Mittwoch, 31. August 2016

Ometeeeepe 🇳🇮

Hallihallo!
Zuerst einmal Sorry, dass eine ganze Woche lang kein Post kam, aber ich hatte eigentlich vor, ein Video mit Lissi zu posten, wo wir ein bisschen über allgemeine Themen hier quatschen. Aber sie wie es leider immer ist, hat das Schneiden ziemlich lang gedauert, dann hat das Speichern nicht funktioniert und als es endlich fertig war, hatte es zuviele MB für einen Blogpost. (Natürlich, weil nichts bei Blogger je funktioniert :|) Also das Video wird noch kommen, keine Sorge, aber ich muss es jetzt erst noch kürzen und alles! Und dafür habe ich leider gerade nicht so viel Zeit ...
Niiichtsdestotrotz haben wir ein extrem cooles Wochenende auf der Insel Ometepe im Lago de Nicaragua verbracht! (Die Insel ist nicht wirklich groß, aber es gibt zwei Vulkane.)
Das Hinkommen war sogar ziemlich einfach: Wir nahmen aus Granada einen Chicken Bus (alte Schulbusse), der seeehr voll war und ich bin keine Person die Platzangst hat, aber irgendwann ist zuviel einfach zuviel. Vor allem wurde Moritz einfach sein Backpack aus der Hand gerissen und nach oben aufs Dach geworfen. Und ich bezweifle, dass es da eine ausreichende Sicherung gab. Irgendwann wurden wir rausgeschmissen und warteten auf einen zweiten Bus, der nicht so voll war, und wo ein nettes altes Ehepaar uns ihre Sitzplätze überließen, als sie ausstiegen. Sie zeigten zuerst auf mich, dann auf Nele und dann auf ihre Plätze, sodass jeder im Gang stehenden Person klar war, dass wir uns da hinsetzen sollten. An dieser Stelle noch ein riesiges Gracias! Und dann nahmen wir eine Ferry nach Ometepe - insgesamt kostete der Spaß 125 Cordoba, also 4,46$ für 100 km. Von der Fähre wurden wir abgeholt und zu unserem Hostel gebracht (Casa Mauro) und es war das beste Hostel, in dem ich je gewohnt habe! Wir konnten unendlich viel Wasser kaufen, auf Schaukelstühlen schaukeln, unsere Wünsche fürs Frühstück abgeben (wir bekamen frische Früchte, Toast, Spiegeleier und Pancakes), durften am Abend die Musikanlage benutzen, direkt Horseback Riding buchen und ein Shuttle mieten, dass uns am nächsten Tag von einer Sehenswürdigkeit zur anderen fuhr. Luxus pur für Nica-Verhältnisse. Und die Hostelbesitzer waren extrem lieb, und da es nur 4 Zimmer gab, waren wir mit unserer Gruppe die einzigen. Also wenn ihr je nach Ometepe reisen wollt: steigt im Casa Mauro ab! Kann man ganz einfach über Booking.com buchen! :) (neinnein, gar keine Werbung!)
In besagtem Shuttle fuhren wir zum Punta Jesus Maria, wo wir einen wunderschönen Sonnenuntergang sahen! Und ziemlich beeindruckende Bilder vom Vulkan machten. Die besten Fotos folgen (ich konnte mich nicht entscheiden, deswegen nahm ich kurzerhand alle). :)




Am nächsten Tag wanderten wir 4 Stunden, einenhalb Stunden rauf und eine Stunde wieder runter. Der Höhepunkt war ein Wasserfall. Ich schweige jetzt über meine Verfassung, als wir endlich wieder sicher im Auto saßen, ich sage nur: Ich war beim Wasserfall und wieder unten ohne mir etwas zu brechen oder sonst einem größeren Schaden. Dass ich zwischendurch die Natur, das Leben, das Wandern, das Sich-Fortbewegen im Allgemeinen verfluchte, lasse ich hier außen vor ... Aber das liegt nur an meiner absoluten Abneigung gegen Wandern seit ich geboren wurde. Meine Eltern waren am Verzweifeln mit mir als Kind, und ich wanderte einmal eine Wallfahrt von Wien nach Mariazell. Ich bin damals alles gegangen und war echt stolz auf mich. Einen Award oder Hollywoodstern bekam ich nicht, deswegen ließ ich es danach wieder bleiben.
Nach dem Wandern fuhren wir zu Ojo de Agua, was ein superschöner Teich in der Natur ist, nur dass es ziemlich überfüllt war, an Touristen und Einheimischen. Wir tranken aus einer Kokosnuss Kokosmilch - Fotos folgen, sobald ich sie von den anderen bekomme! Normalerweise sind ja an jedem touristischen Ort viele Menschen, nur sind wir das durch die Ruhe dieses Landes nicht mehr so gewöhnt.
Und wie schon erwähnt, gingen wir am nächsten Tag Horseback Riding. Und ich habe normalerweise keine Angst beim Reiten, vor allem da ich seit 10 Jahren reite, aber unser Guide erklärte uns gleich am Anfang, dass diese Pferde auf keine Beinarbeit hören und es nur mit der Stimme funktioniert. Gut, nur machte er die ganze Zeit komische Zwitschergeräusche, die sowohl mir nach 5 Minuten auf die Nerven gingen, okay, eher auf meinen Nerven rumtrampelten, sondern auch die Pferde nervös machte. Mir wurde ein Ast mit Blättern in die Hand gedrückt (als Gertenersatz) und der Guide drückte die Spitze seines Schuhs gegen die Flanke meines Pferdes. Nach der ersten halben Stunde merkte ich, dass ich mich einfach vorne halten musste, um dem zu entgehen und ab dann genoss ich es! Anfangs waren die Wege leider sehr zugemüllt, aber als wir tiefer in den Wald ritten (und auch mehr Lianen ausweichen mussten ... ja, meine Schulter rammte einen Baum und alle dachten, es war mein Kopf, aber vor lauter Lachen konnte ich ihnen nicht mitteilen, dass es mir gut ging - aja und wir galoppierten, also versuchten sie sich im vollen Galopp zu vergewissern, dass mein Kopf eh noch dran war) war die Umgebung ruhig und schön.
Wir kamen irgendwann zu einem Plateau und konnten den Strand und den Vulkan sehen. Hier habe ich leider auch keine Fotos, aber ich hoffe, dass ich bald welche hochladen kann! Wie alle Nicas redete der Guide viel über das Land und seine Schönheit, und er hörte gar nicht mehr auf. (Etwa jeder zweiter Nica erklärt dir, wie tranquilo Nicaragua nicht ist.) Beim Nachhausereiten galoppierten wir auf offener Straße dahin. Teilweise jagten uns Hunde und Yvonne hatte mehr Angst vor ihnen als die Pferde. Irgendwann begann ich die Menschen zu grüßen, eine alte Dame hier, einen Jungen dort, Frau und Kind an der Ecke, ... Und alle waren zuerst verwundert Weiße auf Pferden entlang galoppieren zu sehen, und dann schockiert auch noch gegrüßt zu werden, aber nach der ersten Schrecksekunde riefen uns alle ¡Holaaa, que tál! oder ¡Buenas días, qué bonita! hinterher. Wenn man erst einmal beginnt mit den Menschen zu reden, sind alle wahnsinnig lieb, freundlich und hilfsbereit!
Wir verabschiedeten uns schweren Herzens von unseren Hostelbesitzern und ich bin sicher, wenn ich nach Nicaragua zurückkomme, werde ich sie in Ometepe besuchen!




Freitag, 19. August 2016

Die zweite Woche 🇳🇮

unser neuer Mitbewohner
¡Hola chicos!

Zu unserer zweiten Woche gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Wir starteten erst am Dienstag in eine neue Schulwoche mit dem Thema: Body parts and clothes. Der Dienstag war für uns ziemlich anstrengend, da in jeder Klasse ungefähr drei Kinder die Vokabeln willig von der Tafel abschreiben wollten (wir zeichneten einen Menschen und schrieben die Wörter mit Pfeilen dazu). Ich habe keine Ahnung, ob das bei Kindern allgemein so ist, aber sowohl Jungs als auch Mädchen war es extrem wichtig, dass ihr Mensch schön aussah und gut proportioniert war. Ich meine, unser Mäxchen da an der Tafel hatte einen Kartoffelkopf, einen riesigen Torso, Spaghetti Arme, spitze Finger, und Kleinkindbeine mit Avocados anstatt von Füßen. Vom Gesichtsausdruck rede ich jetzt nicht (es war diese Art von Blick, die einen in den eher unangenehmen Träumen verfolgt, zum Beispiel mit einer Axt in der Hand ... in der Nacht ... durch einen Wald ...). Und trotzdem wollten die Kinder selbst den Menschen perfekt zeichnen. Manche haben allein für den Kopf 10 Minuten gebraucht, da sie sich auch mit Freunden beraten mussten. Irgendwann knickten wir ein und gaben den Bitten mancher Kinder nach, die Figuren für sie zu zeichnen. Ich bin gespannt, wieviel sie mitgenommen haben...

Am Abend wurde uns gesagt, gäbe es ein Musikfestival, und wir wären die Judges. Lissi und ich waren nicht wirklich begeistert und hatten überhaupt keine Lust um 4 nochmal in die Schule zu latschen. Wie sich herausstellte, ging aber in der Minute, in der wir losgehen wollten, ein extremes Gewitter los, sodass wir sofort in ein Taxi sprangen - was keine gute Idee war. Schlimmste. Taxifahrt. Meines. Lebens. Ungelogen. Der Typ wusste nicht wo wir hinwollten, sammelte an der nächsten Ecke noch eine Frau ein, mit der er sich dann beriet, bis sie irgendwann uns fragte, wo genau die Schule denn lag. Währenddessen fuhr er in die komplett falsche Richtung. Wir in unserem perfekten, fließenden Spanisch konnten nicht antworten und waren leider keine große Hilfe. Irgendwann stieg noch eine weitere Frau ein, die sich an mich quetschte, weil diese Rückbank für maximal 2 Menschen geschaffen war. Mittlerweile regnete es so stark, dass die Scheibenwischer nicht mehr funktionierten (die auch nur noch an den letzten Angeln hingen), und der Fahrer wischte mit einem Tuch - während des Fahrens - die Beschichtung auf der Innenseite der Scheibe weg. Die Fenster vorne waren unten, aber es gab keinen Hebel zum Raufkurbeln, deswegen blieben wir auf der Straße stehen und unser Fahrer zog mit beiden Händen die nasse Scheibe aus dem Rahmen. Die Frau selbst hatte Mühe, die Scheibe rauszuziehen, deswegen musste er sich zu ihr lehnen, um ihr zu helfen. Lissis Fenster war zwar geschlossen, trotzdem regnete es auf sie drauf. Stellt euch also eine leicht aggressive Verena vor, die eingequetscht (aja, Gurt gab es auch keinen) in der Mitte auf einer Rückbank saß, während wir schon zu spät waren, und der Taxifahrer zuerst unsere beiden Mitfahrerinnen nach Hause brachte, mit einer Hand die Scheibe wischend, mit der anderen lenkend. Ich weiß bis heute nicht, wie er geschalten hat. Ich glaube ich will es auch nicht wissen. Lissi fand es lustig... Lange Geschichte kurz: Wir kamen schließlich zu spät an, aber nach nicaraguanischem Zeitplan, waren wir pünktlich, vor allem, da durch den Regen die Eröffnung verschoben wurde. Wir warteten bis der Regen vorbei war und es begann!
(In Nicaragua kommt man aus Prinzip nicht pünktlich!)

Das Musikfestival hat wirklich Spaß gemacht! Es hat so ausgesehen, als ob wirklich die ganze Schule zum Zuschauen da war. Die Beiträge waren süß! Nachwuchstalente sind sie keine, aber was solls? Es war extrem mutig sich vor die Schule und 3 voluntarios zu stellen und zu singen. Und guten Musikgeschmack haben sie! Wir hörten Lieder wie: Hey Mama, DJ got us fallin' in love, Stitches, Roar, Never Say Never, Love me like you do und noch andere! Manche arbeiteten sogar eine Choreographie aus, und die waren wirklich gut! Gleichzeitigkeit ist etwas anderes, Genauigkeit auch, aber der Wille zählt in dem Fall. :) Im Nachhinein haben wir uns aber beide geärgert, der letzten so viele Punkte gegeben zu haben, weil es eine Gruppe Burschen viel mehr verdient hätte zu gewinnen! Wir mussten Punkte verteilen für die Bereiche: Intro, Tonhöhe, Aussprache, Rhythmus und Choreographie. Die fünf Burschen wackelten leider nur von einem Fuß auf den anderen, was ihnen in diesem Bereich zu wenige Punkte einbrachte ... :(

Heute spielten wir in der Schule ein paar Spiele, um die Vokabeln noch einmal zu wiederholen. Und es war bis jetzt der lustigste Tag, weil wir Voluntarios uns auch gegenseitig auf den Arm nahmen. Ich suchte zum Beispiel den schwarzen Whiteboardmarker und fragte Alex:" Where is the black one?" Er fing an zu lachen und kriegte sich gar nicht mehr ein, und ich blickte gar nicht durch, bis er herausstieß: "Well, that's racist. They are all brown." Ich habe sogar das Gefühl, dass die Kinder heute viel mitnahmen, weil wir Spiele spielten und selbst Spaß daran hatten. Als wir Bingo spielten, schrieben wir die deutschen Begriffe hin, und Vincent die Französischen. Es entstand ein Mischmasch aus 3-4 Sprachen und wir lachten teilweise so viel, dass wir eine Pause brauchten. Als wir "Head, shoulders, knees and toes" sangen, musste ich irgendwann aussetzen, weil Vincent "Ellenbogen, Kopf, Rücken" im gleichen Rhythmus sang. Einen Franzosen deutsche Wörter aussprechen zu hören ist einfach das Beste. Wir lagen beide fast am Boden vor Lachen und die Kinder vor uns gleich mit. Im Endeffekt waren Lissi und Alex die letzten, die noch sangen, da der ganze Klassenraum lachte. Alles in allem, ein sehr erfolgreicher Tag!

Neuigkeit: Ich bin jetzt offiziell ein Bewohner Nicaraguas: Ich habe Wasser aus diesen Plastikbeuteln getrunken. Wenn ihr nichts mehr von mir hört, bin ich an den Bakterien verreckt!

¡Adiós!









Montag, 15. August 2016

Ein bisschen Kultur! 🇳🇮

cathédrale de granada













                             Hola, ¿qué tal?



Unser Wochenende hat sich aus ziemlich verschiedenen Dingen zusammengesetzt: Sightseeing, Drinks und Todesangst mal als kleine Andeutung. Ich glaube die meisten von euch wissen eh durch meine panischen Nachrichten, was gestern Nacht hier passierte, aber ich werde es nochmal kurz zusammenfassen! (Damit die Nachwelt auch weiß, wie heroisch Lissi und ich waren!) :)

1. "Ein paar Drinks haben noch niemandem geschadet."
Vor allem, wenn sie 3 Stunden lang gratis sind (ein Hoch auf die Ladiesnight von 21-24 Uhr im Reillys). Fazit: Wir haben viel getanzt, viele Bekanntschaften gemacht, mit Barmännern gequatscht, die Kleider anhatten, amerikanische und mittelamerikanische Tanzstile gelernt und einen Spaziergang um den Block gemacht, um hartnäckige Verehrer loszuwerden. Und die Musik ist hier besser, als in manchen Clubs in Wien. Vor allem zu den spanischen Songs zwischendurch kann man gut tanzen.

2. "Sightseeing mit Haien"
So schlimm war es natürlich nicht, der Titel ist metaphorisch. Lissi, unsere deutschen Freunde, Moritz und Nele, und ich machten eine Tour zu den "Isletas" und "Masaya". Die Isletas sind viele kleine Inseln im Lago de Nicaragua, die vor tausenden Jahren durch Vulkangestein entstanden sind. Mittlerweile gibt es Stromleitungen zwischen diesen Inseln, auf denen gerne mal ein paar Vögel chillen. Es werden Hotels und Häuser für Touristen gebaut, oder die Inseln sogar ganz verkauft. Unser Guide sagte, dass eine Insel um etwas mit 362 zu verkaufen sei, und Lissi und ich sind uns nicht sicher, ob er 362 000 $ oder nur 362 $ meinte. Da aber ca. 7 Inseln der reichsten Familie Nicaraguas gehören und andere der 2. reichsten Familie, wird es wahrscheinlich der größere Betrag sein ... Auf jeden Fall ist der Lago de Nicaragua der einzige Süßwasserbinnensee (habe das Wort gerade einfach zusammengestoppelt) der Haie beinhaltet. Laut unserem Tourguide gibt es drei Arten von Haien, die Menschen beißen und davon ist der Bullenhai der gefährlichste - welche Haiart lebt im Nicaraguasee? Natürlich der Bullenhai. Keine Sorge, alle Gliedmaßen sind sicher innerhalb des Bootes geblieben! Was aber leider nicht viel gebracht hätte, hätte ein Hai wirklich ein Stück von mir kosten wollen, immerhin saßen wir ca. 20 cm über der Wasseroberfläche... Wir legten einen kurzen Stopp auf einer Insel ein, wo eine Familie ein Pool eingerichtet hatte, und wir erfrischten uns, bevor es wieder zurückging. Wir wechselten den Bus und auf gings nach Masaya, einem der aktiven Vulkane Nicaraguas. Wir verbrachten ungefähr eine Stunde in unserem Bus in der Schlange vor dem Eingang, um oben gehetzte 15 Minuten zu haben. Und diese Klimaanlage war echt kein Witz. Ich hatte das Gefühl, mir wird die Haut vom Gesicht geblasen. Für die Fotos hat es sich aber gelohnt!





















3. "Das Gewitter des Todes!"
Noch nie in meinem Leben habe ich den Donner am eigenen Leib gespürt. Ok, ich war auch noch nie zur Regenzeit in einem subtropischen Land und hatte eine undichte Decke, aber ist das eine von diesen Erfahrungen, die man gemacht haben muss, um erwachsen zu werden? Dann habe ich sie jetzt definitiv hinter mir, und möchte sie nicht mehr wiederholen, wenn das möglich ist!! Also alles begann mit einem Stromausfall. Halb so wild, wieso gibt es Handytaschenlampen? Dann tropfte es aber durch die Decke auf meinen Polster. Lissi wurde ohnehin angeregnet, durch das Fenster-ohne-Glas-mit-Anti-fliegende-Viecher-Gitter und da ging das Gewitter erst richtig los. Es stürmte und blitzte, als ob das Gewitter direkt über unserem Innenhof schwebte. Irgendwann plätscherte es in unserem Zimmer, wir schalteten unsere Taschenlampen an und vor der Tür war die ganze Wand waschelnass. Nur, dass genau dort der Schrank mit unserem Gewand stand. Gut; nasses Gewand aufs Bett, Regenjacke drüber, elektronische Geräte verstaut, alles super. Jedoch bekamen wir einen richtigen Lachflash, sodass das Verstauen ein bisschen schwierig wurde. Ich nahm mir meine Weste, kindle, Handy plus Charger und verzog mich über den nassen Innenhof ins Wohnzimmer. Ich hatte Glück und konnte mir eine trockene Couch sichern, weil es auch hier undichte Stellen in der Decke gab. Lissi und Margaret wanderten irgendwann wieder ins Zimmer, aber ich schlief ziemlich schnell ein, mein kindle und Handy fest umarmend. Und wenn die Welt um mich herum in den Fluten ertrinkt - ich muss meine ungelesenen Romane retten!


4. "Pfertis und Menschenmengen sind keine gute Kombi."
Heute gab es irgendeine Pferdeparade durch die Straßen Granadas, bei der anscheinend die lokalen Bauern ihre neuen Pferde, Zuchttiere vorführen. Noch dazu fahren riesige Wägen mit der nicaraguanischen Biermarke Toña und sehr spärlich bekleideten Tänzerinnen durch. Zu denen ich leider sagen muss, dass man ihnen ihre Unlust ansehen kann, wenn man ihre Gesichtsausdrücke länger als 2 Sekunden beobachtet. Obwohl nevermind, wer schaut schon aufs Gesicht, wenn man auch woanders hinsehen kann!? Für die Granader war es anscheinend ein wichtiges Fest, weil sich alle aufbrezelten, während wir in Jeans und T-Shirts dastanden. Wirklich beeindruckt bin ich aber trotzdem nicht, weil mir die Pferde einfach extrem leid taten. Ich muss sagen, die Reiter blieben wirklich ruhig, aber ich allein sah schon 2 Pferde durchgehen, 3 ausschlagen, 2 buckeln und fast alle herumtänzeln und die Ohren anlegen. Und alle Nicaragüense drücken sich einfach direkt am Hintern des Pferdes vorbei, und tätscheln dabei noch die Flanke! Ich meine, das erste was ich in meinem Reitstall gelernt habe ist: Pferd hinten NICHT - Hufe - sehr Aua. Anscheinend sind diese Lektionen hier anders aufgebaut. Und ich bewundere die Pferde. Man hat deutlich gesehen, dass sie sich extrem unwohl fühlten, weil die Musik einfach so laut wie in einem Club war, tausende schreiende Menschen um sie herum standen und auch andere Pferde, mit denen woanders wahrscheinlich die Fetzen geflogen wären.


(man beachte das Seitwärtseinparken des letzten Pferdes!)



Ich hoffe, unsere Eskapaden konnten euch ein bisschen den Tag erheitern. :) Viel Spaß noch heute und bis zum nächsten Mal! ¡Adiós!

Freitag, 12. August 2016

Examen sind nicht nur für Schüler anstregend. 🇳🇮



"If you judge people, you have no time to love them..." (Mother Theresa)

¡Buenas tardes!

Wahrscheinlich denkt ihr euch gerade: Waaas? Die kann den Blogtitel doch nicht wirklich ernst meinen!? - Doch. Ich sage euch, es stimmt. Man muss aufpassen, dass die Schüler nicht schummeln, aber dass sie auch etwas hinschreiben. Man hilft ihnen, wenn sie auf der Leitung stehen, obwohl sie das Wort doch es wissen. Man ist hin- und hergerissen, weil man sich böse fühlt, wenn man nicht den Zettel an sich reißt und die (wirklich einfachen) Lösungen selbst hinschreibt. Und das korrigieren darf man nicht vergessen! Zum Glück können wir das in einem coolen (Achtung Wortspiel) Café mit guten Smoothies machen!

Das Examen war wie gesagt über Foods, Fruits, Vegetables und Questions and Answers. Und es war wirklich nicht schwer. Sogar Lissis und meine schlechten Spanischkenntnisse hätten ausgereicht, um die volle Punktzahl plus die 3 Bonuspunkte zu erreichen! Rechts habe ich den Test abfotografiert - bitte nicht vergessen , unten die Antworten zu lesen! Nicht, dass er die Frage übersetzt, nein er beantwortet sie. Aber immerhin auf Englisch...

Immerhin saßen die Kinder auf ihren Plätzen als wir reinkamen und waren am Anfang noch still. Vereinzelt begannen die Kinder "teacher" zu rufen und uns mit einer Handbewegung zu sich zu winken. Anfangs verstand ich ihre Fragen nicht wirklich, aber es wurde besser und heute konnte ich zum ersten Mal in ganzen spanischen Sätzen antworten oder Hilfestellungen geben (zumindest denke ich, dass sie vollständig waren). Blöd war nur, dass sie bemerkten, dass wir ihnen ein bisschen halfen. Und ja ... es eskalierte ein wenig? Am Ende der Stunde wurde ich von einem Ende der Klasse zum anderen gezogen, während von überall Fragen auf mich einprasselten. Guuut, ich half nicht nur ein bisschen, aber ich will einfach daran glauben, dass es sich die Kinder merken, wenn ich versuche "huevo" (Ei) zu erklären, "booogbogbog" vor ihnen mache und mit den Armen rudere! Apropos, hier ein Foto von einem extrem gesunden Huhn:


Im Endeffekt füllten die Kinder sicher mehr aus, als sie gewusst hätten, aber mir war es das wert! In dieser Pause saßen Lissi und ich auf dem Pausenhof und beaufsichtigten die "break". Ich habe wirklich keine Ahnung, ob wir aufpassen sollten, weil wir jeden Tag direkt nach der "break" entlassen werden. Und plötzlich hielt mir jemand von hinten die Augen zu. Ich kapierte überhaupt nicht was los war, und wollte die Hände wegziehen, aber das Kind war wirklich stark und lachte von hinten. Das war wahrscheinlich einer dieser Momente, an die man sich lächeln zurück erinnert. Ich meine, wer bin ich? Diese Kinder kennen mich seit zwei Tagen, und sie respektieren mich genug - oder mögen mich - um mit mir zu spielen.

Was halten denn wir von Studenten in unserem Unterricht? Der Altersunterschied ist ähnlich, wie unserer zu den Kindern, und wir respektieren sie zwar manchmal, aber wir machen uns ein bisschen über sie lustig oder erschweren es ihnen. In der Pause reden wir nicht einmal mit ihnen. Diese Kinder freuen sich, dass wir für sie da sind. Eines fragte Lissi, wie es ist, in einem Flugzeug zu sitzen. Ich dachte mir am Anfang, dass manche Kinder denken könnten: "Boah, jetzt kommen die gestopften Mädchen da aus ihrem reichen Land und wollen hier helfen." Natürlich war das jetzt harsch formuliert, aber so in etwa. Aber niemand lässt es einen spüren, sollten sie sowas denken. Am Anfang sind sie noch schüchtern, aber man wird ziemlich schnell integriert.

Danach kam ein kleiner Junge zu uns, fasste uns an den Schultern, stieß einen Schwall Wörter aus und rannte weg (keine Ahnung, was er sagte). Vermutlich wollte er, dass wir mit ihm Fangen spielten. Mhm, ja ... Wir blieben sitzen. Aber er war nicht böse, sondern schlich sich später von hinten an und erschreckte uns mit einem "Buuh".

Natürlich gibt es Klassen und Kinder, die wirklich keine Ahnung haben, was für englische Wörter wir von ihnen wollen. Aber andere sind wirklich gut! Eine winkte mich nur her, um sich bestätigen zu lassen, dass "onion" wirklich eine "cebolla" ist. In unserer letzten Examen Klasse bat mir ein Junge ein orange aussehendes Teil an. Es sah aus wie ein Chips, und ich dachte nicht an Lissis Warnung, dass orangene Dinge in Amerika grundsätzlich scharf sind. (Der Post wird bearbeitet, sobald ich den Namen weiß.) Er stopfte sich auch ein ganzes in den Mund, und ja, was soll ich sagen, wir endeten beide damit, dass wir uns Luft auf unsere brennenden, heraushängenden Zungen fächelten. Er kam nach dem Examen zu mir, und wollte sogar, dass ich seinen Test korrigiere. Man ist nicht umsonst hier, die Kinder akzeptieren einen. Ein Mädchen, dem ich bei mehreren Wörtern geholfen hatte, kam nach dem Unterricht zu mir und umarmte mich einfach. Man freut sich, für sie da zu sein, und ihnen den Tag ein bisschen schöner gemacht zu haben.

Das wars auch schon wieder! Morgen werden wir die Unterrichtsstunden der nächsten Woche besprechen und am Wochenende machen wir einen Ausflug zu einem Vulkan. Ich freue mich, dass ihr euch die Zeit nehmt, meinen Blog zu lesen! Bis zum nächsten Mal! ¡Adiós! :)

Donnerstag, 11. August 2016

Erster Schultag 2.0 🇳🇮

¡Hola chicos!

Unsere erste Schulexperience war von der anderen Art - und nicht nur, weil wir diesmal vor der Klasse standen.

Zuallerst muss gesagt werden: Wir Volunteers helfen in den armen Schulen der Stadt aus. Alle Kinder tragen eine Schuluniform mit einer weißen Bluse/Hemd und dunkelblauem Rock/Hose. Unser Volunteer-Housing ist ca. 10 Minuten vom Stadtzentrum von Granada entfernt. Und doch gehen wir zu unserer Schule (Pablo Antonio Cuadra) eine halbe Stunde zu Fuß, weil die Schulen, die La Esperanza Granada unterstützt, am Rand der Stadt liegen, wo auch die ärmeren Familien leben.

Wir begannen an einem Nachmittag und - es war laut. Es gibt in jeder Klasse ein Whiteboard und in ein paar einen oder zwei Ventilatoren. Die Kinder sitzen auf sehr kleinen amerikanischen Schultischen eng gedrängt. In manchen Klassen hängen hinten Plakate mit "Anti-Bullying"-Schriftzug und es ist heiß. In unserer ersten Klasse waren ca. 8-10-jährige Kinder. Wir waren an dem Tag in 3 Klassen hintereinander und machten in allen drei den gleichen Stoff (machten ist übertrieben, wir standen daneben und beobachteten zuerst einmal, wie alles lief): Food, Fruits, Vegetables und Questions/Answers. Von Disziplin kann man in diesem Zusammenhang überhaupt nicht sprechen, aber die Kinder waren sehr freundlich und hilfsbereit. Unfair ist vor allem, dass man Lissis Namen anscheinend leichter ausprechen kann als meinen. Es ist aber sehr rührend, wie sehr sie sich bemühen, meinen Namen richtig zu sagen. "VENA", "BALENA", "VÄRENNA" wird laut durcheinander geschrien. Aber im Endeffekt haben es noch alle hinbekommen. Obwohl ich glaube, dass ihnen "Värenna" in Erinnerung bleiben wird.

Zuerst gingen die anderen Volunteers Vokabeln wie apple, pineapple, rice, eggs, ... durch und bildeten danach zwei Gruppen, die gegeneinander an der Tafel Wörter vom Spanischen ins Englische oder umgekehrt übersetzen mussten. Und der Enthusiasmus war enorm! (Obwohl die Belohnung nur ein Sticker war, ich meine, wer bemüht sich um einen Sticker?) Lustig wars, als Alex Sticker an eine Gewinnergruppe verteilte und die Kinder ihren Sticker schon auf ihrem T-Shirt kleben hatten, aber fest behaupteten, noch keinen bekommen zu haben. Alex lächelte nur gutmütig und erklärte uns: "They are all such liars." Also anscheinend kann man sie mit Spielen wirklich motivieren. Wir haben nämlich von einem anderen Volunteer gehört, dass viele von den älteren Kids überhaupt kein Englisch lernen wollen. Sie wissen nicht, was es ihnen bringen könnte, und wollen stattdessen einen seltenen nordnicaraguanischen Akzent lernen.


Erschreckend war die letzte Klasse in der wir waren, die Schüler waren schon so 13-15 Jahre alt. Jede Klasse hat Gitter an den Fenstern, daran sind wir hier schon gewöhnt. Aber am Anfang waren wirklich wenige Kinder in der Klasse und ich freute mich schon und dachte, "Hey, vielleicht ist diese Klasse leiser?" Bis plötzlich alle aufsprangen und zu den Fenstern und zur Tür liefen. Daraufhin ging der Professor (in etwa der Klassenvorstand der Klasse) zur Gittertür, hängte ein Schloss vor und schloss ab. Ich hatte noch gar nicht wirklich realisiert, was das bedeutete, als er auch schon mit ein paar anderen Kids im Schlepptau wiederkam, aufsperrte, sie reinscheuchte und hinter sich wieder zusperrte. Alex erklärte uns, dass sie sich draußen geprügelt hätten, und dass die anderen zuschauen wollten. Das mussten wir erstmal schlucken, aber wie gesagt, in dem Moment, als wir begannen das Spiel zu spielen, war der Teamgeist erwacht. Zwischendurch kamen Freunde der Kinder und reichten ihnen Plastikbeutel mit Wasser durch die Stäbe, aus denen sie trinken konnten. (Fun Fact: Nicaragüense schwitzen NICHT. Kein Tröpfchen auf ihrer Haut, während wir Volunteers fast ertrinken!)

Es war echt ein bisschen schockierend, dass die Kinder nicht einmal Wasser hatten, sondern ihre Freunde es ihnen bringen mussten. Vor allem in diesen Einwegplastikbeuteln verpacken wir normalerweise Restessen. Hier wird Wasser abgefüllt, oben zugeknotet und eine Ecke leicht aufgeschlitzt, sodass man daraus trinken kann. (Wie ihr euch denken könnt landen die Beutel auch in Mengen in den Straßenrinnen, manchmal sogar mit Strohhalm.) In einem Randsatz will ich noch erwähnen, dass die Legende real ist. Drei Mädchen (12 -13 Jahre alt) saßen hinten in der Ecke und schminkten sich die GANZE Zeit. Eine hatte mindestens 8 Lagen knallroten Lippenstift drauf. Sie saßen alle mit gespitzten Lippen vor ihren Schminkspiegel und trugen Lidschatten und was auch immer auf. Und 10 Minuten vor Schluss: Selfies. Kein Scherz. Aus jedem Winkel und mit jeder Helligkeit. Leider himmelten die anderen Mädchen sie dafür an und standen während dem Unterricht um sie herum. Lissi und ich haben vor eine Rede auf Spanisch zu schreiben, und sie vielleicht irgendwann abzulassen (oder so).



Auf der anderen Seite, finde ich es wirklich toll, wie die Kinder es einfach akzeptieren, dass zwei neue Mädchen da sind, die ihnen plötzlich etwas beibringen sollen. Ihnen helfen sollen, etwas Brauchbares, Wichtiges und vor allem Richtiges zu lernen! Sie lernten unsere Namen und schon wurden wir bei Fragen gerufen. Ein kleiner Junge kam zu mir und zeigte mir einen Zaubertrick (kurz: Er hatte auf dem Mittelfinger einen Ring und zeigte mir Ring- und Mittelfinger. Er zählte "un, dos y tres" und wechselte die Finger, sodass ich jetzt den Zeige- und den Mittelfinger sah, was natürlich so aussah, als ob der Ring den Finger gewechselt hätte.). Ich kannte den Trick von meinem Opa und zeigte ihm in Zeichensprache, dass ich verstand wie er ging. Er gab mir ein High Five und wollte gehen. Nur dass alle seine Freunde um uns herumstanden und den Trick noch nicht verstanden, weswegen er ihn dann allen seinen Freunden erklären musste. Daraufhin tat es mir extrem leid, dass er wegen mir aufgeflogen war, aber es schien ihm nichts auszumachen und er begrüßte mich auch in der nächsten Pause mit High Five und fragte nach meiner Sonnenbrille. Wobei er seinen Satz zu einem Wort verkürzte (das macht jedes Kind, weil sie so schnell reden und einfach jeder Vokal und Konsonant verschwimmt - nicht identifizierbar!) und ich nur "No sé, lo siento..." sagte, und traurig schaute. Daraufhin kam ein anderer Junge und zog mich an der Hand in meine nächste Klasse (Entweder er wollte mich von meinem Elend befreien, oder er half mir einfach in meine nächste Klasse zu finden. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an dich, unbekannter Junge!)

Wir bekamen von unserer Ayudante ein Heft zu lesen, in das jeder English-Teaching Volunteer bei seiner Abreise hineinschrieb. Jeder einzelne betonte, was für eine tolle Erfahrung es war, auch wenn es am Anfang schlimm schien. Am Abend verabschiedeten wir einen Deutschen, der seit 12 Monaten hier arbeitete und man merkte ihm an, wie traurig er war, gehen zu müssen.

Selbst Alex sagte über diesen Schultag, dass er "horrible" war. Doch der nächste Tag sollte besser werden. :) ¡Adiós!

Dienstag, 9. August 2016

Wir sind daaa


¡Hola liebe Leser!

Nach vielem Zittern, Kopfschmerzen, Stress und ewiger Langeweile haben Lissi und ich es geschafft nach Granada/Nicaragua zu finden - um von unserem Taxifahrer vor unserem "Appartement" abgestellt zu werden. Wir bekamen den Schlüssel und durften sogar noch hinter uns zusperren, bevor er verschwand. Wir schlichen durch einen dunklen Raum und gelangten in einen etwas größeren Küchenhof (Küche+Innenhof) und begannen die aufreibende Suche nach unserem Zimmer. (Wir starteten die Taxifahrt mit einem guten Maß an Smalltalk mit dem Taxifahrer, der kein Wort Englisch konnte. Und erst als wir sagten "Hablamos español muy mal." legte er richtig los. Unser Gesprächsanteil bestand aus "Sí." und "Mhm." Seitdem redete er mit einer Geschwindigkeit bei der wir nicht mehr mitkamen, und ich muss gestehen, irgendwann stieg ich aus.) Wir standen also in diesem Innenhof, unsere Koffer fest in der Hand und zerrten ihn hinter uns von einer Zimmertür zu nächsten, die aber leider alle geschlossen waren. Durch das Glück der Nichtspanischsprechenden öffneten wir eine Zimmertür mit zwei Einzelbetten, die nicht besetzt waren.

Erstens: Ich war seit 24 Stunden wach und wollte einfach nur ins Bett. Zweitens: Wir wussten, dass die Hygiene und Platzstandards hier anders sind als in Wien. Drittens: Das Zimmer sah aus wie eine Gefängniszelle mit bunten Wänden. Viertens: Waschbecken und Dusche sind zwar vorhanden, haben aber den gleichen Abfluss und statt eines Wasserstrahls sind es eher Wasserstrählchen. Fünftens: Der Ventilator vergrößert bei jeder Drehung seinen Radius um 0,2 cm. Wer will wetten, wann er runterkommt? Sechstens: Das Bett knarzt bei jedem Atemzug. Siebtens: Es gibt keine Decke! (Nein, wir schlafen nicht unter freiem Himmel.) Fazit: Wir waren in der Minute so extrem froh uns zu haben, dass wir sogar darüber lachen konnten (im Moment). Das heißt aber nicht, dass wir gut einschlafen konnten - oder überhaupt geschlafen haben in dieser Nacht. Und wir waren uns in einem sofort einig: Wären wir alleine hier, wären wir schon wieder im Flieger nach Hause (wir verschweigen das vorausgehende Heulend-in-einer-Ecke-Sitzen). 

Jetziger Standpunkt: Unser Spanisch hat sich schon richtig verbessert! Wir versuchen nicht mehr unsere Unkenntnisse zu überspielen, indem wir nicken und lächeln, sondern werfen schon sporadisch Wortfetzen auf unschuldige Nicaraguaner (ich habe gegooglet, es heißt so!). "¿Pagar, Dolares?" bis zu "¿Donde, mañana, nos, estaramos?" - und es funktioniert! Unsere Coordinatorin spricht ohnehin nur Spanisch mit uns, aber unsere Zellen- 'tschuldigung- Zimmernachbarin (Kalifornierin und supercool) hilft uns zum Glück aus.

 
Ein paar Dinge die uns jetzt schon aufgefallen sind:
  • Verkehrsregeln? Was sind das?
  • Als Frau wird man mit zweimaligem Hupen oder einem ¡Hola! begrüßt.
  • Der Preis steht aus Prinzip im Supermarkt nicht beim Produkt.
  • Es gibt viele streunende Hunde, die aber entweder schlafen oder völlig unberührt von jeglicher menschlichen Existenz herumtrotten.
  • So etwas wie Sauberkeit gibt es nur bis maximal 3 Minuten nach dem Duschen.
  • Alle Fenster und Türen sind vergittert, aber alle Häuser sind in den buntesten Farben angemalt, dass es richtig Spaß macht, auf der staubigen Straße vorbeizuschlurfen.
  • Aja, und durch diese Gitter kann man teilweise in das Wohnzimmer von Familien sehen. Oder einfach daran teilhaben, wenn eine Gruppe von Freunden sich auf den Gehsteig vor die Haustür setzt.
Morgen starten wir um 12:20 mit unserer English-Volunteer-Group in den Schulaltag. Wir sind schon sehr gespannt, weil uns unsere zwei französischen Mitbewohner erzählt haben, dass die Kinder den Unterricht ziemlich locker nehmen und anscheinend sogar währenddessen nach draußen spielen gehen (okaaay?). Das europäische Schulsystem lässt grüßen.

Geregnet hat es sogar auch schon und das Klima wurde schlagartig angenehmer. Die Schweißschicht auf der Haut ist nicht mehr 5 cm dick.

Mittlerweile sehen wir aber unseren Raum schon viel persönlicher und wir tolerieren uns gegenseitig. Wir sind sogar zu dem Schluss gekommen, dass es reicht, ein Hotel von außen zu sehen! Keine Klimaanlage... *seufz*


Interessant sind außerdem die vielen Malereien in unserer WG: Extrem bunt und verschiedenen Lebensweisheiten von früheren Volunteers versehen. Mit einer davon möchte ich meinen ersten Post auch schon schließen:

"We cannot do great things on this earth, only small things with great love." (Adrianna, Mai-Juni 2016)