¡Hola liebe Leser!
Nach vielem Zittern, Kopfschmerzen, Stress und ewiger Langeweile haben Lissi und ich es geschafft nach Granada/Nicaragua zu finden - um von unserem Taxifahrer vor unserem "Appartement" abgestellt zu werden. Wir bekamen den Schlüssel und durften sogar noch hinter uns zusperren, bevor er verschwand. Wir schlichen durch einen dunklen Raum und gelangten in einen etwas größeren Küchenhof (Küche+Innenhof) und begannen die aufreibende Suche nach unserem Zimmer. (Wir starteten die Taxifahrt mit einem guten Maß an Smalltalk mit dem Taxifahrer, der kein Wort Englisch konnte. Und erst als wir sagten "Hablamos español muy mal." legte er richtig los. Unser Gesprächsanteil bestand aus "Sí." und "Mhm." Seitdem redete er mit einer Geschwindigkeit bei der wir nicht mehr mitkamen, und ich muss gestehen, irgendwann stieg ich aus.) Wir standen also in diesem Innenhof, unsere Koffer fest in der Hand und zerrten ihn hinter uns von einer Zimmertür zu nächsten, die aber leider alle geschlossen waren. Durch das Glück der Nichtspanischsprechenden öffneten wir eine Zimmertür mit zwei Einzelbetten, die nicht besetzt waren.
Erstens: Ich war seit 24 Stunden wach und wollte einfach nur ins Bett. Zweitens: Wir wussten, dass die Hygiene und Platzstandards hier anders sind als in Wien. Drittens: Das Zimmer sah aus wie eine Gefängniszelle mit bunten Wänden. Viertens: Waschbecken und Dusche sind zwar vorhanden, haben aber den gleichen Abfluss und statt eines Wasserstrahls sind es eher Wasserstrählchen. Fünftens: Der Ventilator vergrößert bei jeder Drehung seinen Radius um 0,2 cm. Wer will wetten, wann er runterkommt? Sechstens: Das Bett knarzt bei jedem Atemzug. Siebtens: Es gibt keine Decke! (Nein, wir schlafen nicht unter freiem Himmel.) Fazit: Wir waren in der Minute so extrem froh uns zu haben, dass wir sogar darüber lachen konnten (im Moment). Das heißt aber nicht, dass wir gut einschlafen konnten - oder überhaupt geschlafen haben in dieser Nacht. Und wir waren uns in einem sofort einig: Wären wir alleine hier, wären wir schon wieder im Flieger nach Hause (wir verschweigen das vorausgehende Heulend-in-einer-Ecke-Sitzen).
Jetziger Standpunkt: Unser Spanisch hat sich schon richtig verbessert! Wir versuchen nicht mehr unsere Unkenntnisse zu überspielen, indem wir nicken und lächeln, sondern werfen schon sporadisch Wortfetzen auf unschuldige Nicaraguaner (ich habe gegooglet, es heißt so!). "¿Pagar, Dolares?" bis zu "¿Donde, mañana, nos, estaramos?" - und es funktioniert! Unsere Coordinatorin spricht ohnehin nur Spanisch mit uns, aber unsere Zellen- 'tschuldigung- Zimmernachbarin (Kalifornierin und supercool) hilft uns zum Glück aus.
Ein paar Dinge die uns jetzt schon aufgefallen sind:
- Verkehrsregeln? Was sind das?
- Als Frau wird man mit zweimaligem Hupen oder einem ¡Hola! begrüßt.
- Der Preis steht aus Prinzip im Supermarkt nicht beim Produkt.
- Es gibt viele streunende Hunde, die aber entweder schlafen oder völlig unberührt von jeglicher menschlichen Existenz herumtrotten.
- So etwas wie Sauberkeit gibt es nur bis maximal 3 Minuten nach dem Duschen.
- Alle Fenster und Türen sind vergittert, aber alle Häuser sind in den buntesten Farben angemalt, dass es richtig Spaß macht, auf der staubigen Straße vorbeizuschlurfen.
- Aja, und durch diese Gitter kann man teilweise in das Wohnzimmer von Familien sehen. Oder einfach daran teilhaben, wenn eine Gruppe von Freunden sich auf den Gehsteig vor die Haustür setzt.
Geregnet hat es sogar auch schon und das Klima wurde schlagartig angenehmer. Die Schweißschicht auf der Haut ist nicht mehr 5 cm dick.
Mittlerweile sehen wir aber unseren Raum schon viel persönlicher und wir tolerieren uns gegenseitig. Wir sind sogar zu dem Schluss gekommen, dass es reicht, ein Hotel von außen zu sehen! Keine Klimaanlage... *seufz*
Interessant sind außerdem die vielen Malereien in unserer WG: Extrem bunt und verschiedenen Lebensweisheiten von früheren Volunteers versehen. Mit einer davon möchte ich meinen ersten Post auch schon schließen:
"We cannot do great things on this earth, only small things with great love." (Adrianna, Mai-Juni 2016)

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