach der Person auf dem Bild machen. An sich eine wirklich gute Idee, um das Eis zu brechen!

Danach zogen wir weiter in eine Bar, wo es Montag Abends immer Karaoke gibt. Die Stimmung war sehr gut und ich habe gemeinsam mit einem neuen Freund aus Belgien und Rebecca "Everytime We Touch" gesungen. Und wir haben die Stimmung definitiv aufgeheizt! Später haben Rebecca und ich uns nochmal an Country Roads versucht, aber hier waren unsere engelsgleichen Stimmen leider nicht zu hören, weil die gesamte Bar mitsang (was natürlich wahnsinnig cool war!). Nach Hause kamen wir mithilfe der App Taxify und haltet euch fest: Ein Taxi direkt von der Bar zur Uni kostete 2,50€. Falls ihr es immer noch nicht glaubt, sage ich es gerne nochmal: ZWEI, FÜNFZIG! Wie ist das möglich? Da hätte ich ja mehr Geld in Alkohol investieren können! Was? Just kidding, ich werde dieses Geld für Kaffee sparen!

Liebe Grüße, und an alle meine Freunde, die gerade Prüfungen schreiben: Alles Gute!
Eure Verena 👋

P.S.: Hier ein Lageplan von der Uni:
Falls ihr euch nicht auskennt, kein Stress, ich kenne mich auch nicht aus!
image
Der Lageplan der Tallinna Ülikool






































Quelle Fun Fact: "Did you know that there are over 100 exciting, quirry, unique and important reasons to visit Estonia!" by AS Sokotel, 2015

Sonntag, 27. Januar 2019

Tallinn - Day Two 🇪🇪


Hello, hello!

Ich konnte zum ersten Mal seit längerem Ausschlafen und meinen Tag ruhig angehen. Darf ich kurz anmerken, dass ich gestern sogar noch an einem Exposé für die Uni gearbeitet habe? (Anerkennung please!)

Nach dem Buttermilch-Fiasko hat mir Sarina zum Glück eine Reis-Milch mitgebracht und mir mein Frühstück gerettet. Ich weiß (natürlich), dass Milch auf Estnisch "Piim" heißt. Und im Nachhinein stand auf der Packung gar nicht Piim. Aber how am I supposed to know, dass eine Milchpackung mit einem Milch trinkenden Kind darauf Buttermilch ist? Danach haben wir uns mit einer Tutorin, die ich gestern am Flughafen kennengelernt habe und ihrer Studentin auf zu einem Shopping Trip gemacht. Sarina und mein einziges Ziel war es, eine Kaffeemaschine zu kaufen. Was haben wir nicht gekauft? (Eine Kaffeemaschine, aber ich kann es nicht aussprechen, weil ich sonst gleich anfange zu weinen). Dafür hat uns Marta (die Tutorin) eine Tour durch den Supermarkt gegeben und uns direkt eine estnische Süßigkeit aufgedrängt. Sie war echt gut! Allgemein habe ich das Gefühl, dass es sehr viele europäische aber auch russische Produkte in den Supermärkten gibt. Diese sind aber nicht schwer auseinanderzuhalten. Allgemein haben die Geschäfte hier auch sonntags offen und generell bis etwa 9/10 am Abend.

Danach spazierten wir zu und in der Altstadt von Tallinn. Nach etwa einer halben Stunde wurde mir klar, dass die Idee in der Früh, keine Strumpfhose unter der Jeans anzuziehen, eine sehr, sehr schlechte Idee war. Mir war überall warm, außer auf den Oberschenkeln. Andererseits kann ich gar nicht gar nicht sagen, wie sie sich angefühlt haben, da ich sie nicht mehr spürte. Yey.

Hier meine ersten Fotos aus der Altstadt Tallinn's (feel free to swoon):










Außerdem bin ich einmal sehr spektakulär ausgerutscht (habe mich aber gefangen) und öfters nur unspektakulär gerudert. Note to self: Es ist rutschig.

Als uns allen kalt genug war, sind wir in einen Pancake Laden gegangen, dem "Kompressor", und haben sehr gute Pancakes gegessen und uns mehr schlecht als recht aufgewärmt. Anscheinend ist das ein richtiger Touristen Magnet. Aber bei 1,80€ für einen halben Liter Eistee, etwa 2,80€ für ein Bier und 4,80€ für ein wirklich großes Pancake ist das auch nicht verwunderlich.
Danach wurden wir von Sarinas Tutorin abgeholt (ich habe meine Tutorin immer noch nicht kennengelernt, nur zur Info) und sind noch einen Kaffee trinken gegangen ins "Caffeine". Der Kaffee ist hier sehr zu empfehlen! Auch die Einrichtung ist sehr gemütlich und ruhig, also ich denke, ich werde hier in näherer Zukunft zum Essen herkommen.

Danach gingen Sarina und ich noch mehr Essentials einkaufen: Klopapier, ... An das habe ich natürlich gestern nicht gedacht (wer braucht schon Klopapier!?). Und dann habe ich doch zum ersten Mal etwas Illegales gemacht. Zu meiner Verteidigung muss gesagt werden, dass alle Geschäfte, bei denen ich eine Öffi-Karte hätte kaufen können, bereits geschlossen hatten. Es ist aber nichts passiert, und ich verspreche mir morgen sofort eine Karte zuzulegen.

Das wars auch schon wieder von mir! Ich werde jetzt schlafen gehen, damit ich morgen frisch und freudig zur Orientation gehen kann!

Bis bald,
eure Verena 👋

Meine vorläufige To-Buy-List:
  • Schreibtischlampe
  • wärmere Winterjacke
  • wärmere Handschuhe

Mein erster Tag in Tallinn 🇪🇪


Hello everybody!

Ich melde mich nach einer etwas längeren Auszeit zurück! Für die genauen Gründe, wieso ich während meines Aufenthaltes in Vancouver nichts gepostet habe, schaut bitte auf der About Me Seite vorbei. ☺️

Ich bin gestern, am 26. Jänner 2019 um 13:20 in einem AirBaltic Flieger nach Tallinn, Estland gesessen. Ehrlicherweise bin ich mit sehr gemischten Gefühlen angekommen, da meine besten Freunde es mir über die letzten Tage sehr, sehr, sehr schwer gemacht haben, zu fahren (danke dafür). Aber da mir alle meine Freunde mit einem konstanten "Es wird so toll werden, du wirst so tolle Leute kennenlernen, du wirst so viel Spaß haben - aber nicht zu toll, und nicht zu tolle Leute, und nicht zu viel Spaß" in den Ohren lagen, habe ich mich doch auch gefreut. Ich konnte mir sogar gar nicht so viele Gedanken machen, da ich bis zum Tag vor meinem Abflug noch eine Prüfung hatte, und ich erst danach vollkommen auf mein Auslandssemester eingestellt sein konnte (ja, ich habe auch danach erst gepackt). Es ist wirklich tricky ein Auslandssemester in den nördlichen Staaten zu machen, weil hier die Semester schon ziemlich früh anfangen. In Estland fängt das Sommersemester Anfang Februar an, und alle Erasmus Studenten müssen verpflichtend am 28.1. angereist sein, um an einer Orientation-Week teilzunehmen. Deswegen kann ich jetzt viele meiner Vorlesungsprüfungen nicht schreiben, was mich für das nächste Semester in Wien leider auch etwas zurückwirft. Glücklicherweise habe ich meinen Dozenten in den Pflichtveranstaltungen Bescheid gesagt, und alle haben eingewilligt, mich die Prüfungen eine Woche früher ablegen zu lassen. Also falls sich jemand in derselben Position findet - nachfragen kostet nichts!

Meine Gründe, wieso ich Estland als meinen Erasmus Zielort gewählt habe, sind eigentlich ziemlich simpel. Ich habe mich sehr spontan dazu entschieden, mich im Rahmen meines Soziologie Studiums an der Universität Wien für die Restplätze anzumelden. Hier waren noch viele Plätze frei, unter anderem in den Niederlanden, in Lappland, in Polen, Deutschland, der Schweiz, auf Malta, in Ungarn, der Slowakei etc. und in Estland. Ich habe daraufhin Tallinn gegoogelt, da es mich sofort angesprochen hat. Die Fotos auf Google haben mich nur bestärkt und mir war sofort klar, dass ich Tallinn als meine erste Wahl nehmen wollte. Meine zweite Wahl war Nijmegen in den Niederlanden und danach Lappland (obwohl ich im Nachhinein froh bin, dass es nicht Lappland geworden ist, weil schon die Kälte in Estland ... schwer auszuhalten ist). Ich war vorher noch nie im Baltikum und ich habe mich wahnsinnig auf die Kultur, die Bauten und alles weitere gefreut. Allein, weil ich noch fast nichts über Tallinn wusste (außer, dass es die Hauptstadt von Estland ist - Vilnius und Riga gehören zu den anderen 2 Staaten da oben - oder?), habe ich mich gefreut. Ich wollte einmal in meinem Leben an einen Ort kommen, von dem ich noch so gut wie nichts wusste, über den ich noch wenig gehört habe, damit ich ohne Vorannahmen ankommen und alles auf mich einwirken lassen konnte. Ähnlich wie in Nicaragua hat mich alles hier überrascht und beeindruckt. Ich weiß nicht, ob ihr es kennt, aber in dem Moment, wo man Bilder von etwas sieht, formen sich schon mehr Hintergrundannahmen im eigenen Kopf, ob man es will oder nicht. Sieht man dann die Realität, wird man entweder enttäuscht oder beeindruckt. Ich wollte diesmal einem Ausgang vorbeugen, da man ohne Vorannahmen nur beeindruckt werden kann. Und es ist gelungen.

Tallinn ist Wien eine Stunde voraus, also flog ich um 13:20 los und kam um 17:15 Ortszeit an. Ich flog zum ersten Mal mit einem etwas kleineren Flugzeug und ich muss sagen, anfangs war ich doch echt skeptisch. Vielleicht war es nur Einbildung, aber ich hatte das Gefühl, dass es allgemein innen lauter war. Nichtsdestotrotz bin ich heil in Tallinn angekommen. Es gab einen kurzen Moment, an dem ich etwas überfordert war, weil alle um mich herum Estnisch gesprochen haben und ich kein. Wort. Verstanden. Habe. Es ist nichtmal möglich sich etwas zusammenzureimen. Ich habe mich sofort als Nicht-Estin geoutet, als ich den Typen, der auf meinem Platz saß, auf Englisch darauf aufmerksam machen musste, dass er sich bitte auf seinen Platz auf der anderen Seite des Ganges setzen soll. Thank you very much.

Dieses Schild hängt in unserem Klo - sehr accurate, wenn ihr mich fragt
Am Flughafen wurde ich von einer anderen Tutorin abgeholt, da meine Tutorin selbst erst aus einem Urlaub in Italien kam und ihr Flieger erst nach meinem landete. Ich wurde von drei estnischen Mädels begrüßt, die alle ca. in meinem Alter und super lieb waren. Zwei davon waren sehr gesprächig und eine etwas zurückhaltender. Ich muss sagen der erste Moment war etwas awkward, aber nach 3-4 Sätzen lief das Gespräch super. Es stellte sich heraus, dass sie noch auf 6 andere ankommende Erasmus StudentInnen warteten und ich war die Erste. Als alle ankamen, kauften die meisten sich ein Ticket für die Straßenbahn (ich wollte nicht direkt an meinem ersten Tag illegale Tätigkeiten betreiben) und hievten unsere Koffer in das öffentliche Verkehrsmittel. Hier rollten die Koffer einige Male durch die Gegend - zur Verärgerung der Esten. Da meine WG direkt neben der Uni ist (dazu gehe ich später gerne näher ein), konnte ich mit den anderen mitfahren, da sie zu ihrem Studentenwohnheim gebracht wurden. Ich verabschiedete mich von den anderen vor der Uni und zog meine Koffer mit erheblichen Schwierigkeiten vor der University of Tallinn durch den Schnee bis zu meiner Wohnung. Dort angekommen musste ich meiner Kontaktperson gar keine SMS schicken, da mich ein Mädchen plötzlich auf Deutsch ansprach. Es stellte sich heraus, dass sie meine Mitbewohnerin und aus Deutschland ist. Sie nahm mich gleich mit hinauf (und probierte dabei bei jeder Tür alle 4 Schlüssel durch). Mir wurde die Wohnung und mein Zimmer gezeigt und ich kann euch gleich sagen: Wahnsinn! Ich habe mich sofort wohl gefühlt und ich habe mir nochmal selbst gedankt, nicht in einem Studentenwohnheim abgestiegen zu sein, sondern mich für ein eigenes Zimmer entschieden zu haben. Mein Zimmer ist wirklich warm und modern eingerichtet (der Schreibtisch ist sehr artsy) und die dazugestellte Bettwäsche komplett neu und kuschlig. Auch das Bad ist sauber und geräumig, und es gibt 2 (!) Klos. Das einzige was fehlt, ist eine Kaffeemaschine, aber die schaffe ich mir in den nächsten Tagen noch an (ohne Kaffeemaschine geht gar-Verena nichts). Wir wohnen insgesamt zu viert in der Wohnung. Neben Sarina, meiner Mitbewohnerin, und mir wohnen noch eine Griechin und ein Inder hier. Beide habe ich schon kennengelernt und sich wahnsinnig nett. Der Inder bleibt leider nur noch 3 Wochen, aber er hat die letzten 3 Jahre schon hier gewohnt. Die Griechin verlässt uns im April.

Fun Fact: Ich habe so viele Namen gehört, dass ich zwar noch nachfrage, wie Personen heißen, bzw. mich vorstelle, aber mein Gehirn anscheinend aus Selbstschutz abschaltet, sobald die andere Person beginnt zu antworten. Ich habe in den nächsten Tagen viele Namen zu erfragen.

Meinen ersten Einkaufstrip machte ich kurz darauf - ich kaufte die Verena-Essentials: Milch, Reis, Ketchup und Tee. Wie sich leider am nächsten Tag herausstellen sollte, habe ich Butter-Milch gekauft. Was soll ich sagen, es ist wirklich schwer, vor einem Regal zu stehen und sich wie beim Lotto eine Milch mit einer ansprechenden Verpackung auszusuchen, wo das Einzige, was ich verstehe, die Zahlen sind. (Sarina brachte mir am nächsten Tag Reismilch mit, ihr braucht euch keine Sorgen machen und mir Milch nachschicken - obwohl ich aus Spargründen natürlich nicht nein sage!).

Das wars auch schon wieder von meinem ersten Tag! Ich habe leider nicht viele Fotos gemacht, da es in Tallinn schon dunkel war, als ich ankam. Die tollen Fotos kommen erst im nächsten Post, aber hier ist eins von dem angsteinflößendem Propeller:

Gute Nacht und Bis Bald! 👋

Mittwoch, 7. September 2016

Starfotografin (oder so) 🇳🇮

Hallihallo!

Ich habe insgesamt 21 Polaroids in dem Monat in Nicaragua gemacht, es sind aber irgendwie nur Landschaftsfotos geworden ... Keine Sorge, ich habe nicht als Einsiedler gelebt, die Menschen standen schon um mich herum, nur nicht direkt im Bild. :) Und ich finde, sie lassen sich sogar wirklich sehen, deswegen würde ich mich freuen, wenn ihr euch kurz Zeit nehmt und sie euch ansieht (und ja ihr habt mich durchschaut, natürlich will ich unterschwellig vermitteln, wie wunderschön Nicaragua ist!).
(Die Helligkeit auf eurem Computer/Handy aufzudrehen, hilft die Farben besser zu sehen! :))
(Das eine Foto mit dem Finger ist von Lissi, und tut mir leid, dass die Beschriftung manchmal ein bisschen ... verkehrt sind.)